Fragen & Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Vier oder sechs: Zwei Projektierer stellen ihre Windkraft-Pläne rund um Lohnweiler vor

Zwei Windräder sollen im Wald errichtet werden. Das planen beide Projektierer.
Zwei Windräder sollen im Wald errichtet werden. Das planen beide Projektierer.

Windräder bei Lohnweiler zu errichten, das ist schon einmal gescheitert. Doch es gibt neue Pläne zweier Firmen. Diese haben die Konkurrenten bei einer Info-Veranstaltung präsentiert. Erklärte Gegner meldeten sich keine zu Wort, doch es wurden einige Fragen gestellt.

Auf dem Silberberg bei Lohnweiler könnte in absehbarer Zukunft Sonnen- und Windstrom in großem Stil erzeugt werden. Der Gemeinderat des knapp 400 Einwohner zählenden Dorfs hat erst vor wenigen Tagen die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau einer Photovoltaikanlage geschaffen, die bis zu 19 Megawatt Strom pro Jahr erzeugen kann. Mehr als doppelt so viel elektrische, erneuerbare Energie im Jahr könnten bis zu sechs Windkraftanlagen erzeugen, die auf dem Hochplateau zusätzlich zum Sonnenkraftwerk errichtet werden könnten.

Das sind zumindest die Vorstellungen zweier Unternehmen, die mit ihren Vorhaben an die Gemeinde herangetreten sind. Ortsbürgermeister Thomas Knecht hatte die beiden Firmen jetzt zu einer öffentlichen Präsentation in das Sängerheim nach Lohnweiler eingeladen – unter anderem vor dem Hintergrund, das ein ähnliches Vorhaben vor Jahren am massiven Widerstand aus der Bevölkerung scheiterte. Gekommen waren knapp 50 Menschen aus dem Dorf und aus den umliegenden Gemeinden, darunter auch Verantwortungsträger aus der Kommunalpolitik. Diese zeigten sich sehr interessiert an den Windkraft-Plänen der Projektierer, Windkraft-Gegner scheint es in und um Lohnweiler allerdings kaum noch zu geben, zumindest meldeten sich diese bei der Infoveranstaltung nicht zu Wort.

Welche beiden Unternehmen stellten in Lohnweiler Pläne zum Windpark auf dem Silberberg vor?
Die Abo Wind AG aus Wiesbaden wurde vertreten durch Bianca Immel und Stephen Irlweck. Abo Wind wurde 1996 gegründet, beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter und ist neben Deutschland in 15 weiteren Ländern aktiv. Abo Wind plant und errichtet „schlüsselfertige“ Windparks, übernimmt später auch die Betriebsführung und Wartung der Anlagen, verkauft diese aber an Dritte. Die von Abo Wind errichteten Anlagen erzeugen pro Jahr mehr als fünf Milliarden Kilowattstunden Strom.

Die Juwi GmbH aus Wörrstadt wurde vertreten durch Sebastian Brockes. Juwi wurde ebenfalls 1996 gegründet, seit 2018 ist das Unternehmen eine 100-prozentige Tochter der Mannheimer MVV Energie AG. Juwi beschäftigt rund 1300 Mitarbeiter und ist neben Deutschland in zehn weiteren Ländern aktiv. Bei Juwi bleiben die Anlagen im Besitz des Unternehmens. Die von Juwi errichteten Windenergie- und Solaranlagen erzeugen pro Jahr rund neun Milliarden Kilowattstunden Strom.

Was planen die beiden Unternehmen auf dem Silberberg?
Die Abo Wind AG will bis zu sechs Windkraftanlagen auf dem Silberberg errichten, wobei mindestens zwei der Windräder nicht auf der Gemarkung von Lohnweiler entstehen könnten. Je nach Standort haben die Anlagen eine Leistungsfähigkeit zwischen sechs und 7,5 Megawatt, die Nabenhöhe der Windräder liege dabei zwischen 160 und 180 Metern, die Gesamthöhe bei bis zu 260 Metern.

Juwi will auf Lohnweilerer Gemarkung vier Windkraftanlagen der 7,5-Megawatt-Klasse bauen, die Nabenhöhe liege bei 200 Metern, die Gesamthöhe jedes Windrads bei 280 Metern.

Was ist das Besondere am projektierten Windpark auf dem Silberberg?
Beide Unternehmen planen, zwei Windräder in ein Waldstück über dem Taleinschnitt des Mausbachs zu errichten. Beide bezeichnet sich selbst als Pioniere beim Windenergieanlagenbau im Wald.

Wie viele Jahre dauert es, bis sich im günstigsten Fall für die Firmen die Rotoren auf dem Silberberg drehen können?
Beide Unternehmen gehen davon aus, dass die Planungsphase zwischen zwei und fünf Jahren dauert. Die Bauzeit selbst liege bei maximal zwei Jahren. Die Projektierer gehen davon aus, dass die Planungs- und Genehmigungsphase in Zukunft deutlich kürzer ausfallen werde als bislang, unter anderem weil die Zuständigkeit von den Kreisverwaltungen auf die Struktur- und Genehmigungsdirektion übergeht.

Über welche Route werden die Stadtorte erschlossen, über welche Straßen werden die Schwertransporte mit den Bauteilen für die Windkraftanlagen rollen?
Die Wege stehen noch nicht fest, sondern werden im Laufe des Genehmigungsverfahrens unter anderem in Absprache mit dem Landesbetrieb Mobilität sowie der Forstbehörde bestimmt.

Wo und wie werden die Windkraftanlagen an das Stromnetz angeschlossen?
Auch das wird erst im Laufe des Genehmigungsverfahrens mit dem regionalen Netzbetreiber, also den Pfalzwerken, festgelegt. Anders als bei Sonnenkraftwerken ist es bei Windparks wegen der deutlich größeren Menge an produziertem Strom durchaus üblich, dass der Projektierer ein eigenes Umspannwerk errichtet. Die Leitungstrassen vom Windpark zum Umspannwerk werden meist in bestehenden Wirtschaftswegen oder parallel dazu verlegt.

Wie können die Gemeinde Lohnweiler und die Bürger von einem Windpark auf dem Silberberg profitieren?
Für Lohnweiler sowie die Gemeinden im Umkreis gibt es die im Erneuerbare-Energien-Gesetz verankerten Akzeptanzzahlungen in Höhe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde eingespeisten Stroms. Die Gemeinde kann dadurch mit rund 30.000 Euro Einnahmen pro Jahr rechnen, ebenso viel Geld wird anteilsmäßig je nach Abstand zum Dorfrand an die umliegenden Gemeinden ausgeschüttet. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Beteiligungsmöglichkeiten für Kommunen und Privatpersonen, die von Sparbriefen bis zu Beteiligungen in Form einer Energiegenossenschaft reichen.

Für die Besitzer der Grundstücke, auf denen die Windräder gebaut werden, sowie für die Nutzung der Wege werden Pachten gezahlt.

Wie geht’s weiter?
Der Gemeinderat wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit den Plänen der beiden Projektierer beschäftigen und sich für eine der beiden Varianten – oder keine – entscheiden.

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