Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Unter Jungs: Frauen im Männersport

Beherrschte die Schlagzeilen nach ihrem guten Abschneiden gegen gestandene Darts-Profis: Fallon Sherrock.
Beherrschte die Schlagzeilen nach ihrem guten Abschneiden gegen gestandene Darts-Profis: Fallon Sherrock.

Frau gegen Mann, das ewige Duell. Auch im Sport ist es möglich und hat seine Reize. Aber ist es denkbar, die beiden Geschlechter in einem Wettbewerb miteinander zu vergleichen? Was meinen Vereine aus der Kuseler Umgebung? Kann das funktionieren?

Im Basketball haben Frauen in der Profiliga NBA zumindest einen Platz an der Seitenlinie. Und Brittney Griner, ein Star der weiblichen Basketball-Profi-Liga, wurde 2013 gar mit einem Wechsel zu den Männern in Verbindung gebracht. Solche Wechsel stehen immer mal wieder zur Diskussion, scheitern aber fast immer. Das gilt auch für die Fußballerinnen. Ein Beispiel war Birgit Prinz, deutsche Weltklasse-Stürmerin, die 2003 mit einem Wechsel in die italienische Serie A in Verbindung gebracht wurde. Sie sagte Perugia später ab.

Als Basketballcoach trainierte Lars Becker aus Konken die mittlerweile nicht mehr bestehenden Herren- und Juniorinnen-Teams des TV Kusel. „Ich tue mich schwer damit, dass so eine Zusammenlegung funktionieren könnte. Der körperliche Unterschied zwischen Mann und Frau ist schon groß. Aber wir hatten auch robuste Mädels, die auch mit den Männern trainiert haben“, sagt der 44-Jährige.

„Können genauso gut Dreier werfen wie ein Mann“

Schlichtweg sei es einigen Juniorinnen in Trainingsspielen auch egal gewesen, ob der Konkurrent auf dem Feld ein Mann gewesen sei. „Spielerisch gibt es junge Frauen, die qualitativ sehr gut sind. Die können genauso gut Dreier werfen wie die Männer. Frauen haben genug Potenzial. In den unteren Ligen ist der Unterschied zwischen Mann und Frau aber schon größer“, meint Becker. Im Training habe es früher aber immer mal wieder das „Geschlechter-Duell“ gegeben. „Das war aber just for fun.“

Denkbar scheint ein gemischter Wettkampf, in dem Frauen und Herren gegeneinander spielen zumindest aus körperlichen Gesichtspunkten nicht. Beim Dart ist ein gemeinsames Hauptfeld dagegen üblich und findet auch bei Weltmeisterschaften Anwendung. Erinnert sei an die 26-jährige Fallon Sherrock (England), die bei der Darts-Weltmeisterschaft 2020 zuerst Ted Evetts, einen Spieler aus der zweiten Reihe, aus dem Turnier kegelte und später den an Position elf gesetzten Mensur Suljovic (Österreich) mit 3:1 besiegte. Sherrock war über Wochen Thema Nummer eins im Dartsport. Bei der WM 2021 war sie jedoch nicht qualifiziert. Die Topspielerinnen Lisa Ashton und Toru Suzuki scheiterten in ihren Auftaktmatches. „Bei uns gab es auch schon Frauen die mit den Herren gespielt haben. In der vergangenen Zeit wurden es aber weniger“, sagt Ralf Brisch vom DV Kaiserslautern.

Direkter Vergleich auf dem Fußballplatz schwierig

Am „Fall Prinz“, ist zu sehen, dass sich auch im Herren-Fußball immer wieder Diskussionen um Frauen ranken. Ein Beispiel: Ellen Fokkema. Sie sorgte im August des vergangenen Jahres für Aufsehen. Die 19-jährige Niederländerin ist eine talentierte Fußballerin. Sie spielte wie viele andere von klein auf mit Jungs in einer Mannschaft. In ihrem Heimatland, wo Fokkema für den VV Foarut aufläuft, stellte sie mit Hilfe ihres Vereins einen Sonderantrag beim holländischen Fußballverband KNVB. Als Pilotprojekt kann sie nun in der vierten Liga in Friesland mitkicken. In Deutschland ist das anders: Mädchen dürfen in den meisten Landesverbänden bis zur U17 bei den Jungs mitspielen. Hierzulande ist es schon schlichtweg eine Sensation, wenn Imke Wübbenhorst oder Inka Grings, ehemalige Profifußballerinnen, im Herrenbereich eine Mannschaft trainieren.

„Wenn so eine Anfrage käme, würden wir mal schauen, was so möglich ist“, sagt Daniel Kämchen, Vorsitzender des TuS Jettenbach, der jedoch auf die Regularien verweist, die einen Einsatz einer Frau nicht möglich machen würden. „Wir würden es schon wollen, dass die Frau, dann bei den Herren mitspielen kann“, fügt der 36-Jährige an. Dennoch verweist er darauf, dass die körperlichen Unterschiede schlichtweg vorhanden seien. „Man müsste auch einfach mal sehen, welches Spielniveau die Frau hätte. Es ist einfach schwierig, Frauen und Männer zu vergleichen. Da auch der Körperbau ein ganz anderer ist. Der Fußball, gerade im Profibereich, ist bei den Herren viel körperbetonter als bei den Frauen.“

Auch logistisch eine Herausforderung

Obwohl sich Kämchen gerne auf das sportliche Abenteuer des gemischten Fußballs einlassen würde, wäre auch der logistische Aufwand zu meistern. „Als wir noch Bezirksliga gespielt haben, war zu sehen, welcher Aufwand das ist. Da kam ein Schiri-Gespann, da war dann auch mal eine Frau dabei“, zeigt er auf, dass schon deswegen Umbaumaßnahmen, wie eine zweite Schiedsrichterkabine notwendig waren. „Wenn so ein Angebot käme, würde ich die Frau erstmal an unsere Damen-Mannschaft verweisen. Vielleicht wäre das auch eine Alternative.“

Auch im Tennis gab es den direkten Vergleich bereits. So zeigte der deutsche Karsten Braasch 1998, in seiner besten Zeit auf dem 38. Platz der Weltrangliste, den Williams-Schwestern Serena und Venus die Grenzen auf. Denn im Geschlechter-Duell besiegte er die damals 16-jährige Serena und ihre ein Jahr ältere Schwester Venus deutlich. Serena Williams hatte zuvor vollmundig angekündigt, auch Spieler aus der Top 200 der Herren-Weltrangliste besiegen zu können.

„Körperliche Unterschiede mit Köpfchen kompensieren“

„Ich kann es mir nicht vorstellen bei den Männern mitzuspielen. Die körperlichen Unterschiede sind einfach zu groß“, erklärt Julia Bauer vom TC Waldmohr, die auch mal Mixed-Turniere mitspielt. Sie verweist auf Unterschiede hinsichtlich der Kraft und der daraus entstehenden Geschwindigkeit des Balles. „Eine Frau kann die Unterschiede aber mit dem Köpfchen kompensieren“, fügt Bauer an, die als Lehrerin arbeitet. Im Training sucht die 30-Jährige immer wieder mal das Geschlechterduell, auch wenn dies meist zu ihren Ungunsten ausgeht. „Manchmal ist es aber auch eine enge Kiste. Ich gebe da immer 100 Prozent“, meint sie lachend.

In anderen Sportarten, wie auch beim Dart, sind geschlechterübergreifende Duelle an der Tagesordnung. Neben dem Badminton und dem Tischtennissport, ist es auch beim Eishockey durchaus normal, das Frauen mitspielen. „Bei einem Check von einem 100-Kilo-Mann möchte ich dann nicht in der Haut der Frau stecken. Das sieht sicherlich nicht schön aus“, meint Jettenbachs Vorsitzender Kämchen. Beim Tischtennis hingegen, wo Kraft keine Rolle spielt, ist immer wieder zu sehen, dass sich Frauen gegenüber Herren durchsetzen. Der Mix tut dabei oftmals Damen wie Herren gut. Dort ist es mittlerweile nichts Besonderes mehr, viel mehr hat sich das direkte Aufeinandertreffen ein Stück weit zur Gewohnheit entwickelt.

Geht mit viel Selbstbewusstsein in jedes Duell: Serena Williams.
Geht mit viel Selbstbewusstsein in jedes Duell: Serena Williams.
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