Kusel
Warum der Tourismus auf neue Füße gestellt werden muss
Die Draisinenbahn führt von Altenglan nach Meisenheim in der Verbandsgemeinde Nahe-Glan. Die Betriebskosten dafür übernahm lange der Zweckverband Pfälzer Bergland, mittlerweile trägt sie seit 1. Januar 2020 komplett der Landkreis Kusel, unter anderem weil der Landesrechnungshof die Mischfinanzierung monierte. Es geht aktuell um rund 280.000 Euro pro Jahr.
Landeszuschüsse für den Tourismus sollen ab 2025 nur noch an sogenannte Service Center gehen, die Städte, Kreise und Verbandsgemeinden gemeinsam gründen können. Sie müssen für das Management auf mindestens drei Vollzeitstellen kommen. Das Personal für den Kundenkontakt in den Tourist-Infos zählt nicht mit. „Tourismusförderung der Zukunft bedeutet nicht, Prospekte zu verteilen“, heißt es dazu beim Land. Außerdem werden für das jeweilige Verbreitungsgebiet der Center mindestens 150.000 Übernachtungen im Jahr, 1500 Gästebetten und ein Gesamtbudget von 250.000 Euro gefordert.
Nahe-Glan vor dem Absprung
Der Tourismuszweckverband Pfälzer Bergland kommt auf die erforderlichen Zahlen. Er hatte 2018 rund 363.000 Übernachtungen und 3148 Betten. Die Hürde wird aber nur genommen, weil die Verbandsgemeinde Nahe-Glan Mitglied ist. Sie allein kommt auf 223.000 Übernachtungen und 1667 Betten. Und Verbandsbürgermeister Uwe Engelmann machte bei der Zweckverbandsversammlung am Freitag in Kusel keinen Hehl daraus, dass er auf dem Absprung ist. „Wir sind in der Pfalz gerne bei konkreten Projekten wie dem Alte-Welt-Verein mit ihm Boot, aber generell müssen wir uns mehr Richtung Hunsrück orientieren“, sagte der SPD-Politiker.
Der Kreis als Geldgeber
Der Jahresetat des Zweckverbandes liegt bei 221.000 Euro. Größter Geldgeber mit 145.000 Euro ist der Kreis Kusel. Die Umlage der Verbandsgemeinden richtet sich an der Größe aus: Das Obere Glantal zahlt 11.000 Euro, Baumholder und Bruchmühlbach-Miesau jeweils knapp 4000 Euro. Knapp über oder unter 8000 Euro betragen die Umlagen der Verbandsgemeinden Kusel-Altenglan, Lauterecken-Wolfstein, Nahe-Glan und Otterbach-Otterberg.
Bei der Gründung des Zweckverbandes 1979 war per Satzung vereinbart worden, dass der Landkreis 20 Prozent der Umlage übernimmt und die Verbandsgemeinden den großen Rest. In der Realität 2021 ist es umgekehrt. Auch das hatte der Rechnungshof moniert.
Landrat Otto Rubly machte in der Verbandsversammlung klar, dass bis Ende 2022 eine neue Lösung anstehe, „aber bitte kein Schnellschuss“. Man habe in der Vergangenheit kein Geld verschwendet und neben der Draisine weitere Tourismusaktivitäten wie den Radwegebau und den Bauernmarkt geschaffen.
Unter dem Dach der Pfalz-Touristik
Die Herkunft der Redner machte die Ausrichtung klar. Christoph Lothschütz, der Bürgermeister Oberes Glantal, verwies auf die wichtigen Verbindungen ins Saarland. Sein Kollege Andreas Müller aus Lauterecken-Wolfstein blickte an die Nahe und in den Donnersbergkreis. „Ein Wolfsteiner und auch ein Otterberger haben keinen Bezug zu Waldmohr“, sagte Müller. „Aber alle gehören wir unter das Dach der Pfalz-Touristik“, versuchte Lothschütz zu einen. Es sei unmöglich, allen Kontakten gerecht zu werden.
Philipp Gruber, Leiter der Tourismus-Abteilung beim Kreis, griff die Idee auf, die Aktivitäten des Zweckverbandes in den Verkehrsverein Pfälzer Bergland zu überführen, dem auch Ortsgemeinden, Hotels und Vermieter von Ferienwohnungen angehören. Otto Rubly rief dazu auf, das Gehörte intern zu diskutieren und sich dann wieder zu treffen.
