Konken / Waldmohr
Wie Eis aus dem Automaten bei Kunden ankommt
Über den Sommer seien täglich bis zu 200 Kunden zum Eisautomaten gekommen, schätzt Brassel. Dafür liefert er mehr als 1000 Liter Milch wöchentlich zur Eismanufaktur Birkenfeld. „Seit wir vor vier Jahren die eigene Molkerei auf dem Hof installiert haben, war die Eismanufaktur Birkenfeld einer unserer ersten großen Kunden, die Milch von uns abgenommen hat“, berichtet Brassel. „Wir legen viel Wert auf Regionalität und hochwertige Lebensmittel“, fügt Eismanufaktur-Inhaber Marco Vazzola hinzu. Das Milcheis werde komplett aus der Milch der Albesser Kühe hergestellt.
Mit den Einschränkungen durch die Corona-Krise und der vorübergehenden Schließung des Cafés habe er sich etwas Neues überlegen müssen, berichtet Vazzola. Jörg Brassel habe ihn auf die Idee mit den Automaten gebracht. Daraufhin habe er den ersten Eisautomat im vergangenen September in Birkenfeld aufgestellt. Vazzola: „Das lief so gut, dass wir noch weitere Automaten bestellt haben.“ Es folgte eine weitere Eis-Station in Birkenfeld sowie Automaten in Oberkirchen, Oberbrombach, Idar-Oberstein und Thalfang.
Lachs und Leberwurst
Seit Juli steht auch der Automat in Konken, den Brassel von Vazzola übernommen hat und seither selbst beliefert. Die Bezahlung läuft bargeldlos mit der Karte oder per Smartphone. Im Angebot sind Becher von 160 und 550 Millilitern. Unter den Geschmacksrichtungen kann man aus Klassikern wie Spaghetti-Eis, Fruchteis und Co. wählen. Unter der Bezeichnung „Wundereis“ finden Leckermäuler auch Sorten Leberwursteis, Eis aus geräuchertem Lachs sowie Lyonereis. Dieses würde auch deutschlandweit an Eisdielen verkauft, berichtet Vazzola. Die Familie aus der Nähe von Venedig hatte 1972 in Birkenfeld ihr Eiscafé Venezia eröffnet, erzählt der Inhaber.
Im Herbst sollen die Sommer-Fruchtsorten weniger werden und dafür neue, der Jahreszeit angepasste Aromen wie Pflaume, Zimt- oder Spekulatius im Automat Einzug halten, kündigt Brassel an. Die Milch stammt von den 200 Kühen auf Bauer Brassels Hof. Aktuell habe er acht große Milchautomaten sowie einige kleine – mittlerweile auch im Wasgau in Kusel und bei Globus in Kaiserslautern – sowie vor allem in der Vorderpfalz aufgestellt. Zudem beliefert der Landwirt im zweiten Jahr Kindergärten und Schulen mit Schulmilch.
Kontrolle per App
Offensichtlich sind auch die Waldmohrer heiß auf Eis. Nicht anders ist es zu erklären, dass der Eisautomat, der seit Mitte Juli auf dem Walter-K.-Hanß-Platz steht, einen enormen Zulauf hat. Der Betreiber, Stefan Herrmann, Inhaber von Edel-Herrmann-Genussreich, ist sehr zufrieden damit, wie das Angebot angenommen wird. Die große Auswahl an Sorten, die Qualität sowie die Möglichkeit, sieben Tage die Woche rund um die Uhr einzukaufen, nennt Herrmann als Gründe für die positive Resonanz. Dabei zitiere er nur „die Anrufer, E-Mail-Schreiber oder Kunden“, die er direkt vor Ort getroffen habe, sagt er. Das meiste vom selbst hergestellten Eis wird seiner Erfahrung nach von Freitag bis Sonntag gezogen.
Ob Nachschub benötigt wird und ob alles in Ordnung ist, wird Herrmann per App auf seinem Smartphone oder auf dem Laptop angezeigt. In der Regel fahre er ein- bis dreimal täglich mit frischen Eis vor – je nach Wetterlage. Auf drei der vier Ebenen des Automaten stehen kleine Becher mit Löffelchen; auf einer sind große Becher für den Hausgebrauch.
Verkaufsschlager seien „die Klassiker“, also Stracciatella, Pistazien-, Schoko-, Vanille-, Zitrone- oder Erdbeereis. „Auch alles mit Keks oder Crunch wird gern genommen“, weiß Herrmann. Ein „Renner“ sei auch Omas-Käsekuchen-Eis. Wie Brassel will Herrmann für den Herbst und Winter „Eis mit Pflaumen, Zimt, später Spekulatius- und Lebkuchengeschmack, mit Rum oder anderem Alkohol“ anbieten, im Frühjahr „blumiges Eis mit frischen Blüten“. Welche Sorten letztlich in den Verkauf gehen, entscheiden Herrmann und sein Bäcker- und Konditormeister sowie die Kunden. Die Milch bezieht der Betrieb übrigens von Landwirt Brassel aus Albessen, dessen Milchautomat direkt neben Herrmanns Eisautomaten aufgestellt ist.
Geschäft ausbauen
Aufgrund der positiven Resonanz hat sich Herrmann dazu entschlossen, das Geschäft auszuweiten. Ein Eisautomat steht bereits in Zweibrücken, ein zweiter kommt Anfang kommenden Jahres dazu. Weitere Automaten werden auf dem Buswendeplatz in Breitenbach, auf dem Dorfplatz in Kübelberg und auf dem Edeka-Parkplatz in Bruchmühlbach-Miesau aufgestellt. Zudem werden fünf Wasgau-Märkte in der Umgebung Herrmanns Eis ins Sortiment aufnehmen. Dass er, wenn alles gut läuft, eine weitere Eismaschine und zusätzliches Personal braucht, räumt Herrmann ein. Die Lagerkapazitäten reichten jedenfalls aus.
Noch mehr Lebensmittel aus dem Automaten