Kusel
Pfalztheater in Kaiserslautern: Seit 1995 im neuen Haus – Prominente Zeitzeugen erinnern sich
Für die damalige Kultusministerin Rose Götte gehört die Neueröffnung des Theaters „sicher zu den schönsten Tagen in meinem Leben“. Bei Beginn ihrer Amtszeit 1991 hatte Rheinland-Pfalz „die niedrigsten Kulturaufwendungen pro Kopf im Ländervergleich“, berichtet sie. Das ist heute wenig anders, aber immerhin könne man sich zwischenzeitlich „als lebendiges Kulturland präsentieren“.
Götte stieß den Kultursommer an und verfolgte eine „Förderung der Breitenkultur in allen Bereichen“, initiierte die Künstlerhäuser in Edenkoben und Bad Ems, etablierte die „Villa Musica“ im Schloss Engers. Das Staatstheater Mainz wurde komplett umgebaut und erhielt zudem ein Kleines Haus, schließlich entstand das neue Pfalztheater.
Zur Lauterer Bühne hatte Götte nach eigener Aussage „schon vor meiner Amtszeit eine persönliche Beziehung, weil mein Mann als Dramaturg und Regisseur im alten Haus gearbeitet hatte“: „Dadurch war mir auch das Leben hinter den Kulissen vertraut.“ Um Tuscheleien um eventuelle Vetternwirtschaft aus dem Weg zu gehen, gab Klaus Götte übrigens bei Amtsantritt seiner Frau die Tätigkeit am Pfalztheater auf.
„Es war eine verrückte Zeit“
Intendant war zu dieser Zeit Pavel Fieber, der das Pfalztheater seit 1991 leitete und heute in Würzburg lebt. „Es war eine verrückte Zeit“, sagt er rückblickend. „Aber was dabei herauskam, ist ja sehr erfreulich. Insgesamt ging der Bau gut voran.“ Er sei seinerzeit zuständig gewesen, „für alles, was hinter dem Vorhang passierte“, während Zuschauerraum und Foyer Sache der Planer waren.
Den damals zuständigen Baudezernenten Bernhard Deubig, der später Oberbürgermeister wurde und 2018 starb, habe er geschätzt: „Aber wir hatten auch Kräche, zum Beispiel über die beiden steinernen Masken vor dem Gebäude.“ Deubig hielt die vom Bildhauer Gunther Stilling entworfenen Skulpturen für passende Symbole der Bühnenkunst, Fieber dagegen für einfallslos und abgedroschen. „Aber der Bau und die Einweihung waren glänzend geplant“, sagt er. „Und ich war immer sehr gern in Kaiserslautern.“
„Playboy“ als Nathan
Zur Eröffnung des Pfalztheaters inszenierte Fieber den Klassiker „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing. Für die Titelrolle rief er den Wiener Star-Schauspieler Ernst Stankovski, der eher als Bonvivant und Rezitator berühmt war. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, den Nathan zu spielen“, sagt der heute 91-Jährige im Telefonat mit der RHEINPFALZ. „Ich war ja auf der Bühne meist der schlanke Playboy. Der Nathan ist für die Zuschauer eher ein massiver älterer Mann und diesem Klischee habe ich nicht entsprochen. Deshalb habe ich mir extra einen Bart wachsen lassen.“
Fiebers Beharren auf seiner Besetzung habe ihm „einen großen künstlerischen Schub gegeben“, stellt Stankovski fest. „Die Rolle war für mich in vielerlei Hinsicht ein Schlüsselerlebnis.“ So habe er durch Vermittlung seines Lauterer Bühnenpartners Tim Kramer, der im „Nathan“ den Tempelherrn spielte, eine Dozentur am Konservatorium in Wien erhalten: „Aber ich erinnere mich auch an meine schöne Wohnung in Kaiserslautern – und dass ich mir immer besonders gute Äpfel gekauft habe.“
Von der Barbarossaburg nahm sich Ernst Stankovski einen Stein mit nach Österreich.
„Eine Art Geheimplan“
Gerhard Piontek war während der gesamten 1980er Jahre Baudezernent und amtierte seit 1989 als SPD-Oberbürgermeister: „Ich habe das Theater nicht nur eingeweiht, sondern auch während der ganzen Zeit mitgeplant.“ Erste Gespräche über einen Neubau fanden demnach bereits um 1980 statt, „weil das alte Gebäude nur noch von der Farbe zusammengehalten wurde“.
Schon während der Amtszeit von OB Theo Vondano (CDU) habe er „eine Art Geheimplan ausgearbeitet“, dessen Kostenschätzung während der Beratung mit Land und Bezirksverband kontinuierlich gestiegen sei. Ein Neubau sei daher auf breite Skepsis gestoßen, „aber irgendwann gab’s einen Sinneswandel“, zumal über die Städtebauförderung auch Bundesmittel abrufbar gewesen seien. „Da war die Kuh vom Eis“, meint Piontek heute.
Die Trägerschaft des Theaters obliegt dem Bezirksverband Pfalz. Dessen Vertretungsgremium ist der Bezirkstag, der damals unter Leitung des Ludwigshafener Oberbürgermeisters Werner Ludwig (SPD) stand. Da der „Erhalt des altehrwürdigen Hauses“ ohnehin nur aufgrund der Übernahme durch den Bezirksverband möglich gewesen sei, setzte sich Ludwig nach Einschätzung vieler Zeitgenossen in besonderem Maß auch für Neubau ein.