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Montag, 14. Januar 2019 Drucken

Kusel

Freie Wähler entwickeln Konzept für Rundwanderwege

Von Wolfgang Pfeiffer

Bei zertifizierten Rundwanderwegen herrscht für den Kreis Kusel auf der Seite des Deutschen Wanderinstituts gähnende Leere, während es direkt in der Nachbarschaft Richtung Norden Dutzende davon gibt, die Wochenendwanderer anziehen. Matthias Doll (links), Klaus Jung und ihre FWG Kusel-Altenglan wollen das ändern. Unser Bild entstand auf der Gemarkung „Acht“ in Ulmet, wo sich Wanderern ein Blick auf die Naturschutzgebiete Wartekopf und Mittagsfels bietet. Foto: Sayer (Foto: Sayer)

Die Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan will offiziell zertifizierte Wanderregion werden. Woran es ihr da aber vor allem fehlt: an Rundwanderwegen. Nun plant die FWG-Fraktion Kusel-Altenglan zwei bis drei solcher Wege – auf eigene Initiative, aber mit dem Segen des Verbandsgemeinderats. Und sie arbeitet an einem Vermarktungskonzept.

Matthias Doll und Klaus Jung, die das federführend übernehmen, haben drei Gebiete herausgesucht, in denen sie gute Chancen sehen, dass hier schnell etwas passieren kann: das mittlere Glantal rund um Ulmet, den Bereich Kusel/Schellweiler sowie den Potzberg. Erster Schritt dabei: Sie wollen in den nächsten Wochen für jedes Gebiet all jene an einen Tisch bekommen, die etwas dazu beitragen können; seien es die Ortsbürgermeister der beteiligten Gemeinden, seien es Gastronomen, seien es Wandervereine. Gemeinsam wollen sie die Touren festlegen und die Angebote aufeinander abstimmen.

Gastronomie soll profitieren

In ersten lockeren Gesprächen haben Jung und Doll bereits großes Interesse festgestellt – nicht zuletzt deshalb, weil die Gastronomie profitieren soll. Denn das ist es, was sie an den bisherigen Premiumwanderwegen stört, so sehr sie diese auch loben. Doch die langen Wege führten die Wanderer weg aus der Region, statt sie hier zu halten, hatte Doll schon in der Sitzung des Wirtschafts- und Tourismusausschusses der Verbandsgemeinde kritisiert. „Aber wir wollen doch Touristen zu uns in die Region bringen, damit die Region davon auch profitiert.“

Hinzu komme, sagt der begeisterte Wanderer, der viele Wochenenden im Jahr auf Schusters Rappen unterwegs ist, dass sich die mehrtägigen Premiumwanderwege schlechter für die große Menge an Wanderern vermarkten ließen. Die Wege seien zwar sehr schön, beispielsweise aber zum Teil auch zu anstrengend beispielsweise für Familien. „Wanderer entscheiden sich oft sehr kurzfristig für das Wochenende, wohin sie fahren“, erzählt er aus eigener Erfahrung. Die wollten dann nicht mehrere Tage einem Premiumwanderweg folgen, sondern zehn bis 15 Kilometer Rundkurs absolvieren – oft mit Einkehr.

"Tolle Landschaft schlecht vermarktet"

Doch hier gebe es ein erhebliches Defizit im Kreis. Kusel mit Umgebung sei beispielsweise auf der viel genutzten Internetseite des Deutschen Wanderinstituts ein komplett weißer Flecken, was zertifizierte Rundwanderwege angehe. „Hier müssen wir aktiv werden – sowohl bei den Wegen an sich als auch bei der Vermarktung. Denn mir tut das leid, dass wir eine so tolle Landschaft haben und die so schlecht vermarkten.“ Jung und Doll kündigten daher im Gespräch mit der RHEINPFALZ an, zugleich ein Vermarktungskonzept zu erarbeiten, das sich nicht allein auf die Seite „Wanderbares Deutschland“ konzentriere, für die die Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan eine Zertifizierung als Wanderregion anstrebt.

Kosten soll das die Verbandsgemeinde im ersten Schritt überhaupt nichts – was es dem Rat vermutlich auch leicht gemacht hatte, den Vorstoß der Freien Wähler in der jüngsten Sitzung aufmunternd durchzuwinken. „Dafür brauchen wir zuerst einmal kein Institut. Denn bis zur Kartierung, um die Wege dann zertifizieren zu lassen, können wir alles selbst machen“, erklärt Jung. Und auch hernach sei vieles in Eigenarbeit zu leisten. Dabei ganz oben auf der Prioritätenliste: eine einheitliche, gut sichtbare Markierung vom ersten Meter an. Theisbergstegen und Kusel seien offiziell Wanderbahnhöfe – doch Wanderer, die dort ausstiegen, müssten sich ihren Weg erst einmal suchen.

Im ersten Halbjahr, so schätzen sie, werden sie die Planungen so weit voranbringen können, dass das Thema wieder zurück in den Rat kann. Denn eines ist ihnen wichtig: Ihre Initiative sei keine Konkurrenzveranstaltung zu dem, was die Verbandsgemeinde selbst unternommen habe oder noch unternehme. Es soll eine Ergänzung sein, die die Region voranbringt.

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