Bad Bergzabern Corona-Schließung: Jugendherbergen kämpfen ums Überleben

Normalerweise hat in der Osterzeit in der Südpfalz-Jugendherberge längst die Hochsaison begonnen. In diesem Jahr sind keine Gäst
Normalerweise hat in der Osterzeit in der Südpfalz-Jugendherberge längst die Hochsaison begonnen. In diesem Jahr sind keine Gäste da.

Schon jetzt ist klar, dass einige Jugendherbergen nach der Corona-Krise nicht mehr öffnen können. Das Aus droht der Südpfalz-Jugendherberge in Bad Bergzabern zwar nicht, aber auch in der Kurstadt die erzwungene Schließung noch nicht abschätzbare Auswirkungen.

Die Jugendherbergen in Traben-Trarbach, Idar-Oberstein und Bollendorf in der Eifel werden auch nach Ende der Corona-Krise nicht wieder öffnen. Das hat der Vorstand des Verbandes der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland am Dienstag mitgeteilt. „Uns fehlen in diesem Jahr schon über 15 Millionen Euro an Einnahmen“, sagt Jacob Geditz, Vorsitzender des Verbandes, in dem 45 Jugendherbergen zusammengeschlossen sind.

Auch in der idyllisch am Waldrand gelegenen Südpfalz-Jugendherberge sind derzeit alle Türen fest verschlossen. Dabei herrscht dort normalerweise in der Zeit vor Ostern Hochbetrieb. „Bis zum Ende des Schuljahres wird es keine Schulfreizeiten mehr geben, ein Drittel unseres Jahresumsatzes ist schon verloren“, rechnet Geditz vor. Dabei wisse ja noch niemand, wie lange das Coronavirus das Land noch im Würgegriff hält. Wie für alle anderen Betriebe in Hotellerie und Gastronomie ist der Zeitpunkt der Pandemie auch für die Jugendherbergen fatal. „Der Winter ist bei uns immer ein Zuschussgeschäft“, so Geditz.

Keine Hilfe vom Staat

In dieser Branche ist die Corona-Schließung besonders schmerzlich, weil das ausgefallene Geschäft nicht zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden kann. Man kann ja ein Bett nicht im Sommer doppelt vermieten. „Dazu kommt das Problem, das wird Kredite aufnehmen müssen, um liquide zu bleiben, das bedeutet, dass wir zusätzliche Schulden haben, die in Zukunft abgebaut werden müssen“, klagt Geditz. Ein Teufelskreis. Von staatlichen Soforthilfe-Programmen können die Jugendherbergen nicht profitieren. Für die Hilfe vom Land sind sie zu groß, der Bund hat bei seiner Corona-Hilfe gemeinnützige Organisationen ausgenommen.

Den dauerhaft von der Schließung bedrohten Jugendherbergen wird zum Verhängnis, dass dringend notwendige Renovierungen anstehen, für die nun das Geld fehlt. Das Glück für die Jugendherberge in der Kurstadt ist, dass hier keine Investitionen anstehen. Sie wurde 2011 für rund fünf Millionen Euro generalsaniert. Sie gehört zu den schönsten und modernen Jugendherbergen Deutschlands. „Die Jugendherberge in Bad Bergzabern ist in hervorragendem Zustand“, bestätigt Degitz. Er verbindet dies mit einem Lob an Leiter Andreas Kupper: „Und sie wird erstklassig geführt.“

Mitarbeiter in Kurzarbeit

In 30 Zimmern gibt es 113 Betten, bis zu vier Personen können in einem Platz finden. Alle Räume sind mit Dusche und WC ausgestattet. Ein Aufzug sorgt in dem vierstöckigen Gebäude für einen barrierefreien Zugang. An die Rezeption schließen sich ein Bistro, eine Café-Bar, ein Snackbereich, eine Kinderspielecke und ein Restaurant mit Buffet-Theke an. Sechs Aufenthalts- und Veranstaltungsräume für bis zu 100 Personen haben dafür gesorgt, dass in der Vergangenheit neben Schulklassen auch immer mehr Wandergruppen, Gesangvereine oder Firmen den Weg zur Jugendherberge gefunden haben.

21 Mitarbeiter hat die Südpfalz-Jugendherberge. Für die meisten seiner Beschäftigten hat der Verband Kurzarbeit angemeldet. Entlassungen soll es nach Möglichkeit nicht geben. „Das wollen wir verhindern, aber es wird sicher tiefe Einschnitte geben“, sagt Degitz. Wie tief könne man erst sagen, wenn man wisse, wie lange es dauere, bis die Jugendherbergen wieder zum normalen Betrieb zurückkehren können.