Germersheim / Kandel
Lage in Kliniken ist noch entspannt
Die Zahl der Corona-Infektionen im Landkreis sind auf Rekordniveau. In den Asklepios-Kliniken in Germersheim und Kandel fühlt man sich gut gerüstet. Deshalb gibt es zunächst keine neuen Einschränkungen für Besucher: „Wir halten vorerst an der 1-1-1-Regelung fest“, sagt Geschäftsführer Frank Lambert. Das bedeutet: Pro Patient darf pro Tag ein Besucher kommen und maximal eine Stunde bleiben. „Bisher ist nicht feststellbar, dass so Infektionsherde in Kliniken entstanden sind“, allerdings werde man die Entwicklung beobachten.
Im Frühjahr waren Stationen verlegt worden, ausschließlich die Kandeler Klinik hatte sich um die Covid-19-Patienten im Landkreis gekümmert. Inzwischen hat man dazugelernt. Während der zweiten Welle bleiben beide Kliniken im Regelbetrieb. Operationen oder Vorsorgeuntersuchungen wurde bis auf Weiteres nicht abgesagt. Auch die Covid-19-Patienten werden jetzt in beiden Kliniken behandelt. „Die Sicherheitsmaßnahmen sind so hoch, jetzt können wir das an jedem Standort“, sagt Lambert.
Drei verschiedene Test-Systeme im Einsatz
Denn das Motto in Kandel und Germersheim lautet: Testen, testen, testen. Die Südpfalzkliniken haben eine interne Teststrategie erarbeitet, die gerade mit dem Gesundheitsamt des Landkreises abgestimmt wird. „Diese Strategie werden wir sehr weit fassen“, sagt Lambert. Dabei gibt es drei Säulen: Zum einen werden zum Beispiel weiter täglich Tests von Patienten vom Labor Volkmann in Karlsruhe ausgewertet. In der Hochzeit der ersten Welle waren es etwa 1000 Tests pro Monat.
Außerdem hat die Klinik in ein Schnelllabor-Gerät investiert, das zunächst in der Notaufnahme in Kandel zum Einsatz kommen soll. Am Standort Kandel befindet sich auch das Labor der Südpfalzkliniken. Das sogenannte POCT (Point of Care)-Gerät soll in den nächsten zwei bis drei Wochen eintreffen. Kostenpunkt: 25.000 Euro, dazu kommen noch die Testkits. Bei diesen Tests liegt ein Ergebnis nach etwa vier Stunden vor. Lambert hofft, dass etwa 300 Tests pro Monat über dieses Gerät laufen können. Je nach Erfahrungen und Lieferkapazitäten könnte auch ein weiteres Gerät für die Germersheimer Klinik angeschafft werden.
Die dritte Säule sind Schnelltests. Schon ab der kommenden Woche sollen alle ambulanten Notfälle, aber auch symptomfreie Patienten so überprüft werden. 3500 Tests im Monat kann sich Lambert hier vorstellen. So sollen alle Mitarbeiter einmal pro Woche getestet werden und alle Menschen, die über die Notaufnahme in eine der Kliniken kommen.
Es müssen genug Zimmer frei bleiben
Das Ziel ist klar: Über möglichst schnelle Ergebnisse soll vermieden werden, dass eine Corona-Infektion in ein Haus eingeschleppt wird. Welcher Personenkreis mit welchem Testverfahren überprüft wird, hängt auch davon ab, wie viele Testkits den Kliniken zur Verfügung stehen und ob das externe Labor wegen der gestiegenen Nachfrage noch weitere Tests übernehmen kann. Die Schnelltests sollen gewährleisten, dass immer genug Krankenzimmer frei sind. Denn bis zu einem Testergebnis müssen Patienten isoliert untergebracht werden. Damit blockiert im Zweifel jeweils ein einzelner Patient ein Mehrbettzimmer.
Die ersten Covid-19-Patienten in der Klinik waren im Frühjahr aus dem Elsass gekommen. Dort gab es keine Beatmungsplätze mehr, die Kandeler Klinik hatte sich bereit erklärt, Patienten aus dem Nachbarland aufzunehmen. In der zweiten Welle seien bisher noch keine Anfragen aus Frankreich gekommen, sagt Lambert. Der Geschäftsführer kann sich aber durchaus vorstellen, dass es noch einmal eine solche Situation geben wird. Andere Häuser aus dem Asklepios-Konzern im Nordwesten Deutschlands haben dafür schon Patienten aus den Niederlanden aufgenommen.
Am Standort Kandel stehen 17 Intensivbetten zur Verfügung, in Germersheim 12. Derzeit (Stand Donnerstag) werden sechs Patienten stationär wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt, einer von ihnen muss beatmet werden.
Die Lage ist also noch entspannt. Dennoch stellen die Mediziner wie im Frühjahr eine Zurückhaltung fest: Die Menschen wollen aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht in die Klinik. „Dabei ist man vermutlich nirgends sicherer“, sagt Lambert. Es sei zum Beispiel wichtig, dass Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen werden.
Anders als zu Beginn der Corona-Pandemie bleiben die Notaufnahmen an beiden Standorten geöffnet. Und nach einer kurzzeitigen Schließung, beziehungsweise Einschränkungen bei den Öffnungszeiten sind auch beide Bereitschaftsdienstzentralen der Kassenärztlichen Vereinigung wieder ein Betrieb.
„Komfortstation“ soll 2021 fertig sein
Allerdings wird es hinsichtlich des Standorts der Bereitschaftsdienstzentrale in Kandel eine Veränderung geben. Denn dort wird weiter umgebaut. Nach dem Abriss des Schwesternhauses geht es an die Sanierung einzelner Bereiche der Klinik. Deshalb wird die Bereitschaftspraxis ab Ende November in den vierten Stock verlagert, „in zeitgemäßere Räumlichkeiten“, so Lambert.
Der komplette Flur wird kernsaniert, die ehemaligen Kreißsäle der 2017 geschlossenen Geburtsstation entfernt. Stattdessen soll jetzt die „Komfortstation“ umgesetzt werden, die seit Ende 2019 in der Planung ist. Durch ein spezielles Raumkonzept, Verpflegungs- und Serviceleistungen sowie eine eigene Lounge werde die Station einen „hotelartigen und niveauvollen Charakter mit einem Höchstmaß an Privatsphäre“ haben. Nachfrage und Bedarf seien in der Kandeler Klinik, in der es eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Privatpatienten gebe, vorhanden. Die neue Station soll 18 Zimmer umfassen und bis Juni 2021 bezugsfertig sein.
Das Angebot steht auch für Patienten mit einer gesetzlichen Versicherung zur Verfügung – je nach Vertrag, falls eine Zusatzversicherung besteht oder wenn man Selbstzahler ist. Wie viel mehr bezahlt werden muss steht noch nicht fest.