Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Schule damals und heute: Die Leberwurst hat ausgedient

Viele Ehemalige und aktuelle Schüler feierten gemeinsam. Auch die Klassenkameraden des ersten Abschlussjahrgang s waren dabei.
Viele Ehemalige und aktuelle Schüler feierten gemeinsam. Auch die Klassenkameraden des ersten Abschlussjahrgang s waren dabei.

Die Erinnerungen an früher sind noch wach: 1967 haben die ersten Schüler an der Realschule Kandel ihren Abschluss gemacht. Nicht nur die Pausenbrot-Vorlieben haben sich seit damals verändert. Bei einem Fest in der Schule hatten sie sich viel zu erzählen.

Inge Pitrov hat die Fotos mitgebracht, die sie damals mit ihrer „Kodak-Kamera, die ich zur Konfirmation geschenkt bekommen hatte“, gemacht hatte. Jedes davon ist eine an Erinnerungen reiche Steilvorlage für alle Klassenkameraden, die zum Fest in der Schule gekommen sind. Anfang Mai vor 60 Jahren öffnete mit der Realschule Kandel eine der ersten ihrer Art in Rheinland-Pfalz. Am Freitag wurde das Jubiläum auf dem Schulgelände gefeiert, mit vielen Ehemaligen und natürlich aktuellen Schülern.

Inge Pitrov und ihre Klassenkameraden waren der erste Jahrgang, der 1967 in der Jahnstraße seinen Abschluss machte. Die Sonne brennt, doch sie haben zum Glück eine der wenigen Schattenbänke erwischt. Vorne auf der Bühne läuft das liebevoll gestaltete Programm von Lehrern und Schülern mit Liedern, Reden und Einlagen, doch trotz allen Engagements läuft es hier und da ein wenig an den betagten Zeitzeugen vorbei. „Wir verstehen ja ohnehin nichts“, sagt eine. Sie lacht und schwätzt mit ihren Nachbarinnen weiter. Rundherum ist viel geboten und sind allerlei Attraktionen zu entdecken: Kinderschminken, Spiel und Fitness früher und heute oder Bobby-Car-Rennen und Sackhüpfen. Selbst das DRK und die Feuerwehr sind da und präsentieren sich.

Leberwurstbrötchen muss den Morgen über reichen

Immer wieder wird Bezug zu den Gründerjahren genommen. Zum Beispiel beim Essensangebot: Es gibt Toast-Hawaii und Fleischsalat- oder Schaumkussweckle. Letztere hießen früher anders und werden von Gästen aus der damaligen Generation noch immer so benannt, während die Jungen routiniert darüber hinaus sind. Pitrov selbst erinnert sich noch gut an ihre Schulzeit. Und vor allem daran, dass es solch ein breites Essensangebot wie heute seinerzeit natürlich noch nicht gab: „Meine Oma hat mir immer ein Leberwurstbrot gemacht, das dann für den ganzen Vormittag gereicht hat. Es war auch noch nicht in Mode, etwas zum Trinken dabei zu haben. Wer durstig war, ist einfach zu irgendeinem Wasserhahn gegangen.“

So war das. 33 Mädchen und 34 Jungs wurden damals in getrennten Klassen unterrichtet. So ganz ließ sich das Interesse aneinander allerdings wohl nicht unterdrücken, erzählt man sich am Tisch unter großer Heiterkeit. Die Treppenstufen seien nach der Einweihung noch freihängend gewesen, sodass man zwischen ihnen durchgucken konnte. Rasch habe es sich daher eingebürgert, dass sich die Jungs darunter positioniert hatten, wenn die Röcke tragenden Mitschülerinnen nach ihrem Unterricht die Treppe herunterkamen. Der Spaß dauerte aber nicht lange, denn der Schulleiter Horst Schroth hatte rasch Änderungen vornehmen lassen, als es auffällig geworden sei.

Die Freunde bleiben fürs Leben

Marie-Luise Klein ist 71 Jahre alt. Sie lebt „heute wie damals in Minfeld“. Mit dem Omnibus sei es früh am Morgen nach Kandel in die Landwirtschaftsschule bei der heutigen Klinik gegangen, der heutige Bau kam ja erst viel später. Das Gymnasium sei für sie nicht in Frage gekommen, da es noch weiter weg gewesen sei. Auch Sonja Grzescich aus Maximiliansau durfte nicht aufs Gymnasium nach Karlsruhe, da es ihrer Mutter zu gefährlich gewesen sei. Dann also die Realschule, für die ihre damaligen Lehrer an den Volksschulen heftig geworben hätten. Es hat sich dann ja auch gelohnt. So wie für Helmut Fuhrmann und Heinz Wüst, die nach ihrem Realschulabschluss noch die Fachhochschul- und Hochschulreife erlangten und studierten.

Auf der Bühne läuft die Show weiter. Auch viele jüngere Besucher sind auf dem Gelände unterwegs – so wie Schüler Kevin. Was glaubt er, werde ihm in 60 Jahren noch in Erinnerung sein, wenn er an seine Schulzeit zurückdenken wird? „Der Lehrer Markus Otte, der netteste, den ich je hatte! Und der Zirkus, der vor vier Jahren hier war!“, sagt der Jugendliche. Sein Pausenbrot-Favorit sei zeitgemäß ein „Nutellabrot mit Butter“, sagt er noch. Auch die Schülerinnen Lia, Amelie und Jana kann man mit Leberwurstbroten offenbar nicht mehr begeistern. Würstchen mit Ketchup, Schokobrötchen oder Nussschnecken sind ihre Favoriten. Was - wie damals schon zu Inge Pitrovs Zeiten – allerdings bleiben wird sind die Freunde und Klassenkameraden, die sie hier gefunden haben. Die wichtigen Dinge des Lebens ändern sich also gottlob doch nicht so schnell.

Schaumkussweckle - eine Hommage an früher, wobei die LLeckerei damals noch anders hoieß.
Schaumkussweckle - eine Hommage an früher, wobei die LLeckerei damals noch anders hoieß.
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