Offenbach-Hundheim
Übliche Verdächtige sorgen für Gänsehaut in Abteikirche
Etliche Ahs und Ohs waren am Sonntagabend in Offenbach-Hundheim zu hören. Und dafür gab es vielfältige Gründe. Wer kurz vor knapp kam, hatte entweder Glück bei der Parkplatzsuche oder einen ordentlichen Fußweg zu bewältigen. Die Abteikirche war mit rund 400 Besuchern so voll wie lange nicht mehr, die weihnachtliche Dekoration des Gotteshauses eine Wucht. Gefühlt war es draußen wärmer als innen, und wem all das noch nicht ein Ah oder Oh entlockte, wurde spätestens von der Band dazu hingerissen, die der herausfordernden Akustik trotzte und neben besinnlichen Momenten auch mit fetzigen Tönen für Kurzweil sorgte.
Die üblichen Verdächtigen, kurz DüV, hatten beim Adventszauber neben weihnachtlichen Melodien auch Soul-, Rock- und Pop-Hymnen im Gepäck und trumpften mit gleich sechs stimmgewaltigen Sängern und vielseitig begabten Instrumentalisten auf. DÜV, das sind die Sängerinnen Isabel Fuchs und Rebecca Dahl sowie Matthias Kinder (Gitarre, Gesang), Manuel Lothschütz (Gesang, Posaune), Stefan Altherr (Piano und Gesang), Franz Dahl (Gitarre), Manuel Distler (Bass, Gesang) und Alexander Wemmert (Cajon und Schlagzeug).
Große Emotionen und Humor
Bereits beim Opener der mehr als zweieinhalbstündigen Show, „Through the barricades“, sorgte Manuel Lothschütz mit seiner gefühlvollen Interpretation für Gänsehautmomente. Doch Isabel Fuchs und Matthias Kinder legten direkt mit der oscarprämierten Ballade „Up where we belong“ aus „Ein Offizier und Gentleman“ nach. Kaum einem Besucher wäre bei „Stern“ wohl aufgefallen, dass Lothschütz an der Posaune ein Schnitzer unterlief, während Rebecca Dahl unbeirrt weitersang. „Wäre die Posaune ein Holzinstrument, wäre sie verstimmt, so war es einfach verspielt“ – das Publikum nahm es mit Humor.
Zwischen großen Emotionen schrieb die Band Humor groß, denn „selten war es bei einem Winterkonzert draußen wärmer als drinnen“ erklärte Stefan Altherr, bevor er wieder in die Tasten griff und ein in der Abteikirche schon häufig gehörtes Lied anstimmte: „Solsbury Hill“ von Peter Gabriel, hat schon häufiger Ray Wilson in Offenbach gespielt, der im kommenden Jahr wieder zu Gast sein wird.
In der Pause zum Aufwärmen nach draußen
DüV gaben mit Herzblut Geschichten von Liebe, Hoffnung und Frieden zum Besten, feierten mit dem Publikum, stimmten aber auch leise, besinnliche Töne an. Fuchs brillierte bei der ergreifenden Pink-Ballade „Dear Mister President“, während fast schon Partystimmung bei „Ain´t no mountain high enough“ herrschte, bevor das Publikum zur Pause mit einem Augenzwinkern zum Aufwärmen nach draußen geschickt wurde.
Nach der Pause, eingestimmt mit einem Gedicht und der Vorstellung von einer Welt ohne Hass, Gewalt und Armut, setzten die Musiker vielstimmig mit „Man in the mirror“ einen weiteren Glanzpunkt. Ein Lichtermeer aus Handytaschenlampen gab es bei der gefühlvollen Interpretation von Udo Jürgens’ „Es werde Licht“, einem weiteren Plädoyer für Menschlichkeit und Zusammenhalt – nicht nur zur Weihnachtszeit. Andächtiges Lauschen und etliche gezückte Handys gab es auch beim musikalischen Appell, miteinander zu sprechen, solange es noch geht: Thematisiert hat dies der frühere Genesis-Gitarrist Michael Rutherford mit „Mike & The Mechanics“ im Titel „The living years“.
Weltbekannte Songs mit „DüV-Stempel“
Mit diesem Song trafen die Musiker genauso einen Nerv wie mit der Journey-Ballade „Faithful“ oder auch „Kyrie“, bevor Bassist Manuel Distler mit Johannes Oerdings „Ich will noch nicht nach Hause“ den vermeintlichen Schlusspunkt eines Konzerts voller Emotion und musikalischer Leckerbissen setzte. Auf Standing Ovations und lautstarke Zugaberufe folgten zwei Weihnachtsklassiker: „Have yourself a merry little Christmas“ sowie das vom Publikum begleitete „Stille Nacht“, das für die letzten Gänsehautmomente sorgte, die nicht den acht Grad in der Kirche geschuldet waren.
Coverbands gibt es viele, doch die Band krempelt die Originale gekonnt um und verleiht Songs den „DüV-Stempel“. Unverkennbar ist das Bühnen-Setting, das die Atmosphäre eines Vintage-Wohnzimmers mit Stehlampen und Kerzen vermittelt, das im Offenbacher Gotteshaus aber ein wenig unterging. Denn die Veranstalter Roland Schatto und Manuel Bücker hatten mit ihrem Team einiges aufgefahren. Ein sieben Meter hoher Weihnachtsbaum dominierte den Altarraum, die mächtigen Stützpfeiler waren mit Tannen, Schleifen und Kugeln verziert, der Adventskranz wurde nahe der Orgel platziert und das Buntglasfenster „Geburt Christi“ von außen angestrahlt.