Lauterecken RHEINPFALZ Plus Artikel Blitzanhänger vor allem entlang der B 420 im Einsatz

Mehr als 1800-mal hat der Anhänger in diesem Jahr in der Verbandsgemeinde schon geblitzt.
Mehr als 1800-mal hat der Anhänger in diesem Jahr in der Verbandsgemeinde schon geblitzt.

Er ist grau, recht klobig, kaum zu erkennen, und er fällt besonders dann ins Auge, wenn er ein helles Licht schickt: der Blitzanhänger, den die Verbandsgemeinde von Zeit zu Zeit zur Geschwindigkeitsüberwachung einsetzt. Dass das Gerät nicht umsonst dasteht, das zeigen die Zahlen der Tempoverstöße, die es registriert.

Mehr als 1800-mal hat der Apparat in diesem Jahr schon geblitzt, weil mancher Autofahrer zu schnell in den Ort hinein- oder auch hinausgefahren ist. Yannick Wendel, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste bei der Verbandsgemeinde, kennt die Zahlen. Seit August 2020 ist der Anhänger bei der Verbandsgemeinde in Betrieb, die ihn sich von einer Firma ausleiht. Bislang wurde der Blitzer sechsmal ausgeliehen für die Dauer von jeweils sieben bis zehn Tagen.

Vor allem in Gemeinden entlang der B 420 tut das Gerät seinen Dienst. Die Blitzerstandorte werden laut Wendel nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Zum Beispiel, wenn vermehrt der Eindruck entstehe, dass zu schnell gefahren werde.

Kriterien zur Standortwahl

Die Entscheidung für einen Standort fällt allerdings nicht gefühlsmäßig aus dem Bauch heraus, sondern wird anhand von Kriterien abgesichert. So werden Wendel zufolge erst einmal Messungen von Geschwindigkeitstafeln durchgeführt, die Daten gesammelt und ausgewertet. Wenn sich dabei herausstellt, dass Verkehrsteilnehmer nicht nur vereinzelt zu schnell unterwegs sind, fällt die Entscheidung für den Einsatz des Anhängers.

Ob dann tatsächlich vor Ort geblitzt wird, hängt noch davon ab, ob es einen geeigneten Aufstellort gibt. Denn der ins Auge gefasste Platz muss breit genug sein, weil beispielsweise Fußgänger nicht behindert werden dürften, informiert Wendel. So geht die Verwaltung auch vor, wenn Ortsbürgermeister vorstellig werden, die den Blitzer mal gerne in ihrem Ort sehen möchten.

Das Besondere an diesem Blitzer ist seine „Vielseitigkeit“: Er erfasst die Fahrzeuge gleichzeitig aus beiden Richtungen – und das 24 Stunden rund um die Uhr. Mehrmals schon war der Anhänger in Medard im Einsatz. Anfangs sei dort oft zu schnell gefahren worden. „Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass der Blitzer dort steht, ist die Anzahl der Verstöße zurückgegangen“, schildert Wendel. Im Durchschnitt wurden laut Verwaltung jeweils zwischen 300 und 500 Schnellfahrer während der jeweiligen Einsatzzeiten geblitzt.

Negativrekord in Lauterecken

Besonders frappierend waren die Ergebnisse in Lauterecken. Die Veldenzstadt hält hierbei den bisherigen Negativrekord mit 1300 Verstößen. In der Durchschnittsberechnung sind diese Zahlen nicht enthalten. Die Mitarbeiter in Wendels Abteilung haben demnach alle Hände voll zu tun. Auch wenn moderne Software hilfreich sei, „die Briefe müssen halt alle noch einkuvertiert werden“, sagt Wendel. Das dauert.

Der schnellste Fahrer, den der Blitzer erfasst hat, wurde mit 94 Stundenkilometern gemessen. Erlaubt waren 50. Die Summe der Verwarnungs- und Bußgelder, die im Laufe dieses ersten Halbjahres verhängt wurden, beträgt etwas mehr als 41.000 Euro. Widersprüche gegen die Bescheide gibt es selten. Laut Wendel sind in diesem Halbjahr lediglich drei eingegangen, allerdings sei keinem stattgegeben worden. Gerichtsverfahren sind keine anhängig, mit zwei Verfahren befasst sich die Staatsanwaltschaft. Was die Verwaltung an Miete für den Blitzeranhänger zahlen muss, kann Wendel mit Verweis auf den Vertrag mit dem Unternehmen und den Datenschutz nicht preisgeben.

Leivtec nicht im Einsatz

Ein weiteres Gerät, das sich die Verwaltung von der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg ausleihen kann, kommt seit einiger Zeit nicht mehr zum Einsatz. Dieses mobile Blitzgerät namens Leivtec wird aufgrund seiner angeblichen Messungenauigkeit, die der Hersteller nach einer Prüfung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt eingeräumt hatte, bis auf Weiteres nicht mehr genutzt.

Wer von der Verbandsgemeinde einen Verwarnungs- oder Bußgeldbescheid erhält, kann also davon ausgehen, dass der Blitzanhänger ihn erwischt hatte. Und dessen Messwerte sind gültig.

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