Hauenstein
Gastgeber freuen sich über zunehmende Nachfrage
„Besser als gedacht“ sei man aus der verordneten Corona-Pause gekommen, sagt Magnus Zimmermann, der die Küche verantwortet und das Handwerk beispielsweise bei Eckart Witzigmann, im Waldorf-Astoria-Hotel in Bad Hofgastein oder im „Jagdhof“ in Filzmoos gelernt und zuletzt die Gäste in Gleiszellen bekocht hat. Jonas Strauß ist zuständig für das Hotel-Management und den Service. Er war zuvor unter anderem im Kurhaus Trifels und in der Zeiskamer Mühle als Betriebsleiter tätig. Beide haben auch schon in verschiedenen Häusern zusammengearbeitet.
Schon im Juni eine gute Auslastung
Strauß konstatiert, dass man bereits im Juni eine Hotel-Auslastung von 80 Prozent erreicht habe. Das „Felsentor“ sei sehr gut nachgefragt; vor allem, aber nicht nur, der Sport-Tourismus mit Mountainbikern, Radtouristen und Wanderern, sorge für rege Nachfrage. Unter anderen bietet das Haus vor diesem Hintergrund ein Arrangement „Aktiv im Wald“ an. Der Tatsache, dass Hauenstein als Schuh-Hochburg gilt und das Zweibrücker Outlet nicht weit ist, würden sie mit einem „Shopping-Weekend“ gerecht. „Das Angebot an Arrangements mit Pauschalen wollen wir weiter ausbauen“, benennen die beiden jungen Hoteliers eine nächste Aufgabe.
Das Haus in der Bahnhofstraße verfügt über insgesamt 27 Zimmer. Sie sind zwischen 20 und bis 45 Quadratmeter groß. Dem großen Restaurant schließt sich ein Wintergarten und eine großzügige Terrasse an, von der der Blick in einen wunderschönen Garten fällt. 1600 Quadratmetern ist der Hotelpark groß, man findet darin zahlreiche Pflanzinseln mit derzeit üppiger Blütenpracht und Sträuchern, eine Grillhütte und einen Teich.
Für den Garten, der sich ebenerdig vor den Seminarräumen des Hauses öffnet, wurde eine eigene Snack-Karte konzipiert, die einfache klassische Gerichte wie Wurstsalat oder „Wurstgrumbeere“ vorhält, die „wir auf unsere besondere Art zubereiten“, wie Magnus Zimmermann betont. Der Chef in der Küche pflegt ansonsten eine „gehobene Küche mit mediterranem Einschlag, keine Riesenkarte, sondern übersichtlich und für jeden ist etwas dabei“, ist er sich sicher.
Mehr eigene Produkte
Wert legt die Felsentor-Küche auf eigene Produkte: So backt man das Brot – etwa ein Bärlauch-Kümmelbrot – selbst, stellt Chutneys, eigene Gewürzmischungen und Senfe her. In den vergangenen Wochen wurde Sirup gekocht: In einer großen Gemeinschaftsaktion produzierte das Team 200 Liter Sirup aus Rhabarber, den sie in den Gärten freundlicher Nachbarn ernten durften, 400 Liter Tannenspitzensirup und 600 Liter Holunderblütensirup. „Das sind jetzt einige Akzente, die wir setzen. Wir wollen aber den Anteil eigener Produkte in unserem Angebot weiter ausbauen“, sagt der Küchenchef und ist sich sicher: „Qualität zahlt sich aus.“
Die Weinkarte weist Tropfen bekannter Weingüter aus der Südpfalz auf. Verschiedene Sorten Gin und Whisky, diverse Longdrinks und nicht alltägliche Aperitifs finden sich ebenso auf der Getränkekarte.
In Corona-Pause auch Abläufe überarbeitet
Die Corona-Pause hat das Team, zu dem mittlerweile 19 Mitarbeiter zählen, heftig getroffen: „Aber wir haben das Beste daraus gemacht“, sagen Zimmermann und Strauß. Zunächst bot man „Gourmet-Boxen“ und „Die ganze Gans“ to go an, fuhr aber im Januar den Betrieb „auf ein Minimum zurück“. Die staatlichen November- und Dezember-Hilfen flossen zwar, danach aber war Ebbe. Dass einige Geschäftsreisende im Hotel abstiegen, habe „für überschaubare, aber hilfreiche Einnahmen“ gesorgt. Die Mitarbeiter freilich waren in Kurzarbeit.
Bis zur Wiedereröffnung wurde „alles, was möglich war, überarbeitet und renoviert“, berichten die beiden Hoteliers. Zimmer wurden auf Vordermann gebracht, die Küche „auseinandergenommen“ und ergänzt, sodass die Abläufe optimiert werden konnten. Jetzt hat man noch einige energetische Korrekturen vor: So soll ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk den hohen Energiebedarf im Haus decken. Auch eine Photovoltaikanlage ist vorgesehen.
Unterschiedliche Reaktionen in Hauensteiner Häusern
Fragt man in weiteren Hauensteiner Hotel- und Gastronomiebetrieben den Geschäftslauf nach dem Start ab, dann sind die Reaktionen unterschiedlich. „Es läuft an, es ist aber deutlich Luft nach oben“, stellt Klaus Kerth vom Hotel-Restaurant Waldesruh fest „Die Nachfrage ist wohl da, sie ist im Hotelbereich eher schleppend“, berichtet er und fasst zusammen: „Wir sind von Normalität weit entfernt.“
Thomas Engel vom „Ochsen“ ist mit den Buchungseingängen für das Hotel dagegen „sehr zufrieden“, für den Restaurantbereich merkt er an, dass viele Gäste draußen bleiben wollen, was bei der unsicheren Witterung der letzten Tage aber immer ein Vabanque-Spiel sei. Die Bewirtung im Innenbereich sei wegen der bis Freitag bestehenden Regeln mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden gewesen. Ein großes Problem der Branche sei das fehlende Personal: „Wir suchen dringend Kräfte für den Service“, sagt Engel.
„Sehr zufrieden“ ist Silvia Keller vom Hauensteiner Hof: Die Zimmer seien gut gebucht. Im Juli sei das Haus nahezu ausgebucht, sagt die Hotelchefin, die darüber berichtet, dass sich eine deutlich verlängerte Aufenthaltsdauer abzeichnet.