Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel IG Metall rückt Daimler näher

Eine Macht nicht nur auf der Straße, sondern auch in vielen Betrieben: IG-Metall-Demo in Wörth vor Corona.
Eine Macht nicht nur auf der Straße, sondern auch in vielen Betrieben: IG-Metall-Demo in Wörth vor Corona.

„80 Prozent unserer Mitglieder arbeiten in der Südpfalz“, sagt Ralf Köhler, 1. Bevollmächtigter des früheren IG-Metall-Bezirks Neustadt. Der Bezirk mit knapp 15.000 Mitgliedern heißt deshalb jetzt wie der neue Standort „Landau“. Der Grund: Außer Daimler viele andere Unternehmen – darunter noch etwa 20 ohne Betriebsrat. Und leider wohl bald auch eines weniger.

Köhler und die IG-Metall-Mitarbeiter sind zum 1. Juni umgezogen: in die Paul-von-Denis-Straße in Landau. Damit sind sie näher an den Brennpunkten ihrer Arbeit. An erster Stelle stehen dabei schon aufgrund ihrer Größe die beiden Daimler-Werke in Wörth (Lastwagenwerk, 10.000 Beschäftigte) und Germersheim (Global Logistik Center, 3100 Beschäftigte). Im Lastwagenwerk – nach der BASF der zweitgrößte Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz – laufen derzeit die lange geforderten Verhandlungen über das sogenannte „Zielbild“ des Standortes, so Köhler.

Betriebsrat und IG Metall fordern schon länger die konsequente Ausrichtung des Werkes auf Batterie- und Wasserstoff-Technologien. Dazu gehören für die Arbeitnehmervertreter neben den erforderlichen Investitionen auch die weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Sicherung der Beschäftigung. „Die Arbeitgeber fordern im Gegenzug noch mehr Flexibilität und weitere Kosteneinsparungen“, so Köhler: „Da sind Konflikte vorprogrammiert.“ – Die Unternehmungsführung sieht das anders: Die Gespräche „verlaufen intensiv und konstruktiv“, so ein Daimler-Sprecher. Zum Zwischenstand von Verhandlungen äußere sich ansonsten das Unternehmen grundsätzlich nicht.

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„Berger Metallwaren“

Sehr gute Auftragslage, aber Konflikte, die das Betriebsklima erheblich belasten – so fasst Köhler die Situation bei „Berger Metallwaren“ in Berg zusammen. Zwar seien für Anfang des nächsten Jahres Modernisierungen geplant, der Konzern Ringmetall sei auf Expansionskurs. „Allerdings ist die Situation zwischen Betriebsrat und Arbeitgeberseite schlecht. Die Mitbestimmung wird offensichtlich auf allen Ebenen abgelehnt“, so Köhler. Die Folge seien vielfach schlechte Arbeitsbedingungen und ein niedriges Lohnniveau.

Diese Einschätzung teilt die Geschäftsführung von „Berger Metallwaren“ nicht. Auch der Betriebsrat sei „mehr als überrascht“. Das Unternehmen bemühe sich, seinen „Mitarbeitenden ein verlässlicher und fairer Arbeitgeber zu sein“. So gab es trotz pandemie-bedingter starker Umsatzschwankungen weder Kündigungen noch Kurzarbeit. Die Ringmetall als global aufgestellter Konzern mit 16 Produktionsstandorten in 7 Ländern auf 3 Kontinenten verzichte bewusst auf Einsparpotenziale, die sich durch die Verlegung von Arbeitsplätzen in Länder mit niedrigerem Lohnniveau ohne Zweifel ergeben würden. Ringmetall zahle seinen Mitarbeitenden in Deutschland Löhne, die nachweislich über Branchenniveau liegen. Es wurde bereits viel in die Digitalisierung investiert, eine neue, in Deutschland entwickelte Maschinengeneration stehe unmittelbar vor der Einführung. „Besonders unsere deutschen Standorte weisen eine niedrige Mitarbeiterfluktuation auf“, so die Berger-Geschäftsführung. Dies sei gerade auf das gute Miteinander in den Betrieben zurückzuführen.

„Thyssenkrupp in Wörth will schließen“

In Wörth habe Thyssenkrupp MPE die Schließung des Werks für Mitte 2023 angekündigt, so Köhler. Etwa 35 Beschäftigten soll ein Arbeitsplatz in Mannheim angeboten werden. „Damit ist der Abschluss eines Interessensausgleichs und Sozialplans notwendig“, so Köhler. Aktuell finde eine arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung gegen erste Maßnahmen statt, da Betriebsrat nicht rechtzeitig vorab in die geplante Betriebsänderung einbezogen wurde. – Thyssenkrupp hat bis zum Redaktionsschluss am Donnerstag auf eine Anfrage der RHEINPFALZ nicht geantwortet.

Kardex Bellheim

Bei Kardex in Bellheim liege der aktuelle Schwerpunkt bei der geplanten neuen Struktur der Kardex Produktion Deutschland GmbH durch Aufteilung in eigenständige GmbHs. „Betriebsrat und IG Metall sind wachsam und achten darauf, dass keine Nachteile für die Beschäftigten entstehen“, so Köhler.

Weitere Schwerpunkte sind laut Köhler derzeit Tenneco in Edenkoben – dort solle Arbeit verlagert werden – und Ansorge in Landau – hier fordere die IG Metall den Abschluss eines Anerkennungstarifvertrags Galvanik. Bei MTS Saugbagger (Germersheim) werde gerade die Gründung eines Betriebsrats für die 160 Beschäftigten angegangen. Das wird wohl kein Einzelfall bleiben. „Es gibt in den Branchen Metall und Elektro in der Südpfalz rund 20 Betriebe mit über 50 Beschäftigten, die noch keinen Betriebsrat haben“, sagt Köhler.

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