Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel Studenten der Uni Heidelberg untersuchen Rodalber Wald

Studenten aus Heidelberg haben sich im Hilschberghaus des PWV Rodalben mit ihren Dozenten Michael Handke (links) und Bertil Mäch
Studenten aus Heidelberg haben sich im Hilschberghaus des PWV Rodalben mit ihren Dozenten Michael Handke (links) und Bertil Mächtle (rechts) Gedanken über einen zukunftsfähigen Wald gemacht.

Das Ergebnis der einwöchigen Exkursion von 23 Studenten des geografischen Instituts der Universität Heidelberg in Rodalben und Umgebung mündet in eine Mammut-Aufgabe: Der Wald in der Südwestpfalz müsse zukunftsfähig gemacht werden im Zusammenwirken vieler Akteure, vor allem von Forst und Politik (Umwelt, Wirtschaft, Tourismus).

Die Dozenten Michael Handke und Bertil Mächtle hatten das Hilschberghaus schon des Öfteren für mehrtägige Exkursionen auserkoren. Hier stehen der Gruppe ein ruhig gelegener, großer Saal als Seminarraum zur Verfügung, Zwei-Bett-Zimmer und eine Selbstversorgerküche. „Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt“, sagte Michael Handke. Heidelberg sei nicht weit, und die Gruppe finde in der Region, wonach sie aus fachlicher Sicht sucht: eine typische Mittelgebirgslandschaft mit großer Vielfalt.

Gearbeitet werde mit einfachen Mitteln wie dem Pyrkhauer, einem Hohlmeißelbohrer für bodenkundliche Untersuchungen, aber auch mit anspruchsvoller Geotechnik. Der Einsatz einer Drohne habe ermöglicht, „die Dimension der Landschaft einzufangen“. Neue Sichtweisen hätten Gesprächspartner eingebracht: Andreas Eichenlaub von der forstwirtschaftlichen Vereinigung der Pfalz (für die privatwirtschaftliche Seite) und Michael Grünfelder, Leiter des Forstamts Hinterweidenthal.

„Fichte wird als Forstbaum ausfallen“

Die Felsformationen der Region mit ihrem klaren Schichtaufbau hätten Einblicke in die Erdgeschichte gegeben. Erste Forschungsergebnisse hätten die pH-Messungen ergeben. „Die saure Braunerde überwiegt, wir sind sogleich auf Bodensäure gestoßen, wie im Lehrbuch“, erklärte Bertil Mächtle im RHEINPFALZ-Gespräch. Er wagte die Prognose: „Die Fichte wird als Forstbaum ausfallen.“

Die Begründung leuchtet ein: Nadelwälder tragen zur Bodenversauerung bei. Lebewesen wie Regenwürmer können in einem sauren Milieu nicht überleben. Ihr Absterben wiederum verhindert die Humusbildung. Der saure Boden kann wenig Nährstoffe aufnehmen, und es geht Speicherkapazität für Wasser verloren, weil das Bodengefüge zerstört wird. Der Boden trocknet schneller aus.

Gestresste Buche

Der Zustand des Rodalber Waldes bestätige diese Vermutungen. „Die Spuren des heißen Sommers sind immer noch offensichtlich“, stellte Mächtle fest. „Trotz des vielen Regens in den letzten Wochen fehlt Wasser. Die Buche zeigt sich immer noch sehr gestresst. Der Wald ächzt“. Die lange Trockenheit werde auf Dauer ein Problem bleiben.

Durch den Klimawandel ergebe sich dringender Handlungsbedarf. Nach 40 bis 60 Jahren sei der Umbau des Waldes gerechtfertigt, sagen die Uni-Dozenten. Alten Wald stehen zu lassen, stoße an „natürliche Grenzen“. Zukunftsfähig sei ein starker Mischwald aus älteren und jungen Bäumen, der CO2 zu binden vermag. Unaufgeräumt dürfe der Wald bleiben. Dünnes Stammholz und Geäst auf dem Boden biete Lebensraum für Kleintiere und bilde sich – wenn auch nur über lange Zeit – zu Humus zurück. Der Mischwald sei weniger anfällig für Schädlinge als eine Fichtenmonokultur. Kurzum: „In einem gesunden Mischwald hat es der Borkenkäfer schwer.“ Die Exkursionsgruppe hält den „Um- und Neuaufbau des Waldes“ für das Gebot der Stunde.

Einwurf: Schützenhilfe für den Forst

Zufällige Schützenhilfe von der Exkursionsgruppe aus Heidelberg bekam das Forstamt Westrich nach dem massiven Baumhieb oberhalb der Fichtenstraße. Der Umfang der Arbeiten, die Schäden im Wald hinterlassen hatten, war auf Kritik gestoßen. Nun unterstützten die Wissenschaftler die Auffassung des Forstes. Zwei Botschaften prägten sich ein: Erstens bedeutet der Umbau zum Mischwald eine Aufwertung. Er nutzt der Umwelt ebenso wie der Forstwirtschaft. Und zweitens: Mischwald ist nicht so anfällig für Schädlinge. Ein Vergleich mit Renovierungsarbeiten zu Hause bietet sich an: Zunächst muss Unordnung in Kauf genommen werden. Hinterher aber freut man sich über die Veränderung.

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