Weingarten
Tödliche Messerattacke auf 17-Jährigen: Was bekannt ist - und was nicht
Zahlreiche Jugendliche radeln am Freitag Richtung Grillhütte. Es soll eine fröhliche Oberstufenparty gegen Ende des Schuljahres werden. Doch die Nacht endet in einem Albtraum. Denn gegen 3 Uhr am frühen Samstagmorgen ist eine Gruppe Jugendlicher auf einem Feldweg unterwegs. Kurz darauf ist einer der jungen Männer tot, nach Messerstichen, die ihm ein 20-Jähriger zugefügt haben soll. Der Tatverdächtige wird am Samstag in Lingenfeld festgenommen.
Die Grillhütte ist in den Tagen nach der Bluttat von der Polizei abgesperrt. Doch ob es einen Zusammenhang zwischen der Party und den Messerstichen gibt, ist noch vollkommen unklar. Denn die Feier endete schon deutlich früher, als an einem lauen Sommerabend zu vermuten wäre.
Sicherheitsdienst war im Einsatz
„Das war eine privat organisierte Party“, sagt Martin Stein, Studiendirektor am Goethe Gymnasium Germersheim. Schüler des Gymnasiums hatten diese Party auf die Beine gestellt, die Schule selbst hatte damit nichts zu tun. Aber es ist Stein wichtig, „Mutmaßungen zu vermeiden“. Zur möglichen Besucheranzahl kann Stein nichts sagen, doch zu einer Stufenparty kämen stets „eine ganze Menge“. Die Schülerinnen und Schüler hätten die Feier gut vorbereitet. Dazu gehörte auch, dass ein Sicherheitsdienst im Einsatz war. Doch dann habe die Veranstaltung „früher als gedacht geendet“. Die Schüler hätten die Hütte gegen 1 Uhr abgeschlossen und seien gegangen. Den Grund für diese Entscheidung kennt Stein allerdings nicht, weiß auch nicht, ob das spätere Opfer auf der Party zu Gast war.
Der 17-Jährige war in dieser Altersklasse unter Schülern offensichtlich gut bekannt. Das zeigt der Aufruf von Spenden für die Familie, als Unterstützung für die Beerdigung. Schon am Montagnachmittag sind von etwa 450 Menschen knapp 10.000 Euro gespendet worden, die angestrebte Spendensumme wurde inzwischen auf 15.000 Euro erhöht.
Krisenteams an Schulen treffen sich
Und auch an den Schulen im Kreis wird getrauert. Der junge Mann hatte zwei Schuljahre am Goethe-Gmynasium verbracht, bestätigt Studiendirektor Stein. Man habe schon früh das Kollegium über den Tod des ehemaligen Schülers infomiert. Das Krisenteam an der Schule habe sich schon getroffen, man habe das Gespräch mit den Stufensprechern gesucht. „Wir wollen die Schüler ja auch betreuen können, die vielleicht Redebedarf haben.“ Die Schule wolle in jedem Fall den Angehörigen das Beileid aussprechen und auch über den Vorfall kommunizieren. Ob dies über die Homepage der Schule oder über einen Elternbrief geschehen soll, sei noch nicht entschieden.
Auch an der Richard-von-Weizäcker-Realschule Germersheim habe das Krisenteam getagt, sagt Schulleiter Johannes Müller. Er habe schon am Wochenende vom Tod des ehemaligen Schülers erfahren, man sei schockiert. An der Schule hatte der 17-Jährige knapp zwei Schuljahre verbracht. Einige Kinder hätten die Stufenparty besucht oder seien mit dem Opfer befreundet gewesen, sagt Müller. „Freundschaftsbande und Cliquen machen ja nicht an Schulzugehörigkeit halt.“ Nun biete man Unterstützung über die Schulsozialarbeit an, habe den Kontakt zur Schulseelsorge hergestellt.
Bald hätte Opfer Ausbildung begonnen
An der Berufsbildenden Schule in Germersheim-Wörth werden drei Schülerinnen und Schüler intensiver betreut, die am Freitag vor Ort gewesen sein sollen. Denn auch an der BBS kannte man den 17-Jährigen, der in Speyer gewohnt haben soll. Er hatte ein Jahr lang die Berufsfachschule besucht. Am 1. August hätte der junge Mann eine Ausbildung als Maschinenanlagenführer begonnen und wäre dann an die Schule zurückgekehrt.
Die Gruppe Jugendlicher war am Samstagmorgen auf einen 20-Jährigen getroffen, der sein Auto auf dem Feldweg geparkt hatte. In welchem Zusammenhang es zu den Messerstichen kam, ist noch unklar. Der junge Mann war in der Nacht noch am Tatort seinen Verletzungen erlegen. Zuvor hatten weitere Mitglieder der Gruppe, mit der er unterwegs war, noch Erste Hilfe geleistet. Auch der Rettungsdienst war alarmiert worden. Seit Montagnachmittag liegt das vorläufige Obduktionsergebnis des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Mainz vor. Hier wird als Todesursache das „Verbluten infolge einer Stichverletzung im Bereich des Brustkorbs des Verstorbenen“ genannt.
In den sozialen Netzwerken gibt es seit der ersten Meldung über die Bluttat viele Spekulationen hinsichtlich der Herkunft von Opfer und Täter. Die Staatsanwaltschaft Landau teilte am Montag auf Anfrage der RHEINPFALZ Folgendes mit: Der Tatverdächtige ist kein Asylsuchender. Sowohl der 17-Jährige als auch der 20-Jährige haben auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Zur jeweils zweiten Staatsangehörigkeit gibt es keine Angaben.