Handball RHEINPFALZ Plus Artikel TV Kusel: Handballer bauen Jugendbereich weiter auf

Wolfgang Serbiné (Mitte) spielt seit Anfang der 90er Jahre in Kusel Handball, fing aber bereits nach der Heim-WM 1978 an. Als Ab
Wolfgang Serbiné (Mitte) spielt seit Anfang der 90er Jahre in Kusel Handball, fing aber bereits nach der Heim-WM 1978 an. Als Abteilungsleiter und Trainer kümmert er sich auch um den Handballnachwuchs. Seit wenigen Wochen gibt es nun eine weibliche C-Jugend.

Handball in und um Kusel tut sich schwer: Seit Jahren gibt es nur wenige aktive Mannschaften, die Nachwuchsfindung ist für kleine Vereine schwierig. Doch beim TV Kusel hat sich in den vergangenen Wochen auch einiges Positives getan. Wolfgang Serbiné ist Abteilungsleiter und arbeitet als Trainer am Aufbau einer weiblichen C-Jugend. Im neuen Jahr sollen die Mädchen ihre erste echte Saison spielen und Erfahrung sammeln.

Seit Anfang November gehört die Halle Am Roßberg freitags zwischen 18 und 19 Uhr den Mädchen des TV Kusel. Wolfgang Serbiné, seit 1991 im Verein und mittlerweile Abteilungsleiter, trainiert die neue Mädchengruppe. Sie sind zurzeit zwischen zwölf und 14 Jahre alt, eine C-Jugend. Die Gruppe ist grundsätzlich auf Mädels bis 16 Jahre ausgelegt. „Es sind zwei dabei, die früher schon bei mir gespielt haben, die anderen aber noch nicht. Doch sie stellen sich alle ganz gut an“, sagt der erfahrene Handballer und Trainer. Etwa zwölf Nachwuchsspielerinnen konnte der TV Kusel bereits für das Training gewinnen, „wenn alle da sind“. Das Ziel: Im neuen Jahr auch wieder eine Mannschaft für den Spielbetrieb der Jugend zu melden. „Dafür bräuchten wir aber noch zwei, drei Spielerinnen“, sagt Serbiné. Denn für die Saison muss der Kader groß genug sein, um auch immer wieder den ein oder anderen Ausfall kompensieren zu können.

An diesem Freitagabend sind sieben Mädchen in die Sporthalle Am Roßberg gekommen. Übungen, um Sicherheit mit dem Ball zu gewinnen, stehen zunächst auf dem Programm, prellen und passen. Der Trainer teilt die Gruppe immer wieder in Teams ein, die bei den Übungen gegeneinander antreten sollen. Sie fordern und fördern die Koordination, die enge Ballführung wird geübt, alle sind mit viel Engagement bei der Sache.

Neue Jugendteams

Langsam wird das zarte Pflänzchen Handball beim TV Kusel wieder kräftiger. „Vor Corona hatten wir zwei Frauenteams und eine Herrenmannschaft. Aber wir sind ziemlich gebeutelt durch die Pandemie, hatten viele Abgänge, sodass wir jetzt noch eine Damen- und eine Herrenmannschaft haben“, berichtet Serbiné. Die Herren, trainiert von Christian Jung, spielen B-Liga, die Damen von Coach Hans-Peter Eckert in der A-Liga im saarländischen Handballverband. Weitere, ergänzende Spielerinnen und Spieler, würde er gerne aufnehmen, sie werden gebraucht. Denn die Kader sind mit etwa zwölf (Herren) und 14,15 Aktiven bei den Damen relativ klein.

Auch im Nachwuchs sei das Akquirieren neuer Leute immer mit großen Anstrengungen verbunden, alle Jugenden durchgängig zu besetzen, ist nicht möglich. Das war auch in der Vergangenheit schon so. „Wir hatten vor Corona eine gemischte E-Jugend, die auch eine Saison recht erfolgreich gespielt hat.“ Die Trainingsgruppe für die Jüngsten, die Sieben- bis Elfjährigen, gibt es glücklicherweise montags noch immer – aber kein Team im Ligabetrieb. Nun kommt die neue C-Jugend dazu, dazwischen klaffen Lücken.

Die „Flucht“ ins Saarland

„Handball allgemein hat einen negativen Trend. Bis vor etwa zehn bis zwölf Jahren war Handball auch in der Pfalz noch größer“, weiß der aus Dahn stammende Serbiné. Seitdem würden es immer weniger Teams in der Umgebung. Besonders der Übergang zwischen den älteren Jahrgängen im Jugendbereich hin zu den Erwachsenen sei häufig ein Problem. Die Jugendlichen zieht es zum Studium weg, sie konzentrieren sich auf berufliche wie private Pläne, der Sport bleibe so oft auf der Strecke.

Der Turnverein Kusel hat seine Handballabteilung 2019 in eine Spielgemeinschaft mit dem FC Schwarzerden geführt, bildete zuvor mit Waldmohr und Erbach ebenfalls eine SG. „Für uns hat das den Vorteil, dass wir im Saarland spielen können. Früher mussten wir auch mit unserer Jugend bis Göllheim, Frankenthal, Grünstadt oder Ludwigshafen fahren. Das nächste von uns aus ist Kaiserslautern.“ Doch selbst dort, in der Heimatstadt des Drittligisten TuS Dansenberg, täten sich andere Vereine schwer, erzählt Serbiné. „Die Abteilungen von FCK und TSG haben sich auch schon zur HSG zusammengeschlossen“, sagt er. So gäbe es in der näheren Umgebung wenig pfälzische Konkurrenten. Der mit Gründung der HSG einhergegangene Verbandswechsel ermögliche dem TV Kusel aber weiter einen Spielbetrieb bei Damen und Herren. „In unserer Männermannschaft spielen drei, vier Jungs aus der eigenen Jugend. Die haben teilweise in der B-Jugend aufgehört, weil wir da keine eigene Jugend mehr hatten und haben dann den Weg zurück gefunden“, erzählt Serbiné. Das sei aber nicht immer der Fall, die Pause durch fehlende Jugenden sei ein Problem für kleinere Vereine.

Zweitgrößte Vereinsabteilung

75 bis 80 Mitglieder hat die Kuseler Handballabteilung, „wir sind nach den Turnern die zweitgrößte Abteilung im Turnverein, die Hälfte ist aktiv dabei“. Doch ohne kontinuierliche Aufbauarbeit geht kaum etwas. Spieler von außerhalb zu bekommen, sei fast unmöglich, komme ein guter Spieler in der Jugend zum TV, verlasse dieser früher oder später den Verein, um in höheren Klassen zu spielen. „Die kleinen Vereine gucken da dann natürlich in die Röhre, aber das muss man akzeptieren“, sagt Serbiné. Den Spielerwunsch kann er gut verstehen, doch auf der anderen Seite fehlen diese Talente dann als starke Trainingspartner und Gerüst der Mannschaft. „Wir müssen kämpfen, Handball steht ganz klar im Schatten des Fußballs. Und selbst dort tun sich viele Vereine mittlerweile schwer, müssen Spielgemeinschaften bilden.“

Für die aktuellen Neueinsteiger steht aber erst einmal Grundlagentraining auf dem Plan: „Prellen, Fangen, das Werfen aufs Tor, Zupassen, Kraftübungen“, sagt der Trainer, der selbst 1978 durch die Handball-WM im eigenen Land zu seiner Sportart fand. Und hoffentlich könnten sie dann ab der nächsten Saison erste Erfahrungen in Ligaspielen sammeln, hofft er.

Herrenteam entwickelt sich

Doch trotz der schwierigen Spielersuche sieht Serbiné auch das Positive. So hat die Herrenmannschaft, die sich nach 2006 für viele Jahre aufgelöst hatte, erste Erfolge vorzuweisen. Die erste Saison spielten sie wieder 2019. Im vergangenen Jahr kämpften sie lange um die Meisterschaft mit, wurden am Ende Dritter in der B-Liga. Und in jüngster Zeit erhielt die Truppe weiteren Zuwachs, Spieler brachten Freunde mit, ein junger Ukrainer trainiert mit. „Sie haben vorher noch nicht gespielt, aber machen das schon ganz gut und wir wollen sie gerne in die Mannschaft einbauen, wenn sie es auch wollen“, sagt Serbiné. Zwei Spieler haben zudem vor Kurzem den Schiedsrichter-Lehrgang absolviert, pfeifen so auch regelmäßig neben ihren eigenen Spielen. Zwei weitere Aktive waren auf dem Jugendtrainer-Lehrgang: „Ich hoffe, dass wir da vielleicht auch mit den kleineren Kindern, den Sechsjährigen, bald was machen können.“

In der laufenden Saison haben die Herren bislang fünf Partien absolviert, sind mit 2:8 Punkten weit weg von der Spitze. Die Damen haben in der A-Liga erst drei Partien bestritten, zwei gewonnen – aktuell Rang drei.

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