Dahn
Auch nach 60 Jahren verbindet noch die gemeinsame Schulzeit
Der 25. Februar war für Lutz Hahn und seine ehemaligen Schulkameraden ein besonderes Datum. An diesem Tag vor genau 60 Jahren erhielten elf junge Menschen in einer Feierstunde ihr Reifezeugnis überreicht – die erste Abiturklasse im Dahner Gymnasium überhaupt. Damit hatte auch das neue Gymnasium, anfangs nur „Otfried-von-Weißenburg-Schule“, sozusagen seine Reifeprüfung bestanden, wie sich Lutz Hahn erinnert. Der 79-Jährige hat die Erinnerung daran gemeinsam mit Schulkameraden zu Papier gebracht, die sich in den vergangenen Jahren regelmäßig getroffen haben.
Die schwierigen, ja oft abenteuerlichen Anfänge habe damals sein Klassenkamerad Dieter van Issum in seiner Abiturrede geschildert, berichtet Hahn: Es fehlten Lehrer, geeignete Schulräume und manchmal standhaftes Mobiliar. In die neuen Gebäude des anfänglichen Progymnasiums, der Vorstufe zum Gymnasium, konnte man erst einziehen, als der erste Jahrgang schon die vierte Klasse erreicht hatte.
Damals noch mit Internat
Die gesamten neun Jahre der Schule in Dahn durchlebten und durchlitten Elli Beck, (Petersbächel), Norbert Bender (Reislerhof), Günter Burkhard (Erfweiler), Heinz Krug (Fischbach), Helmut Trapp (Busenberg), Lieselotte Menges (Erfweiler) und Dieter van Issum (Dahn). Hannelore Wiehn kam später in die Klasse, als ihre Eltern aus der Vorderpfalz nach Dahn zogen, weil ihr Vater zum Direktor der Schule berufen wurde. Erst in der Oberstufe kamen Lutz Hahn (aus Dahn) sowie Peter Seibel und Carl-Dieter Schmitt in die Klasse, letztere laut Lutz Hahn „zwei würdige Repräsentanten“ des katholischen Internats St. Pirmin, das der Dahner Schule damals viele Schüler aus der ferneren Umgebung bescherte, schon lange aber nicht mehr existiert.
Elf durften Abitur machen
98 Schüler waren es am Anfang, in der Oberstufe waren es immer noch um die 20. Elf wurden schließlich zur Prüfung zugelassen und danach von Direktor Quintus verabschiedet – mit feierlicher Musik von Händel, wie Lutz Hahn seiner noch erhaltenen Programmkarte entnehmen kann. Der Abiturball am 26. Februar musste übrigens in Hinterweidenthal stattfinden – im katholischen Dahn durften in der Fastenzeit keine Belustigungen veranstaltet werden.
Sechs Lehrer im Jahrgang
Gleich fünf der Abiturienten – Klassenprimus Günter Burkhard, Elisabeth Köllner (Elli Beck), Lieselotte Kirsch (Menges), Helmut Trapp und Heinz Krug – zog es an die damalige Pädagogische Hochschule nach Landau, um sich dort zum „Volksschullehrer “ ausbilden zu lassen. Eine sechste Absolventin, Hannelore Wilke-Wiehn, studierte in Saarbrücken und unterrichtete später an einem Trierer Gymnasium. Eine besondere persönliche Motivation für diesen Hang zur Pädagogik – etwa besonders vorbildliche Lehrer – gab es übrigens nicht, wie sich Lutz Hahn erinnert. Damals habe man einen anderen Blick auf die Dinge gehabt, stellt er fest – es sei eben auch auf dem Land eine große Chance gewesen, hinaus zu kommen und einen guten Beruf zu erlernen.
Fünf blieben dann auch diesem Beruf erhalten. Günter Burkhard unterrichtete in Ramstein, Rieschweiler, Hauenstein und zuletzt in Lemberg. Heute wohnt er mit seiner Familie in Dahn. Als langjähriger Leiter des Musikvereins Erfweiler hat er neben Gastspielen in Frankreich, Belgien und der Schweiz mit dem Musikverein auch eine 16-tägige Konzertreise durch die USA unternommen – Höhepunkt war die Teilnahme an der Steubenparade. Helmut Trapp war beruflich zuletzt Konrektor an einer Mittelpunktsschule. Seinen Lebensmittelpunkt und sein Glück hat er in Gillenfeld inmitten der Eifeler Maare gefunden. Elisabeth Köllners Laufbahn als Lehrerin führte über Eppenbrunn und Schönau nach Fischbach, wo sie die längste Zeit tätig war. Im Ruhestand ist sie jetzt mit ihrem Mann nach Ludwigshafen gezogen. Lieselotte Kirsch war immer in Erfweiler zu Hause und hat die meiste Zeit in Dahn unterrichtet.
Heinz Krug starb bereits kurze Zeit nach seinem Landauer Abschluss durch einen Unfall. Inzwischen verstorben ist ebenfalls Hannelore Wilke-Wiehn, die in Trier unterrichtete. Ebenfalls nicht mehr am Leben ist Norbert Bender. Er war Forstmeister in Hermeskeil und hat es bis zum Oberforstrat gebracht.
Verschiedene Wege bis zum späten Wiedersehen
Ganz anders orientierten sich die weiteren Absolventen. Peter Seibel bewahrte mit seiner Frau in Edenkoben eine Apothekerdynastie und sorgte auch für deren Fortsetzung. Carl-Dieter Schmitt aus Ludwigshafen studierte Architektur mit späterem Schwerpunkt Industriebau. Er lebt mit seiner Partnerin in Speyer, wo er sich auch als kundiger Dom-Führer bewährt hat. Dieter van Issum, der heute in Bodenheim (nahe Mainz) mit seiner Familie wohnt, ging zur Bundeswehr, war häufig im Ausland tätig, studierte an der BW-Hochschule Bau-Ingenieur-Wesen und arbeitete nach seiner Pensionierung noch lange selbstständig als Bausachverständiger. Lutz Hahn studierte Germanistik und Geschichte in Saarbrücken und arbeitete dann in der Hörfunkunterhaltung des Saarländischen Rundfunks.
Allzu weit wohnen die ersten Dahner Abiturienten nicht voneinander entfernt. Und so trafen sie sich vor zehn Jahren bei einer Jubiläumsfeier im OWG, zu der sie eingeladen waren. Das war dann auch der Beginn ihres jährlichen Abi-Treffens samt Partner, immer bei einem anderen Gastgeber. Eigentlich, sagt Lutz Hahn, sei er ja gar kein Freund von solchen Treffen gewesen. Aber, fügt er hinzu, es sei dann doch „sehr schön“ gewesen. – Vielleicht ja ein Ansporn für die heutigen Abiturienten, die Verbindungen nicht ganz abreißen zu lassen.