Lauterecken-Wolfstein
Sägen, pumpen, Rettung mit dem Boot: 13 Wehren proben Unwetterereignis
Gemeldet ist ein Unwetter mit Starkregen und heftigen Böen für das Gebiet der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein. Am Samstag um 12.45 Uhr wird die Feuerwehreinsatzstelle (FEZ) in Lauterecken alarmiert, die zuständigen Einsatzkräfte besetzen ihre Posten, um bereit zu sein. Gegen 13.15 Uhr bildet sich eine Gewitterzelle über Teilen des Nordkreises. Um 14.04 Uhr geht ein erster Notruf bei der FEZ ein: Eine Person steckt im Glan unter der Eisenbahnbrücke fest.
Gemeinsam mit der Wehr aus Adenbach rückt die Odenbacher Feuerwehr aus: zehn Feuerwehrleute. Vom Ufer, wo das Boot zu Wasser gelassen wird, bis zum Schwemmholz-Haufen am Brückenpfeiler sind es gut 50 Meter. Das metallene Boot mit Außenbordmotor ist auch im Ahrtal eingesetzt worden. Es ist eine etwas wackelige Angelegenheit, bis die Einsatzkräfte die Person herausgezogen haben: in diesem Übungsszenario ein Holzstock, der mit Rettungsweste versehen ans sichere Ufer gebracht wird.
Unwetter fordern viele Einsatzkräfte
Die Wasserrettung aus dem Glan ist eines von 20 Szenarien, welche am Samstag geprobt wurden. An dieser ersten Großübung zum Thema Unwetter nahmen 115 Einsatzkräfte aus 13 Feuerwehren der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein teil. „Bei einem normalen Einsatz kommen mal zehn, 15, sagen wir auch mal 50 Leute zusammen, bei einem Großbrand auch mal 80“, sagte Markus Böhmer, Wehrleiter der VG. „Aber grundsätzlich kommt diese Zusammenarbeit im Großen, größer 100 Einsatzkräfte, eher selten vor. Da sehen wir schon ein Problem.“
Denn je mehr Einsatzkräfte es gibt, umso aufwendiger ist die Koordination der Zusammenarbeit: Unwetter können lokal stark konzentriert sein wie jüngst in Aschbach, wo eine Windhose mehrere Dächer abdeckte. Das Einsatzgebiet kann jedoch auch deutlich größer sein. „Man muss klare Anordnungen von der Einsatzzentrale beachten, nicht selbstständig tätig werden“, erklärte Maximilian Fritz, der Lauterecker Wehrführer, die Herangehensweise für jede Einsatzkraft. Fritz hat den Übungstag mit all seinen Herausforderungen für die Feuerwehrleute vorbereitet.
Üben bei KOB und in der Wasserburg
Übungsziel war es, sagte Fritz, „eine Unwetterlage abzubilden, Fälle zu priorisieren und nacheinander abzuarbeiten“. Gekennzeichnet ist das Großereignis Unwetter nämlich durch viele gleichzeitige Einsätze. Diese werden von den Ehrenamtlern in der FEZ priorisiert und auf die verschiedenen Einheiten verteilt – sozusagen Laufzettel ausgegeben, was wer zu tun hat. „Dabei ist es ganz normal, dass die Wehren nicht im Heimatort tätig werden sondern zur Unterstützung in eine andere Ortsgemeinde fahren“, fügte der Übungsleiter hinzu.
In den Einsätzen wurden die Feuerwehrleute auch mit fiktiv vollgelaufenen Hallen, Gebäuden oder Kellern konfrontiert. Die KOB in Wolfstein stellte dazu ihre Halle bereit, auch die Wasserburg in Reipoltskirchen war Übungsort. Überflutete Fahrbahnen wurden über die ganze Verbandsgemeinde verteilt simuliert. In Wiesweiler wurde der Fall eines aufgeschwemmten Öltanks geprobt und im Glan eine Ölsperre gelegt – hier kam ein Schlauchboot im Boot zum Einsatz.
Wichtiges Thema: Sicherheit
Was Wind und heftiger Regen außerdem bewirken kann: dass Bäume auf Straßen und Gebäude stürzen – am Samstag bei Lauterecken inszeniert. Fritz: „Auch Sicherheitsvorschriften zu beachten ist ein wichtiges Thema heute, etwa bei der Kettensäge.“
Auf der Fahrbahn (einem Waldweg) bei der Pfälzerwald-Hütte versperrt ein umgestürzter Baum den Weg. Einsatzkräfte der Wehren Lauterecken, Medard und Wiesweiler rücken mit Kettensägenführer aus. Zuerst werden die Äste abgesägt, dann geht es ans Zerteilen des Baumstammes – natürlich stets in Schutzkleidung. Die Feuerwehrleute räumen das Hindernis dann Stück für Stück vom Weg.
In zweiter Phase Einsätze nur angedeutet
„Vom Pumpeneinsatz über die Kettensäge bis zum Bootseinsatz“, so Fritz, reichten die geforderten handwerklichen und technischen Kompetenzen in der ersten Phase des Übungstages. Da ging es richtig zur Sache.
In der zweiten Phase gingen weitere fiktive Notrufe in der Einsatzzentrale in Lauterecken ein – die Wolfsteiner FEZ war im fiktiven Umbau. Die Ausführungen der Einsätze wurden dann jedoch nur angedeutet, Schwerpunkte waren Einsatzführung und Einsatzleitung: Das heißt, auch hier wurden Fälle nach Dringlichkeit priorisiert und die Einsatzorte besucht, um den Sprechfunkverkehr und die Dokumentation zu üben. Die Geräte hingegen ruhten in dieser Phase.
Nach vier Stunden zog das „Unwetter auf Probe“ schließlich ab und die Großübung endete erfolgreich.