Südpfalz
Eishersteller lassen Kreativität freien Lauf
Eigentlich schmeckt Eiscreme zu jeder Jahreszeit. Da sind sich die Schleckermäuler einig. Doch wenn die Temperaturen in den zweistelligen Bereich klettern und der Frühsommer den Winter endgültig vertrieben hat, dann steigt auch das Verlangen nach dem kühlen Snack, und die Straßencafes füllen sich. Nach der Temperatur-Delle zum Wochenstart soll es in den nächsten Tagen milder werden.
„Urlaubsfeeling wie in Italien“, findet Vittoria Vento-Formica und blickt auf zufriedene Gäste und spielende Kinder am Herxheimer Dorfbrunnen. Im Außenbereich ihrer Eisdiele hat sie bereits 30 Tische aufgestellt und freut sich über regen Zuspruch.
Natürliche Zutaten
Das Eiscafé Roma gibt es an zwei Standorten. Im Jahr 1965 eröffneten Tommaso und Ursula Vento aus Sizilien ihr Geschäft in der Marktstraße und brachten erstmals „Gelato Artigianale Italiano“ ins Großdorf. Tochter Vittoria und Schwiegersohn Antonio beherzigen bis heute dieses Motto. In ihr „handwerklich gut gemachtes Speiseeis“, so die Eigenwerbung, kommen nur natürliche Zutaten wie Frischmilch, Sahne und frische Früchte, erzählen die beiden. Allenfalls im Winter dürfen diese durch gefrorene ersetzt werden, denn das kleine Café im ehemaligen Kutscherhaus der Villa Wieser hat auch in der kalten Jahreszeit geöffnet.
„Während die Geschäftsgründer höchstens zehn Eissorten und wenige Eisbecher im Angebot hatten, hat sich das heute vervielfacht“, so Vento-Formica. Da die Kundschaft mehr erwarte als nur Standardsorten, würden im Roma regelmäßig neue Eiskombinationen entwickelt. Gut angenommen wird Bitterschokolade-Himbeer, weniger gut und deshalb auch nicht mehr im Programm war „Cassata siciliana“. Bei Kindern sehr beliebt ist die Kombination aus Nutella und Reiswaffeln, bei Erwachsenen Aperol-Spritz-Orange. Eine Kugel Eis kostet 1,40 Euro.
In diesem Jahr wird mit mehreren Veranstaltungen 1250 Jahre Herxheim gefeiert. Zum Dorfjubiläum wird es eine ganz besondere Eissorte geben. Mehr will die Geschäftsführerin allerdings noch nicht verraten.
Test in jedem Urlaubsland
In Landau setzt Sandro Zandonella im Palazzo Sandro die Tradition fort, die vor fast 100 Jahren sein Urgroßonkel begründet hat. Er und Geschäftsmitinhaber Martin Kolb betreiben drei Eiscafés in der Stadt und jeweils eines in Kaiserslautern, Saarbrücken und Trier. In ihrer Manufaktur im Gewerbegebiet wird „traditionell, handwerklich-ausbilanziert nach eigenen Rezepturen Eis hergestellt“, beschreibt Zandonella die Produktionsweise. Kreative Ideen kommen Marketingleiter Kolb, indem er die Produkte der Süßwaren- und Getränkehersteller unter die Lupe nimmt. „Und beim Reisen“, ergänzt Zandonella, „weil wir in jedem Urlaubsland die Eissorten testen.“
In der Saison von März bis Ende September stellen die Geschäftspartner 36 verschiedene Sorten Eis her. Am beliebtesten ist Vanilleeis, weil es in vielen Eisbechern vorkomme. Auf den Plätzen folgen Schoko, Nuss und Erdbeere, erklärt Kolb. Neben dem Standardprogramm entwickeln die Gelatieri aber jedes Jahr neue Kombinationen, wobei das Riesling-Schorle-Eis zweifellos die ungewöhnlichste Kreation war.
Ludwigs Liebling
Unabhängig davon, ob von der Kundschaft gut angenommen oder nicht, werden alle nach einiger Zeit ausgetauscht, weil der Platz in der Verkaufstheke nun mal begrenzt ist. Die Trendsorten im Palazzo Sandro für 2023 sind: Joghurt-Pistazie-Orange, Kokos-Ananas und Schoko weiß mit Crispies, genannt „Ludwigs Liebling“.
Außerdem bietet Palazzo Sandro zwölf vegane und 29 glutenfreie Sorten an. In ihrem Onlineshop „ichwilleis.de“ kann man Eiskugeln und-becher bestellen, die nach Hause geliefert werden. Die Preise sind gestaffelt: eine Kugel kostet 1,60 Euro, zwei Kugeln 3 Euro.
Verkauf ab Ostern
Doch es braucht nicht unbedingt italienische Wurzeln, um ein Eisgeschäft in Familienhand über mehrere Generationen zu führen. In Bad Bergzabern gründeten 1907 Lina und Jean Bechtold eine Eismanufaktur, die sich heute im Besitz von Vater Johannes und Tochter Viktoria-Theresa Wichtler befindet. „Bechtolina ist der älteste Hersteller von Speiseeis-Grundstoffen in Deutschland“, erzählt die Urenkelin der Firmengründer nicht ohne Stolz.
Der Betrieb mit 20 Mitarbeitern produziert Basisstoffe in Form von Pulver, getrockneten Früchte und Bindemittel, um nur die wichtigsten zu nennen, und beliefert damit die Gastronomie in der ganzen Welt. In der hauseigenen Vorführ-Eisdiele lernen die Wiederverkäufer, wie sie aus den Grundzutaten ihr Wunscheis herstellen. Wer sich diese Mühe nicht machen will, bekommt auch fertiges Konditoreis geliefert. Von Mittwoch bis Sonntag kann ab Ostern jedermann dort Eis kaufen. Und wer sich gar nicht an Öffnungszeiten halten will, bedient sich an den beiden Eisautomaten, die auch im Winter gut bestückt sind.
150 Eissorten
Bechtolina produziert 150 Eissorten, davon 36 täglich frisch. Als Eistrends für 2023 nennt Wichtler Gemüsesorten wie Caprese, Gurke-Limette, Pumpkin Spice, Blaubeerbeete. Unter der Kategorie Healthy: Goldene Milch, Eistee-Zitrone-Ingwer, Buttermilch-Orange-Ingwer. Bei veganem Fruchteis und Bitterschokolade ist die Milch durch Pflanzenfasern ersetzt ist. Preis pro Kugel: 1,10 Euro.
Was Kreativität betrifft, so kennt die Juniorchefin keine Grenzen – der Gesetzgeber dagegen schon. Wichtlers zuckerfreies Hundeeis, das ihre eigenen Vierbeiner so genussvoll schlecken, darf nicht in den Verkauf. Aus lebensmittel-rechtlichen Gründen erlaubt das der Amtsschimmel nicht.