Mackenbach / Thallichtenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfälzer Musikantenland: Bewerbung als Kulturerbe

Skulptur in Kusel: Trommler, Sousaphonist und Akkordeonspieler stehen symbolisch für die Wandermusikantentradition.
Skulptur in Kusel: Trommler, Sousaphonist und Akkordeonspieler stehen symbolisch für die Wandermusikantentradition.

Das Westpfälzer Wandermusikantentum soll immaterielles Kulturerbe werden. Das wünschen sich Johannes Huber aus Brücken, Bernhard Bauer aus Schönenberg-Kübelberg und Bärbel Holzmann aus Mackenbach. Sie haben eine Bewerbung eingereicht. Diese regionale Tradition soll noch bekannter werden.

„Es geht darum, dass die bemerkenswerte, unglaublich spannende Geschichte des Wandermusikantentums nicht vergessen wird“, sagt Bärbel Holzmann vom Musikantenmuseum und dessen Förderverein in Mackenbach. Sie ist eine der Antragsteller für die Aufnahme des Westpfälzer Musikantenlands in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. „Es könnte eine regionale Marke werden“, sagt sie. Immerhin ist sie einzigartig, die Geschichte der Musikanten, die aus der damals bitterarmen Westpfalz in die ganze Welt zogen, um musizierend Geld für den Lebensunterhalt ihrer Daheimgebliebenen zu verdienen.

Ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren steht vor der Anerkennung. Antragsteller sind neben Bärbel Holzmann auch Bernhard Bauer aus Schönenberg-Kübelberg mit der Sonja- und Bernhard-Bauer-Stiftung sowie Johannes Huber als Vertreter des Bürgervereins Brücken. Die beiden Männer sind verantwortlich für den im vergangenen Jahr veranstalteten Musikerflohmarkt in Brücken und die Sammelaktion „Spend Dein Instrument“. Huber macht selbst Musik, ist außerdem Kreisbeauftragter für Bildung und junge Familien. Die Musikanten-Tradition etwa durch den geplanten Kindermusikweg auf dem Potzberg für Kinder erfahrbar zu machen, ist seine Mission.

Ein Gutachten abgelehnt

Kaum Zeitzeugen gibt es, die von den Musikern berichten können, die aus Jettenbach, Mackenbach, Eßweiler oder Reipoltskirchen auszogen. Nicht nur durch die beiden Museen in Mackenbach und auf der Burg Lichtenberg wird die Tradition erhalten. Aktive Botschafter sind die Preisträger des Musikantenlandpreises, der vom Landkreis Kusel verliehen wird – nicht zu vergessen die Musikvereine und Musiker in der Region. Musikantenhäuser und Skulpturen vielerorts erinnern an die Wandermusikanten. Nicht zuletzt wegen des hohen Identifikationspotenzials der Menschen in der Region mit der Musikantenlandtradition ist durch das Projekt „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“ das Musikantenlandbüro ermöglicht worden, mit Sitz auf Burg Lichtenberg für die Landkreise Kusel und Kaiserslautern gleichermaßen zuständig.

Das Büro hat auch die drei Antragsteller unterstützt. Von umfangreichen Vorarbeiten für die Bewerbung erzählt Bernhard Bauer. Wie Musikantenlandbüro-Leiterin Elaine Neumann berichtet, waren die geforderten fachlichen Begleitschreiben ein Knackpunkt. Schließlich gebe es gar nicht so viele Menschen, die sich wissenschaftlich mit dem Wandermusikantentum auseinandergesetzt haben. Tobias Widmaier konnte gewonnen werden. Er ist Privatdozent am Zentrum für populäre Kultur und Musik an der Universität Freiburg und hat über Pfälzer Wanderkapellen geforscht. Auch Posaunist und Dirigent Bernhard Vanecek, Musikantenlandpreisträger 2008 bis 2011, habe einen fachlich und inhaltlich geeigneten Text beigesteuert. Der sei jedoch abgelehnt worden. „Er ist zu nahe dran, nicht neutral. Er tituliert sich und seine Formation selbst als Wandermusikant“, erklärt Neumann.

Touristisches Pfund

Doch Historiker Roland Paul aus Kaiserslautern konnte helfen, steuerte ein Begleitschreiben bei. „Jetzt wurde die Bewerbung offiziell angenommen“, informiert Bauer. Wie es weitergeht: Zuerst wird eine Vorauswahl von bis zu vier Bewerbungen für Rheinland-Pfalz getroffen, die dann an das Sekretariat der Kultusministerkonferenz weitergeleitet werden und von einem unabhängigen Expertenkomitee bei der Deutschen Unesco-Kommission geprüft werden. Die Bewerbungsphase läuft von April bis November.

„Wenn man das Prädikat hat, kann man für die Region damit werben“, ist Neumann von der touristischen Anziehungskraft der Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe überzeugt. Sie erhofft sich auch ein stärkeres kulturpolitisches Gewicht für Initiativen rund um dieses westpfälzische Brauchtum. Möglicherweise wird schon durch die Bewerbung eine stärkere wissenschaftliche Beschäftigung mit den Wandermusikanten erreicht. „Das meiste, was es bisher gibt, sind semi-professionelle oder fiktionale Werke, die auf historischen Fakten basieren“, sagt sie. Immerhin hatte sie diese Woche schon einen Studenten aus Amsterdam zu Besuch, der über die Westpfälzer Wandermusikanten forscht.

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