Waldfischbach-Burgalben
Die IGS mit aufgebaut: Irmgard Bauer jetzt im Ruhestand
Ruhestand statt Rückkehr an die Schule, heißt das für Bauer. „Ich bin kein Urlaubstyp“, sagt sie und plant, die freie Zeit wieder mit Lernen zu füllen. Am Tag, an dem es für die Schüler und ihr früheres Kollegium offiziell zurück in die Schule geht, kann Irmgard Bauer ihren täglichen Fünf-Kilometer-Lauf im Wald rund um Dansenberg nutzen, um an ihren letzten Schultag zurückzudenken, an dem sie verabschiedet worden war. „Ich hatte einen wirklich schönen Tag“, sagt Bauer.
Der hatte mit einem Abholservice an der Haustür begonnen. Auf Maria Rosenberg wurde, fast im wahrsten Sinne des Wortes, ihr letzter Arbeitstag eingeläutet. Mit dem Wallfahrtsort verbindet sie sehr viel. Der katholische Glaube hat ihr Leben immer maßgeblich mitbestimmt. Ein Kraftort würden vielleicht die Mitglieder der Schülervertretung sagen, die ihr zum Abschied eine Yoga-Matte schenkten.
Die Familie als Bezugspunkt
In Trassem, einem Fremdenverkehrsort an der Mosel, zwischen Trier und Saarburg gelegen, kam Irmgard Bauer vor 63 Jahren auf die Welt. Dass sie mal Schulleiterin einer Realschule werden würde, ahnte niemand, als sie in Saarburg an der Realschule ihre weiterführende Bildungslaufbahn begann. Es war ein neuer Schultyp. „Wir waren der zweite Jahrgang an der Realschule und dieser Schultyp war von Anfang an meiner“, bekennt Bauer. Nach der Mittleren Reife folgte der Wechsel auf das Auguste-Victoria-Gymnasium in Trier. „Ich durfte aufs Gymnasium gehen“, erinnert Bauer daran, dass das nicht selbstverständlich war im von der Landwirtschaft geprägten Zuhause. War der Besuch der Oberstufe doch auch damit verbunden, dass sie unter der Woche in Trier in einem Zimmer zur Untermiete wohnte. Einige Kilometer entfernt von der Familie, die bis heute ein wichtiger Bezugspunkt im Leben geblieben ist.
Am Gymnasium spielte die Religion eine wichtige Rolle. „Wir waren der erste Jahrgang in Rheinland-Pfalz, der einen Leistungskurs katholische Religion besuchte“, erinnert sie sich und ergänzt: „Ich weiß auch nicht, ob es nach uns noch mal einen solchen Leistungskurs gegeben hat.“ Es sei einer ihrer herausforderndsten Kurse gewesen – Biologie und Deutsch waren ihre weiteren Leistungskurse. „Aber wir haben auch tolle Sachen gemacht, haben uns zum Beispiel viel intensiver mit Philosophie befasst, als im gesamten späteren Studium“, erzählt sie. Nach dem Abi folgte in Mainz der Start ins Studium der katholischen Theologie. Aber Diplom-Theologin, „das war ich nicht“, sagt Bauer und sattelte um. Auf ein Lehramtsstudium der katholischen Theologie und Germanistik in Trier. „Ich wollte Lehrerin werden“, wusste sie früh, wohin ihr beruflicher Weg führen sollte. „Es war eine ganz bewusste Entscheidung, Lehramt für die Realschule zu studieren“, sagt Bauer.
Strukturreform gestaltet
Es folgte eine kleine Reise durch Rheinland-Pfalz mit Stationen in Wörrstadt, Neuwied, Kaiserslautern, Landstuhl und Annweiler. 2005 schließlich der Wechsel nach Waldfischbach-Burgalben. Sie kannte die Max-Wittmann-Realschule aus ihrer Zeit am Studienseminar. „Die Schule hat mir schon immer gefallen“, verrät Bauer. Als die Schulleiterstelle ausgeschrieben war, „war klar, dass ich mich bewerbe“, sagt sie. 16 Jahre sollte sie bleiben und eine Schulstrukturreform erleben und mitgestalten müssen. „Das war sehr anstrengend“, räumt sie ein, „ich hatte ja eine sehr gut funktionierende Realschule.“ Auch die benachbarte Hauptschule lief sehr gut. Zwei funktionierende Schulen, deren jeweiligen Geist zusammenführen und eine dritte Schule – die Integrierte Gesamtschule – aufzubauen, „das war eine enorme Herausforderung“, sagt Bauer.
Sie bewarb sich für die Schulleiterstelle der neuen IGS und bekam sie. Und ging dann sehr schnell auf die Daniel-Theysohn-Stiftung zu, mit der Frage, ob die Schule nicht nach dem Mann benannt werden könnte, dem die Kinder und Jugend, deren Bildung immer so am Herzen gelegen hat. „Eine tolle Idee“, erinnerte Gerhard Andreas, der Vorsitzende der Daniel-Theysohn-Stiftung, bei Bauers Adieu.
Guten Geist bewahrt
Den guten Geist der beide Schulen zu bewahren, „das ist uns gelungen“, sagt Bauer. Darauf sei sie stolz. Das Kollegium, die Mitarbeiter, die Schüler hatten alle ihren Teil dazu geleistet. Für diesen Geist stehen zahlreiche Auszeichnungen, wie Schule ohne Rassismus, nachhaltige Schule, ein Schulacker und vieles mehr. Diesen Geist beschworen auch viele Abschiedsredner an Bauers letztem Schultag.
„Ich habe die Schüler immer ernst genommen, das ist wichtig. Aber ja, man muss auch konsequent sein“, sagt Bauer. Ihre letzte Klasse, die sie als Klassenlehrerin begleitet hatte, hat ihr ein Gedicht gewidmet: „Der Unterricht war zwar schwer, doch jetzt wissen wir viel mehr. Sie haben uns viel beigebracht und dabei mit uns gelacht“. „Stimmt“, sagt Bauer schmunzelnd und bestätigt, dass ihre nicht ernst gemeinte Drohung immer gewesen sei, aus dem Fenster zu springen, wenn es im Unterricht mal wieder nicht so lief, wie sie es sich vorstellte. Den Satz haben auch die Schüler verewigt: „Nun müssen sie nicht mehr aus dem Fenster springen und können den Tag in Ruhe verbringen.“
Zum Abschied gab es reichlich Geschenke. Bücher mit Reisetipps, russische Literatur. Ihr großes Hobby. Eines, das ihr zukünftiges Leben noch mal intensiv bereichern soll. Ein Pro-Seminar an der Universität in Heidelberg steht auf der Liste der Vorhaben für den Ruhestand, der auch Unruhestand sein soll. Quasi wieder Studentin werden, „denn man lernt nie aus“, sagt Bauer.