Waldfischbach-Burgalben
Gewerkschafter durch und durch
Wenn es den Arbeitnehmern gut geht, dann geht es auch dem Unternehmen gut. Diese Erkenntnis gewann Ottmar Röhrig aus Waldfischbach-Burgalben schon als junger Mensch. Er engagierte sich früh in der Gewerkschaft. Seit über 50 Jahren ist Röhrig, der langjährige Betriebsratsvorsitzende der Tehalit in Heltersberg, Gewerkschaftsmitglied. Der 72-Jährige, längst im Ruhestand, leitet nach wie vor die Ortsgruppe Waldfischbach-Burgalben der IG Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE).
Eine Urlaubsreise führte einst das Ehepaar Röhrig, das gerne die Welt erkundet, nach England. Per Bus ging es auf die Insel. Bei der Heimfahrt staute es sich am Fähr-Terminal. Die Dockarbeiter streikten. Als die Fahrt fortgesetzt werden konnte, fragte der Busfahrer: „Alle an Bord?“. Nein, einer fehlte, erzählt Brigitte Röhrig. Ihr Mann hatte sich unter die streikenden Dockarbeiter gemischt. Streiks und Demonstrationen „sind ein notwendiges Mittel, um Forderungen Nachdruck zu verleihen“, sagt Röhrig.
Aus- und Weiterbildung als Steckenpferd
Die Angelegenheiten der Kollegen regeln, sich für diese einsetzen, habe ihm immer Spaß gemacht, sagt er. Ein Steckenpferd seien die Aus- und Weiterbildung gewesen. Bis heute. Das Wort Fachkräftemangel „mag ich nicht hören. Bildet aus, schafft attraktive Angebote, dann fehlt es auch nicht an Fachkräften“, appelliert Röhrig an die Arbeitgeber. Und nennt als positives Beispiel den von der Gewerkschaft mit Tehalit und Kömmerling sowie der Industrie- und Handelskammer aus der Taufe gehobenen Weiterbildungsberuf Industriemeister Kunststoff/Kautschuk. Die Absolventen können den Meistertitel erwerben und bleiben in dieser Zeit im Unternehmen. Ein Gewinn für alle. Drei Jahrzehnte gehörte er dem Prüfungsausschuss aus, der die angehenden Meister auf Herz und Nieren prüfte.
Auch die Arbeitgeberseite im Blick
Röhrig hatte auch die Arbeitgeberseite immer im Blick. Er weiß, was es heißt, im internationalen, im globalen Wettbewerb zu stehen. Deshalb lässt er auch den Satz gelten, dass es den Arbeitnehmern gut gehe, wenn es dem Unternehmen gut geht. „Meistens“, sagt er. Zumindest habe das in der Regel für deutsche Firmen gegolten. Beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, hätten die Vorteile des Mitbestimmungsgesetzes gesehen. „Das heißt nicht, dass bei den Tarifverhandlungen nicht mit harten Bandagen gekämpft wurde. Aber es war immer fair“, erinnert sich Röhrig, der etliche Male als Mitglied der Landes- und Tarifkommission große Tarifabschlüsse mit aushandelte.
Er erinnert sich an eine besonders zähe Verhandlungsrunde in Lahnstein. Es sei nicht vorwärts gegangen. Kollegen hätten dann dem Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite eine Brille für den besseren Durchblick überreicht. „Das war eine Klobrille“, erinnert sich Röhrig lachend. Er war auch ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht, besitzt die Ehrenmedaille der IGBCE, die silberne und goldene Ehrenmedaille der IHK.
Schon jung in die Verantwortung gewählt
Was die Gewerkschaftsarbeit angeht, sei er durch seinen Vater geprägt worden. Bei der Maschinenfabrik Sand AG in Pirmasens absolvierte er seine Lehre, war schnell Jugendvertreter der IG Metall. 1971 wechselte er zur Tehalit als Wartungsschlosser. Mit dem Firmenwechsel ging auch ein Branchenwechsel und damit ein Gewerkschaftswechsel einher. Röhrig war jetzt Mitglied der IG Papier, Chemie, Keramik, die später in der IG BCE aufging. Er wurde 1975 zum Betriebsrat gewählt, „und dann blieb ich es 31 Jahre“, bilanziert er. Die Kollegen schenkten ihm das Vertrauen.
Dass er als junger Betriebsrat schnell in die Verantwortung reinwuchs, verdanke er sehr guten hauptamtlichen Beratern bei der Gewerkschaft, die ihm zur Seite standen. Unzählige Lehrgänge absolvierte er, befasste sich mit Wirtschaft, Betriebsverfassung und Sozialwesen. „Bei den Lehrgängen habe ich auch alle deutschen Großstädte kennengelernt“, erzählt er. Er absolvierte parallel dazu eine Ausbildung als Refa-Fachmann. „Das hat mir bei meiner Gewerkschaftsarbeit sehr geholfen“, sagt er, die er ohne Ehefrau Brigitte so nicht hätte bewältigen können.
Tehalit war auch Familie
Die Betriebsratsarbeit habe viel Spaß gemacht. „Ich habe auch das Glück gehabt, dass Tehalit immer schwarze Zahlen schrieb. Da ist die Arbeit für den Betriebsrat natürlich viel leichter“, weiß er. Tehalit war Familie gewesen. Alle Entscheidungen seien vor Ort getroffen worden. Die Gründer Daniel und Albert Theysohn seien sehr sozial eingestellt gewesen. Als ein Kollege auf der Hannover-Messer hörte, dass Tehalit verkauft werden sollte, sei das überraschend gewesen. Das französische Großunternehmen Legrand war der Interessent. Weil die Möglichkeit bestand, dass das fusionierte Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung einnehmen würde, signalisierte das Bundeskartellamt, dass mit einer Ablehnung des Zusammengehens zu rechnen sei.
„Die Ablehnung kam nie in schriftlicher Form, aber die Suche nach einem neuen Partner lief und ein halbes Jahr später wurde es die Hager Group“, erzählt Röhrig von der für ihn aufreibendsten Zeit. Wichtig sei gewesen, dass auch mit der Hager-Führung gut zusammengearbeitet werden konnte. Die Firmenphilosophien passten. Und es kamen neue Aufgaben: Europäischer Betriebsrat, Konzernbetriebsrat. Er war viel unterwegs. „Wie man einen Trolley packt, weiß ich“, bestätigt Röhrig lachend.
Auch Kompromissbereitschaft wichtig
Dass das Interesse, sich in der Gewerkschaft zu engagieren nachgelassen hat, bedauert er. Gewerkschaften hätten vieles erreicht, erinnert er an Demografiefonds oder betriebliche Pflegeversicherungen. Je mehr Mitglieder eine Gewerkschaft habe, „umso stärker kann man sich für berechtigte Forderungen einsetzen“, sagt Röhrig. Gewerkschafter zu sein, bedeute aber auch, dass man Kompromisse eingehen müsse. Er sei Gewerkschafter durch und durch, sagt Röhrig. Das bleibe er, „bis ich die Augen zu mache“.
Wenn es mal nicht um Gewerkschaftsengagement geht, verreist er gerne. Griechenland ist Lieblingsziel der Röhrigs, die schon viel von der Welt gesehen haben. Sind sie zu Hause, gibt ein besonderer Hausgenosse den Ton an: Der 13-jährige Nymphensittich Coco. Der pfeift mit Leidenschaft und spricht auch viel. Am liebsten pfälzisch, verrät Röhrig.
Geehrte Mitglieder der IG BCE
Doppelten Grund zum Feiern hatte die Ortsgruppe Waldfischbach der IG Bergbau und Chemie (IG BCE). Heiko Metzger, kommissarischer Bezirksleiter im Bezirk Saarbrücken, ehrte die IGBCE-Mitglieder, die in den Jahren 2020 – damals konnten coronabedingt keine Ehrungen stattfinden – und 2021 Jubiläum feierten.
Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurden geehrt: Manfred Gohlke, Jochen Busch, Peter Ballin, Tobias Bernhard, Dieter Chelius, Markus Schwem, Christine Werndorf, Hans Hochadel, Michael Riehmer, Bernd Walz, Johannes Faust, Oliver Ankener, Marco Schuetz, Dieter Schneider, Michael Tobias, Joachim Neuhaeusel, Peter Fols, Rüdiger Pfaff, Sascha Sauer, Ralf Heim, Sven Pfirrmann, Volker Scholz, Horst Gundacker, Carsten Schattauer, Hans-Jürgen Zwing, Silvia Menges.
40 Jahre sind dabei: Jürgen Hauck Manfred Becker, Artur Zumbach, Roger Vatter, Gerhard Palm, Bernd Kallenbach; Leopold Fechner, Eduard Fechner, Werner Chelius, Volker Zimmermann, Michael Walter, Annerose Ulmer
50 Jahre sind dabei: Blanca Stichler, Anita Bangert, Ottmar Röhrig, Erhard Günther.
60 Jahre sind dabei: Kurt Schröder, Horst Petereit und Erich Lorang.