Bechhofen / Münchweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Bechhofer fahren mit Hilfsgütern an die ukrainische Grenze

Michael Sonntag mit etwa einem Viertel der Güter, die der Konvoi an die ukrainische Grenze bringen wird.
Michael Sonntag mit etwa einem Viertel der Güter, die der Konvoi an die ukrainische Grenze bringen wird.

Michael Sonntag und zwei Freunde wollen bei all dem Leid in der Ukraine nicht tatenlos zusehen. Am Freitag fahren sie mit zwei Kleinbussen zur Grenze. Sie bringen nicht nur Hilfsgüter mit, sondern wollen auf dem Rückweg auch Flüchtlinge mitnehmen.

Der Bechhofer Michael Sonntag hat in den sozialen Netzwerken einen Aufruf gestartet. Er sucht Güter, die er am Wochenende an die ukrainische Grenze bringen möchte. Wie kam das? „Ein Freund von mir hat mich am Dienstagabend angeschrieben und mir erzählt, dass er versucht, von seiner Firma einen neunsitzigen Bus auszuleihen. Weil er angesichts des Krieges so hilflos ist und gerne etwas machen will. Dann haben wir eine Nacht drüber geschlafen und am Mittwochmorgen angefangen, die Fahrt zu organisieren.“ Der Freund von Sonntag ist Daniel Wolf. Er wohnt in Münchweiler an der Alsenz. Dritter Mitfahrer im ersten Bus ist Daniel Wolfs Bruder Max.

Was will man mitnehmen? „Wir nehmen keine Kleider mit, sondern hauptsächlich Verbandsmaterial. Da besteht ein großer Mangel. Und an Hygieneartikeln, Babynahrung, Batterien, Powerbanks, Kerzen, Streichhölzer und dergleichen. Man hat uns auch schon unwahrscheinlich viel davon angeboten. Und es gab großzügige Geldspenden von Unternehmen. Mit dem Geld kaufen wir das, was uns noch an notwendigen Gütern fehlt.“

Mit zwei Bussen zur Grenze

Abfahrt ist am Freitagmittag. „Ich habe um 12 Uhr Feierabend. Dann laden wir alles in unsere Busse und fahren gegen 14 Uhr ab.“ Unsere Busse? „Ja, unsere Busse. Denn es fährt mittlerweile noch ein zweiter Kleinbus aus Bechhofen los.“ Fahren wird diesen Bus Sonntags Vater Werner, ebenfalls Bechhofer. Ihn begleiten der Mannheimer Thomas Beck und Dirk Hauser, ebenfalls aus Münchweiler an der Alsenz.

Die zwei Kleinbusse sind notwendig, denn die Welle der Hilfsbereitschaft ist unfassbar groß. So beteiligt sich auch der FC Homburg an der Hilfsaktion, weil Michael Sonntag dort als Physiotherapeut gearbeitet hat.

Route kann sich kurzfristig ändern

Fahren will der Konvoi auf dem Hinweg, soweit er kommt. Ursprünglich sollte dann entweder in Bautzen oder im polnischen Krakau eine Rast eingelegt werden. „Von Bautzen an die polnische Grenze müssten wir dann noch einmal etwa sechs Stunden fahren. Von Krakau sind es nur noch drei“, schätzt Sonntag. Nun steht aber eine kurzfristige Planänderung im Raum. „Ich habe auch Kontakt mit einem Koordinator der Diakonie in der Ukraine. Der bugsiert uns möglicherweise kurzfristig an die slowakische Grenze zur Ukraine. Auf jeden Fall dorthin, wo die Hilfsgüter am dringendsten gebraucht werden.“

Derzeit wird von bis zu einer Million flüchtigen Ukrainern gesprochen. Wie wählen die Flüchtlingshelfer diejenigen aus, die sie mitnehmen wollen? „Ich versuche schon die ganze Zeit, einen Kontakt herzustellen, über die karitativen Verbände in Deutschland. Die sollen uns einen Ansprechpartner in den Lagern nennen, wo sich Flüchtlinge befinden. Das ist aber unwahrscheinlich schwierig im Moment, weil die Situation extrem unübersichtlich ist“, sagt Sonntag, der sich im Übrigen auch nicht wundern wird, wenn sich das Ziel ihrer Fahrt nach Absprache mit den Hilfsorganisationen erneut kurzfristig ändert. Ursprünglich war ja der Grenzpunkt bei Lemberg als Ziel der Hilfslieferung angedacht.

Erste Anlaufstelle: Winnweiler

Fest stehe aber einigermaßen, wohin die Flüchtlinge bei der Rückkehr, voraussichtlich am Sonntagmittag, gebracht werden. „Dann geht die Fahrt nach Steinbach im Donnersbergkreis. Weil dort vom Roten Kreuz Münchweiler eine alte Jugendherberge hergerichtet wurde. Der Daniel Wolf hat da Beziehungen hin. Dort hat man uns sechs Plätze für Flüchtlinge zugesagt. Erste Anlaufstelle ist aber das Impfzentrum in Winnweiler, wo die Flüchtlinge getestet und geimpft werden können.“

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