Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kaum Feierlaune bei den Wirten

Offene Türen aber wenig Gäste.
Offene Türen aber wenig Gäste.

Der Dezember ist der Monat der Weihnachts- und Jahresendfeiern. Doch mit den steigenden Corona-Zahlen steigt auch die Zahl der Absagen von Feiern. Dies trifft besonders die Gastronomie. Doch nicht nur die Absagen großer Feiern bereiten ihnen Probleme. Parallel wächst auch die Angst vor einem noch größeren Einschnitt.

„Seit einer Woche kommen fast nur noch Absagen“, sagt Maik Küspert von der Zeiskamer Mühle. „Alle Firmen haben ihre Weihnachtsfeiern abgesagt.“ Der Dezember ist sonst Hochsaison der Feiern in Gaststätten. In der Mühle fänden dagegen nur noch private Zusammenkünfte unter Freunden und kleineren Vereinen zum Jahresende statt, sagt Küspert. „Wir hatten schon alle Wochen durchgebucht gehabt, man merkte, dass die Menschen wieder Hoffnung hatten.“ Umso härter trifft ihn der „richtige Einbruch“. Während am Wochenende noch etwa 70 Prozent der sonst um diese Jahreszeit übliche Auslastung erreicht werde, komme unter der Woche nur noch jeder fünfte Gast.

Viel weniger Feiern

„Wir haben in der letzten Woche Absagen für 350 Personen gehabt“, sagt auch Mario Koch von Kochs Restaurant in Kandel. „Alle Feiern ab 20 Personen sind weggefallen“, auch bei ihm fänden höchstens noch kleinere, aber keine Firmen-Weihnachtsfeiern mehr statt. „Bis auf Geburtstagsfeiern von Risikogruppen finden die familiären Feiern weiter statt.“ Trotzdem, im vorher für den ganzen Monat ausgebuchten Restaurant fänden an den Wochenenden jetzt wieder 20 Gäste und mehr Platz. „Statt 150 verkaufen wir derzeit nur 80 Mittagessen, sieht er auch andere Bereiche durch die aktuelle Situation beeinträchtigt. „Wir versuchen Alternativen zu finden“, sagt Koch, der Firmen anbietet, das Catering für die Weihnachtsfeier im Betrieb zu übernehmen. Mit einem vorherigen Test sei es ja allen möglich sich in der Firma zu treffen.

„Das ist nicht viel, aber wenigstens etwas“, sagt Koch, der aber insgesamt beobachtet, dass „in den meisten Fällen die Feiern durch die Firmen ersatzlos gestrichen“ würden. Eva Psaradaki vom Kalimera in Wörth bestätigt, „alle großen Firmen haben ihre Weihnachtsfeiern abgesagt. Auch von den Kindergärten, vom Klinikum, es gibt dauerhaft nur Absagen. Es ist eine sehr schwierige Zeit.“

„Geschäft trägt sich noch“

In der Bellheimer Waldstube fänden hingegen auch Firmenfeiern weiter eingeschränkt statt, sagt die Inhaberin Michaela Groß. „Statt 50 kommen aber meist nur noch etwa 15 Personen“, reagierten die Unternehmen mit kleineren Gruppen auf die Pandemie. „Insgesamt sind es aber viel weniger Feiern als in den letzten Jahren. Es gab auch große Feiern mit 70 Personen, die ganz abgesagt wurden.“ Gerade Gruppen mit älteren Personen hätten verständlicherweise Angst wegzugehen, sagt Groß. Geschäftlich sei es „im Moment noch tragbar“, auch da mehr Menschen zum Essen „à la carte“ kämen.

Die Absagen treffen nicht nur sie als Wirtin. „Ich muss den Einkauf und Personal komplett umplanen. Der Metzger und die Brauereien verkaufen weniger, das hängt alles zusammen“, sagt Groß. Auch Koch sieht bei seinen Besuchen im Großhandel leere Märkte, zu unsicher seien die Gastronomen, um bereits jetzt schon für das Weihnachtsgeschäft einzukaufen. Wie vielen Gastronomen sei ihm über die lange Zeit der Schließung zudem ein Teil des Personals weggebrochen. „Ich suche nach Köchen und Servicekräften, da bin ich aber nicht der Einzige. In den sozialen Medien gibt es viele solcher Gesuche.“

Tische großzügiger platziert

Er versucht aus dem Personalnotstand das Beste zu machen und bietet seinen Gästen mehr Platz und Abstand. „Durch die Verordnungen haben wir die Tische großzügiger platziert, mit 80 Plätzen statt 120. Dadurch spare ich auch zwei Servicekräfte“, sagt Koch. Auch in anderen Gaststätten reagierten die Wirte auf die aktuell sinkende Zahl der Gäste mit Personalreduzierungen.

Küspert musste in der Zeiskamer Mühle hingegen eine zusätzliche Person zur Kontrolle der Impfzertifikate abstellen. „Es gab größtenteils Verständnis, aber auch zwei, drei Ausnahmen, die lange Diskussionen auslösten und drohten, nicht mehr wieder zu kommen.“ Eine Einführung von 2G+ mit einem zusätzlichen Test für Geimpfte sieht er skeptisch. „Da wird vielen die Lust vergehen, wenn man sich vor dem Hotel noch mal testen lassen muss“, meint Küspert. Koch hält das schon durch den Personalmangel für kaum machbar.

„Die Angst macht Probleme“

Die Wirte versuchen das Beste aus der Lage zu machen, denn eine andere Angst sitzt noch tief. „Ich rechne jeden Tag mit einem Lockdown. Da ist es so besser so, als wenn wir komplett zu machen müssten“, sagt Groß. „Ich gehe davon aus, dass wir zu Weihnachten wieder geschlossen werden“, schätzt auch Koch, der damit rechnet, dass die Politik bald das machen werde, „was sie sich nicht zu sagen trauen.“

Durch einen guten Sommer und die staatliche Unterstützung fürchten die befragten Gastronomen nicht um ihre Existenz. „Die Hilfen sind ok, aber wir wollen ja arbeiten“, sagt Küspert. Auch Psaradakis Sorgen sind andere. „Ich denke jeden Tag nach der Arbeit, hoffentlich bin ich nicht infiziert. Nicht das finanzielle, sondern das menschliche macht Probleme und die Angst, dass etwas passieren könnte.“

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