Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Ende 2021 soll im A65 getanzt werden

Das war einmal: Das A65 zog viele Jahre die Nachtschwärmer aus der Region an.
Das war einmal: Das A65 zog viele Jahre die Nachtschwärmer aus der Region an.

Bald soll wieder Leben in die ehemalige Kult-Disko A65 einziehen: Ab Anfang 2021 will ein Investor die Räume zu einer Eventhalle umbauen. „Unser Ziel ist, dass gefeiert wird“, sagt Mehmet Sen im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Geschäftsmann will mit dem Projekt auch Arbeitsplätze in der Veranstaltungsbranche schaffen.

„Satzungsbeschluss.“ Dieser sperrige Begriff ist das Zauberwort für alle A65-Nostalgiker. Nach knapp zwei Jahren Planungsphase soll Unternehmer Mehmet Ali Sen vom Kandeler Stadtrat in der nächsten Sitzung grünes Licht für das Projekt am Horstring bekommen. Es fehlt nur noch eine Formalie. Die Arbeiten für den Umbau der ehemaligen Diskothek zur Eventhalle sollen im Februar beginnen und im Herbst 2021 abgeschlossen sein. „Vielleicht starten wir auch früher. Je früher, desto besser“, sagt Sen. „Die Frage ist: Was macht Corona mit uns?“

Der Unternehmer Sen ist seit 30 Jahren in der Branche. 2013 hat er die Rheingoldhalle in Mannheim gekauft und auf dem Markt etabliert. „Vorträge, Messen Kongresse, Vorlesungen, private Feierlichkeiten, von Taufe bis zu Hochzeiten“, zählt Sen die angebotenen Veranstaltungen auf, außerdem „Konzerte, Betriebsversammlungen, firmeninterne Events wie Weihnachtsessen“ – kurzum: „Das ganze Spektrum“. In der Rheingoldhalle bekommt er direkt die Auswirkungen der Pandemie zu spüren: Wegen der steigenden Infektionszahlen in der Stadt wurden nun auch die Regeln für Veranstaltungen verschärft. „Darunter leiden wir wirtschaftlich“, sagt Sen.

In Mannheim ist der Geschäftsmann auch als SPD-Kommunalpolitiker und ehrenamtlicher Richter aktiv. Nun wagt er den Sprung über den Rhein. Die Arbeiten an einer Eventhalle im ehemaligen Penny-Gebäude in Schwegenheim laufen. Probleme mit Asbestfunden sind laut Sen überwunden.

Erinnerung an Kult-Disko A65 hochhalten

Auch in Kandel wird ab 2021 Geld ausgegeben: „Wir gehen von etwa 1,2 Millionen Euro bis 1,5 Millionen Euro an Investitionen aus.“ Das Restaurant „Klosterhof“ und ein Teil der Diskothek sollen bestehen bleiben. Der Rest des Areals wird umgebaut. Einschließlich der Disko sind drei Hallen geplant, die für jeweils 80, 320 und 560 Sitzplätze ausgelegt sind. Angestrebt wird ein Mix aus privaten und geschäftlichen Veranstaltungen, Messen und Kongresse ebenso wie Hochzeiten und andere Familienfeiern. Doch auch Partys sollen nicht zu kurz kommen. „Das ist unser Ziel, dass da gefeiert wird“, sagt Sen. Dabei sollen es auch eine Art A65-Revival-Abende geben. „Wir wollen etwas in Erinnerung an das A65 machen“, sagt Sen. „Vielleicht zweimal im Jahr, eine Veranstaltung mit DJ.“

Denn Kandel galt in der Südpfalz einmal als Party-Hotspot. Zeitweise zogen in dem Gewerbegebiet sogar drei Diskotheken die Nachtschwärmer an: Akra, Nightmare und das 1998 eröffnete A65. Letzteres entwickelte sich zur Kult-Disko und hielt vergleichsweise lange durch. Doch dann ließen das veränderte Freizeitverhalten und die fehlende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr auch hier keinen wirtschaftlichen Betrieb mehr zu. Im April 2017 wurde zum Abschied im A65 eine letzte große Party gefeiert. Seitdem liegt das Gelände brach.

Strenge Vorgaben wegen benachbarter Firma

Pläne für die Eventhalle liegen seit Anfang 2019 vor. Allerdings gab es unerwartete Komplikationen: Bei der Aufstellung des Bebauungsplanes fiel auf, dass sich mit der Thermo Fisher GmbH in der Nachbarschaft schon seit Jahren ein sogenannter Störfallbetrieb befindet. Das Unternehmen handelt mit zirka 30.000 verschiedenen chemischen Stoffen, darunter hochgiftige Chemikalien. Wegen dieser sogenannten „Gemengelage“ waren zusätzliche Prüfungen und Gutachten notwendig, die Planungen verzögerten sich.

Das Konzept geht von 1000 Besuchern bei einer Vollbelegung aus, damit liegt laut Sitzungsvorlage des Stadtrats die maximale Besucherzahl bei 2000 Gästen am Tag. Das ist deutlich weniger als früher im A65, das auf 3000 Besucher pro Tag ausgelegt war. Um im Zweifel innerhalb eines bestimmten Zeitraums evakuieren zu können, ist für jede Halle eine bestimmte Anzahl an geschulten Betreuern vorgeschrieben. Auch die Lüftungsanlagen müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, zum Beispiel über ein System verfügen, um bei einem Alarm die Luftzufuhr mit Frischluft von außen komplett abschalten zu können.

Bedenken wegen Bäumen und Parkplätzen

Doch im Stadtrat gab es mit Blick auf den früheren A65-Betreiber noch andere Kritikpunkte: Dieser habe sich nie an die Vorgaben des Grünordnungsplanes gehalten, also an die vorgeschriebene Anzahl Bäume, die gepflanzt werden müssen. Auch habe es Probleme mit zugeparkten Rettungswegen gegeben.

Sen kennt diese Bedenken: „Wir haben bisher alle Vorgaben erfüllt“, auch diesen Forderungen werde man nachkommen. Die Gebäude habe man als Betreiber gemietet, der Grundstückseigentümer haben zugesagt, die Bäume zu pflanzen. Außerdem sollen 230 Parkplätze ausgewiesen werden.

Trotz aller Verzögerungen ist Sen motiviert: „Wir freuen uns, mit der Stadt das Projekt anzugehen.“ Dabei sollen auch Arbeitsplätze entstehen. „Wir wollen Mitarbeiter einstellen“, betont er. Derzeit plant er mit 20 Vollzeit- und 50-Teilzeitkräften, gesucht werden unter anderem Veranstaltungskaufleute und Eventmanager, sowie Personal für Service und Küche.

Kommentar: Chance verdient

Trotz widriger Umstände hält der Investor an den Plänen für die Eventhalle fest. Dafür hat er einen Vertrauensvorschuss verdient.

Es gibt bessere Zeiten für Investitionen in eine Eventhalle. Wegen der Pandemie liegt die Veranstaltungsbranche am Boden und es ist noch nicht absehbar, wann sie sich erholen wird. Und es gibt vermutlich bessere Orte für eine Eventhalle, als die Nachbarschaft zu einem Störbetrieb. Denn die Vorgaben zum Schutz der Gäste zum Beispiel hinsichtlich der Lüftungsanlagen sind in der Umsetzung ziemlich teuer.

Doch ein Investor aus Mannheim hält im Herbst 2020 weiter an den Plänen für die Eventhalle im ehemaligen A65 in Kandel fest. Auch wenn diese im Laufe der Zeit immer komplizierter wurden.

Dennoch unterstellen ihm einige Ratsmitglieder schon jetzt, dass er sich nicht an die Vorgaben hinsichtlich der Pflanzung von Bäumen und der Auszeichnung Parkplätzen halten würde – mit der Begründung, dass sich ja der Vorgänger auch nicht daran gehalten habe. Ein Pauschalurteil, weil man sich häufig über die Feier-Exzesse im A65 geärgert hatte? Dabei haben seriöse Veranstaltungen wie Messen oder Betriebsversammlungen nichts mit Billig-Sauf-Parties zu tun. Und selbst die A65-Erinnerungsabende werden eine Nummer kleiner ausfallen, schlicht weil die Räume nicht mehr so viele Besucher fassen.

Offensichtlich glaubt der Investor an den Standort Kandel und will Arbeitsplätze in der stark gebeutelten Veranstaltungsbranche schaffen. Dafür hat er auch vom Stadtrat einen Vertrauensvorschuss verdient.

Seit 2017 liegt die Disko im Dornröschenschlaf.
Seit 2017 liegt die Disko im Dornröschenschlaf.
x