Contwig / Kiew
Pfälzer Helfer retten Menschen und Tiere aus Ukraine
Zwischen Deutschland und der Ukraine liegen laut Harstick rund 15 Stunden Fahrzeit beziehungsweise 2500 Kilometer Entfernung. Vor Ort angekommen, habe sich den Contwiger Tierrettern ein Bild wie aus einer anderen Welt geboten. „Ich finde dafür eigentlich keine Worte. Alles liegt in Schutt und Asche“, schildert Harstick. Im Gepäck der Hilfskräfte in die Flüchtlingslager waren Hygieneartikel, Notfallmaterial, Babynahrung, Decken, Schlafsäcke, Tiernahrung und vieles mehr. „Wir sind mit sieben Autos gefahren", berichtet Harstick: drei von der Contwiger Tierrettung, drei aus dem Saarland und eines von einer privaten Hilfsorganisation bei Karlsruhe, das sich dem Konvoi auf der Autobahn angeschlossen hat. Abfahrt war am Freitagmorgen, 4.30 Uhr. Nach gut 50 Stunden samt Übernachtung in Polen waren die Einsatzkräfte am Sonntagmorgen zurück in der Südwestpfalz.
Keine Pflegestellen gesucht
Aus dem Kriegsgebiet in der Ukraine haben die Tierretter 23 Katzen und vier Hunde geholt. Die Tiere wurden in polnischen Tierheimen untergebracht, wo sie von Helfern geimpft und gechipt und dann verteilt werden. Dabei werde jedoch geschaut, welchen Familien die Tiere jeweils gehören. Sollte der Krieg eines Tages vorüber sein, sollen die rechtmäßigen Besitzer ihre Lieblinge wieder zurückbekommen. „Das sind ja auch Familienmitglieder“, sagt Harstick und macht ausdrücklich klar, dass derzeit keine Pflegestellen für geretteten Tiere gesucht würden. Einerseits, weil die Tiere noch in Polen sind und es dauert, bis sie nach Deutschland eingeführt werden dürfen. Andererseits, weil Harstick und sein Team derzeit andere Aufgaben zu erledigen hätten als nach Pflegestellen für die 23 Katzen und vier Hunde zu suchen.
Die Tierrettung organisiert einen weiteren Hilfskonvoi, dafür werden Sachspenden zusammengetragen. „Auch für uns Tierretter geht die Menschenrettung vor“, betont Harstick. Je nachdem, wann alle Hilfsgüter beisammen sind, startet an diesem oder am kommenden Wochenende ein erneuter Konvoi in die Ukraine.
Üble Szenen an der Grenze
Dort hätten die Helfer an der Grenze üble Szenen beobachtet. „Hübsche Frauen werden von dubios aussehenden Männern abgefangen“, schildert der Contwiger. Die Männer seien wohl Menschenhändler oder gehörten zur Mafia. „Auch wir mussten die Menschen erst überzeugen, mit uns mitzufahren, obwohl wir Behördenfahrzeuge haben“, berichtet Harstick. Vier Geflüchtete haben die Tierretter nach Deutschland mitgenommen, darunter eine 80-jährige Frau aus der Hauptstadt Kiew.
Die vier Geretteten sind jetzt im nordrhein-westfälischen Hagen untergebracht.