Battweiler / Reifenberg
Der Luftangriff auf Battweiler: Bomben bringen Tod, Zerstörung und Verzweiflung
Die Märztage 1945 waren im Zweibrücker Land so sonnig und schön wie gerade jetzt in diesen Tagen. Für die Dorfbewohner nicht weit von der französischen Grenze entfernt war diese Schönwetterlage keine Freude. Schließlich war es das ideale Wetter für die Luftangriffe der Jagdbomber. Am Tag des Einmarsches der amerikanischen Soldaten in Battweiler, es war der 22. März 1945, ein Donnerstag, wurde Willi August Lauer geboren.
Für Hedwig Lauer, geborene Weizel, und August Lauer waren es wegen des dramatischen Bombenangriffs ungewisse und sicher auch schreckliche Tage. Tage, die sie sich für die Geburt ihres vierten Kindes sicher nicht gewünscht hatten. Die Familie lebte unmittelbar neben dem Schulhaus in der Dorfmitte. An jenem 22. März wollten amerikanische Soldaten das Haus durchsuchen und wurden Augenzeugen einer beginnenden Geburt, erzählt der damalige Nachbar Heinz Lauer. Fremdes und bewaffnetes Militär im eigenen Haus – sicher keine Beruhigung in den Minuten, in denen ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblicken sollte. Ohnehin erforderte eine Hausgeburt damals wie heute alle Aufmerksamkeit.
Große Belastung für die Hinterbliebenen
Die Soldaten durchsuchten in diesen Wochen immer wieder jedes Haus nach versteckten Soldaten der Wehrmacht, Waffen und Munition. Natürlich hatten sie auch Augen für alles, was sie für wertvoll, interessant und gut hielten oder gegen den Hunger in der Not fanden. Es gab kein Teilen in der Not, so die Erinnerung der Frauen, Kinder und Greise, die es miterlebt hatten. Die jungen Buben von fast 17 Jahren und die Männer bis gut 60 Jahre waren alle im Krieg. Im Dorf fehlte somit den Frauen, Kindern und wer sonst noch zugegen war zumindest eine moralische Unterstützung, die dringend benötigt wurde. Die Angriffe, das Verhalten der fremden Soldaten und die Ungewissheit, was mit den Liebsten im Krieg ist, hinterließ tiefe seelische Spuren, die mit dem Frieden nicht einfach vorbei waren.
Druckwelle reißt 5000 Ziegeln vom Kirchendach
Um die Mittagszeit des 19. März 1945 seien die Fluggeräusche der Jagdbomber (Jabos) zu hören gewesen. Kurz darauf sei die tödliche Fracht, die sie mitschleppten, über das Dorf niedergerauscht, erinnert sich Heinz Lauer. Mit seinem Klassenkameraden und Nachbarn, Horst Bayer, spielte er damals an der Rinne beim Bauernhof der Eltern mit Klickern, also bunten Glaskugeln. Nach dem Bombeneinschlag sei das Schulgebäude in etwa 30 Metern Entfernung in sich zusammengesackt und habe danach in Trümmern gelegen. Die Druckwelle habe von der Kirche gegenüber 5000 Ziegeln vom Dach gerissen. Beide Jungen blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Auch das neben dem Schulhaus stehende Gebäude von Familie Lauer wurde nicht getroffen.
Leid, Schmerz und Tod durch Phosphorbomben
Unvorstellbares Leid hinterließen jedoch die grausamen Phosphorbomben. Hühner, Gänse, Hunde und Stallvieh verbrannten qualvoll. Das Gebälk zerstörter Dächer brannte wochenlang, da der Phosphor mit den vorhandenen Möglichkeiten nicht zu löschen war. Viel totes Vieh in den Bauernhöfen, was dringend für die eigene Versorgung notwendig war, musste vergraben werden, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Schutt und Asche, und die allgemeine Verwüstung erschwerten lange die notwendigen Alltagserledigungen.
Die zerstörte Schule aus dem Jahr 1878 war noch rund 20 Jahre nach dem Krieg eine mahnende Schutthalde in der Ortsmitte. Der teilweise erhaltene Gewölbekeller war ein beliebter Spielplatz der Dorfkinder. Das zerstörte Schulgebäude wurde nicht wieder aufgebaut. In den 1960er-Jahren hat die Gemeinde dort ihre Bürgermeisterei erbaut, die unter der Leitung von Gemeindesekretär Hermann Büffel aus Reifenberg auch für Niederhausen und Winterbach zuständig war. Die Hauptwasserleitung von der Dorfkirche in Richtung Mühlweg nach Niederhausen konnte über Monate nicht repariert werden. Bewohner konnten Trinkwasser nur noch zu bestimmten Zeiten an den Dorfbrunnen holen – eine Aufgabe, die von den Kindern übernommen wurde, denn die Frauen gingen den Soldaten lieber aus dem Weg.
Vor Beginn der Abenddämmerung galt eine absolute Ausgangssperre und Verdunkelungspflicht der Fenster. Diese Auflagen hätten die Soldaten mit erbarmungsloser Konsequenz durchgesetzt. Groß war die Angst vor den amerikanischen Soldaten, die bei ihren ständigen Häuserkontrollen wertvolle und unersetzbare Familienstücke als Kriegsbeute in ihren Besitz nahmen, erinnert sich die heute 90-jährige Liesel Zipp. Auch die Soldaten hätten Hunger gehabt, sodass sie ohne Einschränkung nahmen, was ihnen schmeckte. Schrecklich fanden die Dorffrauen, dass die Soldaten bei ihren Kontrollen die Federbetten aufschnitten, sodass alles im Schlafzimmer herumflog. Völlig unsinnig sei das gewesen, da man auch durch Abtasten hätte mögliche Verstecke finden können. Für Lydia Lauer waren die riesigen Panzer, die damals auf den Dorfstraßen standen, eine furchterregende Bedrohung. Hinzu kamen die US-Soldaten mit dunkler Hautfarbe, die zumindest im Unterbewusstsein für Angst sorgten, da die Dorfbewohner zum ersten Mal in ihrem Leben dunkelhäutigen Menschen begegneten. Das Misstrauen sei auf beiden Seiten eine fast unerträgliche Belastung gewesen.
Verhalten der Soldaten keine Hilfe fürs Dorf
Die letzten Zeitzeugen des Dorfes vermuten, dass die Anfang März am Himmel ihre Runden drehenden Aufklärer der Amerikaner die Soldaten einer unvorsichtigen Funkereinheit entdeckt hatten, die im ehemaligen Gasthaus von Willi und Adelheid Kau und der Schule gegenüber der Dorfkirche einquartiert waren. Erwin Laborenz aus der Gass (heute Lindenstraße), Jahrgang 1929, erinnert sich noch sehr genau, dass am Ohmbacher Berg die Flugabwehrkanone stand. Sie hätte in unregelmäßigen Abständen in Richtung Frankreich gefeuert. Das alles hätte längst keinen Sinn mehr ergeben. Denn was die Dörfer brauchten, wäre die Übergabe ihrer Gemeinde an die Siegermächte gewesen – ohne Feuergefechte und Bomben. Die Geschütze seien damals aus dem Wald herausgezogen und nach den Feuersalven wieder dort versteckt worden. Bei Karl Senger in der Scheune hatten die Soldaten ebenfalls ein Geschütz, das auch im Einsatz war, berichtete der frühere Nachbar Werner Laborenz. Dieses wiederholende Schießen in Dorfnähe und aus dem Dorf heraus dürfte ein weiterer Grund für den Luftangriff auf Battweiler gewesen sein. All dies spricht für wenig Sachverstand der Soldaten der Wehrmacht, da sie den Schutz des Dorfes missachtet haben. Völlige Ruhe und Unauffälligkeit hätte vermutlich den größten Nutzen gebracht, so Laborenz.
Für Emma Bayer, geborene Wildt, aus der Windhofstraße waren jene schrecklichen Nächte noch gut in Erinnerung, als die Flugzeuge die sogenannten leuchtenden Tannenbäumchen am Himmel verteilten, damit die nachfolgenden Bomber ihr Zielgebiet besser fanden. Beim ersten erspähten Bäumchen oder Fliegergeräusch war sofort klar, dass man umgehend in die schützenden Bunker am Dorfrand zu flüchten hatte. In diesen ungemütlichen Erdlöchern im Wald teilte man sich die Angst mit weiteren Dorfbewohnern und den Kindern. Die letzten Kriegswochen seien grausam gewesen, da niemand mehr einen ruhigen Tag oder eine ruhige Nacht hatte, erzählte Emma Bayer. Die Arbeit blieb trotz der Ungewissheit. So musste das Vieh immer wieder notdürftig versorgt werden.
Bomben zerstören Dorfschule, Wasserleitung und Wirtshaus
Die Bomben trafen die Dorfschule und zerstörten ein Menschenleben. Mit ihrer Mutter bewohnte die 1912 geborene Lehrerin Elfriede Kirchhöfer die Dienstwohnung im Schulhaus. Die Lehrerin hatte sich beim Bombenangriff in der Küche aufgehalten, wo sie von einem Kochtopfdeckel unglücklich am Kopf getroffen wurde. Sie war so schwer verletzt, dass die Ärzte das Leben der 33-jährigen Lehrerin nicht mehr retten konnten. Sie starb im Krankenhaus in Landstuhl am 20. April 1945. Mit einem Pferdefuhrwerk musste sie mitten im Kriegsdurcheinander nach Landstuhl gebracht werden. Die Zerstörungen in Zweibrücken waren in jenen Tagen schon so groß, dass das Krankenhaus keine Patienten mehr versorgen konnte. Die Mutter der Lehrerin überlebte den Angriff, da sie sich in den schützenden Gewölbekeller der Schule zurückgezogen hatte. Die Tochter hatte die Kriegsgefahr aus der Luft unterschätzt, erzählen Dorfbewohner.
Im stark zerstörten Wirtshaus Kau überlebte die Wirtin Katharina Kau den Angriff. Sie hatte unter einem dicken Balken einer Zimmertür Schutz gesucht, der ihr wohl das Leben zwischen den Trümmern rettete. Zwei der sich im Dorf noch aufhaltenden Soldaten starben an ihren Verletzungen durch den Angriff, erzählte Otto Schneider, der in der Nachbarschaft wohnte. Weitere 37 Männer und vor allem noch fast junge Buben verloren als Soldaten auf den Schlachtfeldern ihr Leben. Viele waren nicht einmal volljährig. Der Krieg brachte viel Leid und Schmerz in zahlreiche Familien des Dorfes. Die Beseitigung der Schäden am Gasthaus Kau dauerte fast vier Jahre. Danach ging der Wirtshausbetrieb weiter. Die Wiederbeschaffung der notwendigen Ziegel für die Dorfkirche war ein einziger Hindernislauf, da Ziegeln überall in den Dörfern fehlten. Darum bedurfte es einiger notdürftiger Maßnahmen, um das Gotteshaus bis zur endgültigen Reparatur vor Regen zu schützen.
Vom Stockbornerhof kommend hätten die Soldaten mit ihren Panzern und Fahrzeugen das Ohmbachtal erreicht. Nicht weit von dieser Brücke hat der schon größere Schulbub Kurt Laborenz zusammen mit einem älteren Dorfbewohner, der nicht mehr in den Krieg musste, in einem Schäferkarren die Brücke gesichert. Sie sollte eigentlich gesprengt werden, wenn die fremden Soldaten kommen. Zum Glück kam es zu diesem sinnlosen Szenario nicht mehr. Vom Tal zogen die Amerikaner in Battweiler ein und fuhren mit weiteren Fahrzeugen nach Reifenberg.