Scheibenhardt Langes Warten auf schnelle Leitung

Auch für den Ortsteil Bienwaldmühle ist es wünschenswert schnelles Internet zu erhalten.
Auch für den Ortsteil Bienwaldmühle ist es wünschenswert schnelles Internet zu erhalten.

Beim saarländischen Telekommunikationsanbieter Inexio gibt es Überlegungen, Scheibenhardt ans Glasfasernetz anzuschließen. Mit den lange vorgesehenen Glasfaseranschlüssen des Schweizer Anbieters RMT rechnet man nicht mehr. Doch schnelles Internet kann es auch für andere Gemeinden geben.

„Bisher handelt es sich um eine reine Information“, sagte Ortsbürgermeister Edwin Diesel (parteilos) am Dienstag im Gemeinderat. „Noch ist nichts in trockenen Tüchern.“ Was der Bürgermeister aber zu verkünden hatte, klang zumindest verheißungsvoll: Der in Saarlouis ansässige Breitbandanbieter hat offenbar vor, sein nach eigenen Angaben 14.000 Kilometer langes Glasfasernetz in Scheibenhardt auszubauen. Wohl im Juni wird es erste Gespräche mit den Verantwortlichen geben, sagte Diesel. Auch im benachbarten Hagenbach und in Winden will die Firma offenbar expandieren.

Zunächst ist der Scheibenhardter Ortsteil „Bienwaldmühle“ nicht in den Ausbau-Überlegungen von Inexio enthalten. Diesel will sich aber dafür einsetzen, dass die mitten im Bienwald gelegenen Häuser in einem zweiten Schritt versorgt werden. Die bisher vorliegenden Informationen von Inexio seien „ein positives Zeichen“ – mehr aber auch nicht. „Auch bei RMT waren wir am Anfang euphorisch“, warnte der Bürgermeister vor zuviel Euphorie.

Geduld hat ein Ende

Im Jahr 2017 ging die Ortsgemeinde mit dem Schweizer Unternehmen RMT eine Kooperation hinsichtlich Glasfaserausbau ein. RMT wollte den abgelegenen kleinen Ort mit „lichtschnellem“ Internet versorgen. Eine große Glasfaserleitung von Steinfeld durch den Bienwald nach Scheibenhardt war dazu im Gespräch – und die Verlegung kostenloser Glasfaseranschlüsse in alle Haushalte. Doch bisher ist davon nichts gebaut. Immer wieder führte RMT an, nicht genügend Firmen für den zeitigen Ausbau zu haben und bat um Geduld.

Im Juli 2019 mehrten sich dann auch noch im Kreis Südliche Weinstraße, wo das erstmals in der Südpfalz tätige RMT seinen Glasfaserausbau begann, die Beschwerden unzufriedener Kunden (wir berichteten). Auch in der Verbandsgemeinde Hagenbach, wo man anfangs Feuer und Flamme für die rein aus Privatmitteln zu finanzierenden Ausbau war, kippte mittlerweile die Stimmung hinsichtlich RMT. „Ich halte persönlich nicht mehr viel davon“, sagte Verbandsbürgermeister Reinhard Scherrer (SPD) am Dienstag im Rat. RMT mache „Versprechungen an Dritte, aber nicht an uns“. Mit der Firma bestehe kein Kontakt mehr. Sie sei „abgetaucht“, so Scherrer.

Kündigung bringt nichts

Von einer Kündigung des Kooperationsvertrags mit RMT, wie es beispielsweise kürzlich der Hagenbacher Stadtrat zu prüfen beschlossen hat, rät Scherrer ab: „Das bringt nichts.“ Hintergrund: Laut Gesetz darf jedes bei der Bundesnetzagentur registrierte Telekommunikationsunternehmen seine Leitungen in öffentlichen Verkehrswegen verlegen. „Am Anfang hat man als No-Name eine enorme Überzeugungsarbeit zu leisten“, erklärte RMT-Chef Rolf Tresch Anfang 2018 der RHEINPFALZ den Sinn solcher Kooperationsverträge. Der „No-Name“ habe nur eine Chance bei den potenziellen Kunden, wenn die Gemeinde hinter ihm stünde. Rechtlich gesehen, betonte Tresch, dürfe er auch ohne Kooperation seine Glasfaserleitungen verlegen. Ob RMT als „No-Name“ aber tatsächlich irgendwann Glasfaser in Scheibenhardt verlegt, wenn die Konkurrenz bereits ihre Leitungen vergraben hat, dürfte zumindest fraglich sein.

Funkmast als Alternative

Scherrer riet dem Gemeinderat, neben der Inexio-Option und einer vagen RMT-Hoffnung noch eine von Diesel ins Spiel gebrachte dritte Option für schnelles Internet im Auge zu behalten. Diese betrifft allerdings nur den im Wald gelegenen Ortsteil Bienwaldmühle: Dort könnte der im restlichen Ort bereits seit 2014 vertretene Funkanbieter Skytron seine Aktivitäten verstärken. Jedoch: Nach einem zunächst vielversprechend verlaufenen Gespräch sei das von Skytron zugesandte Angebot „nicht bezahlbar“ für die Gemeinde, so Diesel. Es müssten 100.000 Euro für einen Funk-Gittermast investiert werden. Zuschüsse vom Land würde es wohl keine geben. Jetzt prüft Diesel hier parallel weitere Optionen.

„Momentan sind wir auf vielen Ebenen zugange“, machte Diesel zumindest Hoffnung, dass eine Option sich letztlich in die Realität umsetzen lässt. Auch in Sachen Behebung von Funklöchern für den Mobilfunk im Hauptort Scheibenhardts gibt es Hoffnung: Am 23. Juni soll es mit der Telekom einen Termin am alten Rathaus geben. Im Gespräch ist, dort einen Mobilfunkmast zu platzieren.