Kreis Kusel
Viele Senioren-Wohnprojekte im Kreis: Im Alter vom Haus in eine Wohnung umziehen
Es gibt immer mehr Angebote im Landkreis Kusel, die es älteren Bewohnern ermöglichen sollen, auf kleinerer Fläche im Heimatort alt zu werden. Den Aufschlag für eine ganze Serie derartiger Wohnprojekte machte Konken.
In der Hauptstraße in Konken zogen Anfang 2022 die ersten Bewohner in die neue Wohnanlage für betreutes Wohnen, die das Haus der kulinarischen Landstraße flankiert. Die 17 barrierefreien Wohnungen verfügen über Wohnflächen zwischen 37 und 87 Quadratmetern. Zudem befinden sich im Erdgeschoss eine Tagespflege und ein Multifunktionsraum.
Realisiert wurde das Gebäude von der Kair GmbH (Kusel) als Projektentwickler und der RKR Bau GmbH (Höheneichweiler). Die Baukosten wurden mit drei Millionen Euro angegeben. Maßgeblich eingebunden in das Wohnprojekt ist die Arbeiterwohlfahrt Pfalz. Sie bietet für die Bewohner Basis-, Pflege- und Betreuungsleistung sowie Hilfe in der Hauswirtschaft. Weiter bietet der Sozialverband über die Tagespflege eine ambulante Versorgung für pflegebedürftige Personen. Präsent ist die Awo zudem mit einer Quartiersmanagerin in Konken.
Ortsbildprägende Gebäude
Kurz vor der Fertigstellung steht ein weiteres Projekt: Service-Wohnen in Pfeffelbach. Die Anlage für betreutes Wohnen in der Kirchenstraße umfasst fünf Wohnungen im Erdgeschoss sowie je sechs Apartments in der ersten Etage und im Dachgeschoss. Es gibt Wohnungsgrößen zwischen 51 und 65 Quadratmetern. Hinter diesem Projekt stehen wie in Konken ebenfalls die Kair GmbH und die BLM GmbH (Bann) als Investor. Als Investitionssumme wurden 3,5 Millionen Euro genannt. Für die Vermarktung der Wohnungen, für die Kaufpreise über 200.000 Euro aufgerufen werden, ist die Immobilienabteilung der Volksbank Glan-Münchweiler im Boot. Dort registriert man auch Nachfrage.
Bedarf für altersgerechte Wohnungen sehen auch die Ortsbürgermeister Matthias Doll (Schellweiler) und Rene Morgenstern (Wahnwegen). Beide Orte sind Kair-Gesellschafterin Kerstin Rudat zufolge als weitere Standorte in der Projektentwicklung. Für Wahnwegen sieht das Konzept der Kair GmbH eine parkähnliche Lösung unter dem Stichwort „Dorf im Dorf“ vor. Nach dem Abriss eines Leerstandes werden auf dem großzügigen Areal an der Hauptstraße um ein Gemeinschaftshaus sechs Wohneinheiten gruppiert.
Bei einer Vorstellung durch Kair-Geschäftsführer Patrick Buch vor rund einem Jahr wurde das Projekt im Gemeinderat positiv aufgenommen. „Alte Leute haben wir genug“, skizziert Morgenstern den vorhandenen Bedarf. In Schellweiler wird das Projekt „Seniorengerechtes Wohnen“ in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend vorgestellt.
Verschiedene Investoren
Im Gespräch ist Kair laut Rudat auch mit der Gemeinde Rammelsbach. Dort werden in Arbeitsgruppen Überlegungen angestellt, wie die ehemalige katholischen Kirche und das angrenzende Areal mit Rathaus und Werkhof genutzt werden könnten. Senioren-Wohnen sei eine Option, sagt Ortsbürgermeister Thomas Danneck. Denn für altersgerechte Wohnungen für alleinstehende Senioren, die ihren Hausstand verkleinern wollen, bestünde Bedarf.
In Brücken rückt die Realisierung einer Seniorenresidenz näher. Der Ortsgemeinderat wird am Dienstagabend über einen entsprechenden Bebauungsplan befinden. Michael Straub von der Römerhaus Bauträger GmbH (Schifferstadt) hatte das Konzept im Januar dem Gremium vorgestellt. Die Bauzeit für die Seniorenresidenz mit knapp 100 Plätzen in Pflegeapartments wird mit 17 bis 24 Monate kalkuliert. Die Schifferstadter Bauprojektentwickler hat ähnliche Seniorenresidenzen unter anderem in Kindsbach, Ramstein-Miesenbach, Saarlouis und Neunkirchen realisiert.
Zwei Gebäude mit 24 Wohnungen hat die „KRS Betreutes Wohnen“ auf der Festwiese Schönenberg-Kübelberg errichtet. Jede Wohnung weist eine Größe von 66 Quadratmetern auf. Pläne für eine Seniorenresidenz für 70 Pflegebedürftige in der Gemeinde, die eigentlich seit Anfang 2023 im Bau sein sollte, seien zurückgestellt, sagte KRS-Geschäftsführer Willi Knoerr der RHEINPFALZ. Die KRS GmbH &Co. KG mit Sitz in Sankt Wendel betreibt eine Seniorenresidenz und Betreutes Wohnen im Gesundheitspark St. Ingbert.
Zu groß gewordener Wohnraum
Mit dem „Haus Weiselberg“ im Freisener Ortsteil Oberkirchen ist der Schwesternverband seit April mit einer weiteren Pflegeeinrichtung für Senioren in der Saar-Pfalz-Region vertreten. Neben der stationären Pflegeeinrichtung mit drei Wohngruppen für 48 Bewohner gibt es acht Bungalows, die an Senioren vermietet werden sollen.
Für derartige Seniorenwohnungen mit 60 bis 70 Quadratmetern gebe es einen großen Bedarf unter älteren Menschen, die ihren zu groß gewordenen Wohnraum einschränken zugleich aber gewachsene soziale Kontakte aufrechterhalten wollen, ist die Erfahrung von Dirk Sellmann, Leiter Projektmanagement, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Schwesternverband. Die Investitionen werden auf rund zwölf Millionen Euro beziffert. Das Sozialunternehmen betreibt im Kreis Kusel Einrichtungen in Altenglan, Offenbach-Hundheim und Waldmohr, zudem Häuser in Idar-Oberstein und Ottweiler.
Statistik: Im Jahr 2035 ein Drittel über 65 Jahre alt
Von den knapp 70.000 Einwohnern des Landkreises Kusel waren im Jahr 2020 rund 17.300 über 65 Jahre alt. Das entspricht einem Anteil von 24,7 Prozent. Laut Berechnungen des Statistischen Landesamtes wird der Alterungsprozess im Kreis einen vorläufigen Höhepunkt im Jahr 2035 erreichen. Mehr als 31 Prozent der dann 68.000 Kreisbewohner werden 65 Jahre und älter sein. Landesweit liegt laut Berechnung im Jahr 2040 der Anteil der Senioren bei 27 Prozent.
Am stärksten macht sich der demografische Wandel den Statistikern zufolge in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein bemerkbar. Im Jahr 2035 wird ein Drittel der rund 16.700 VG-Bewohner über 65 Jahre sein. Vor drei Jahren lag der Anteil der Über-65-Jährigen noch bei 26 Prozent. Für die Verbandsgemeinden Kusel-Altenglan und Oberes Glantal rechnet die Statistikbehörde für das Jahr 2035 mit einem Anteil der älteren Bevölkerung von 31 beziehungsweise 30,8 Prozent.
Eigene vier Wände bleiben auch im Alter wichtig
Eine Erhebung von Wissenschaftlern der TU Kaiserslautern-Landau unter der Babyboomer-Generation (55 bis 75 Jahre) in der VG Kusel-Altenglan hatte ergeben, dass 80 Prozent der Befragten mit ihrer Wohnsituation zufrieden sind. Ein gutes Drittel der befragten Wohnungseigentümer gab an, die Wohnung sei zu groß. Als Wohnwünsche im Alter werden an erster Stelle „Selbstständig in einem Haus oder einer Wohnung“ genannt. Jeder Vierte kann sich vorstellen, in einem Wohnprojekt mit eigener Wohnung zu leben, für nahezu 20 Prozent ist betreutes Wohnen und für 14 Prozent eine Wohngemeinschaft denkbar.