Jockgrim
DLRG-Trophy: Erste Entscheidung im Jockgrimer Badesee
In Einzel- und Staffelwettkämpfen der DLRG-Trophy traten gut 120 Sportler in unterschiedlichen Disziplinen gegeneinander an, schwammen, paddelten und retteten verunfallte Schwimmer aus dem Wasser. Auf den Sand- und Grasliegenflächen des beliebten Badesees liegen an diesem frühsommerlichen Samstagvormittag keine Badegäste auf ihren Strandlaken, sondern Rettungsbretter reihen sich aneinander, daneben liegen Rettungskajaks bereit und Tubes (Rettungsgürtel) warten auf ihren Einsatz.
17 Mannschaften aus ganz Deutschland haben schon am frühen Morgen, der erste Wettkampf startete um acht Uhr, Schutzzelte und Pavillons aufgebaut. In denen ziehen sich die Sportler um, wärmen sich nach einem Wettkampf auf und erholen sich. Denn die Sonne, die von einem strahlend blauen Himmel scheint, täuscht. Es weht den ganzen Tag über ein kühler Wind, und was noch entscheidender ist, das Wasser in dem See hat nur 19 Grad. Die vorherrschende Farbe am Strand ist Pink, denn alle Wettkampfteilnehmer ziehen sich, um im Wasser gut sichtbar zu sein, enge Leibchen in dieser Farbe über, egal, für welchen Verein sie antreten. Dafür sind die Bademützen mit gut erkennbaren Mustern unterschiedlich gestaltet, wie blaue Anker auf weißem Grund für die Sportler aus Ludwigshafen-Oggersheim oder Blau-orange-weiße Dreiecke für Ettlingen.
Immer weniger Wettkampf-Möglichkeiten
Ausrichter des ersten von drei Trophy-Tagen in diesem Jahr ist die DLRG Wörth. Ihr Vorsitzender Sascha Neff und ein viel-köpfiges Helferteam in Gelb-Rot haben beim Aufbau der nötigen Infrastruktur vor Ort geholfen und packen überall mit an, wo sie benötigt werden. Mit ihren blauen T-Shirts sind die immerhin 20 Schiedsrichter gut zu erkennen. Sie achten akribisch auf das Einhalten des Trophy-Regelwerks, das in Englisch verfasst ist. In Englisch, weil die deutschen Wettkämpfe nach den Regeln des Weltverband ILS (International Lifesaving Federation) stattfinden und sich dabei die deutschen Mannschaften für internationale „Trophys“ qualifizieren können. Dies erklärt in einer kurzen Wettkampfpause Claudia Kuntz, die an diesem Tag die „Chefin“ vor Ort und Landesverbandsvizepräsidentin für Berlin ist. Alle, egal ob Sportler, Schiedsrichter oder Helfer, sind ehrenamtlich aktiv, arbeiten das ganze Jahr über in ihrer Freizeit für oder bei der DLRG. „Wir sind der Ortsgemeinde Jockgrim sehr dankbar, dass sie uns in diesem Jahr wieder einen Tag lang in der laufenden Saison den See überlassen hat, das ist heute nicht mehr selbstverständlich“, erklärt Kuntz mehrmals. Die Austragungsorte für die Trophy werden damit immer weniger.
Zu den ambitionierten Sportlern gehört Lea Kötter, eine 19-jährige Wettkampfschwimmerin aus Lüneburg. Sie hat in diesem Frühjahr Abitur gemacht und tritt in Jockgrim in den Disziplinen Beach Flag, Rettungsbrett und Rettungsski (Kajak) an. Bei den Beach Flags hat sie das Einzel am frühen Vormittag gewonnen. Ein guter Start in die Trophy, denn das Mitglied der deutschen Junioren-Mannschaft hoffe, sich in diesem Jahr für die National-Mannschaft zu qualifizieren. „Ich bin der DLRG-Wettkampfgruppe beigetreten, nachdem ich das Gold-Abzeichen im Verein abgelegt hatte“, erzählt sie über ihren Sport. Sie trainiere bis zu zehn Mal wöchentlich, also bisweilen mehrmals am Tag die Disziplinen Board und Ski, das Schwimmen laufe eher nebenbei. Die Trainingsstrecke sei ein kleiner Fluss bei Lüneburg, wobei das Training bei niedrigen Wassertemperaturen im Neopren erfolge. Ihr gefällt der Jockgrimer See richtig gut, sie freute sich auch, mit ihrem Team in die Südpfalz zu kommen und Freunde in anderen Teams zu treffen. Die meisten Teams aus weiter entfernt liegenden Städten und überörtliche Organisatoren reisten schon am Vortag an. Die Lüneburger hatten das Glück, bei Freunden in Heidelberg übernachten zu können und damit am Samstag nur eine kurze Anfahrt zu haben. Immerhin bringen alle teilnehmenden DLRG-Gruppen ihr Equipment auf großen Trailern selbst mit, was die Reise-Geschwindigkeit deutlich reduziert.
DLRG-Trophy mit Mixed-Staffeln
Toma Unverzagt kümmert sich ehrenamtlich um die Öffentlichkeitsarbeit der DLRG. „An jedem Trophy-Tag werden in den unterschiedlichen Disziplinen Vorläufe und Endläufe ausgetragen, nach Geschlecht getrennt“, erklärt er bei einem Rundgang durch die Wettkampfstätte. Ausnahmen gebe es nur bei den Staffeln, wo auch gemischt angetreten werde. Bis auf „Beach-Flag“ (Einsammeln von Flaggenhaltern am Strand) finden alle Wettkämpfe im Wasser statt, Start und Ziel ist der Badestrand. Im Wasser selbst markieren Bojen weit draußen im See den Anschlagpunkt für einen Wechsel oder den Wendepunkt. „
Die Königsdisziplin der Trophy ist „Oceanman oder Oceanwoman“, schwärmt Unverzagt. Ein Blick auf den gerade gestarteten Vorlauf der Damen zeigt warum: Gleich dreimal muss die Strecke im Wasser zurückgelegt werden. Zuerst im Kajak, dann nach einem kurzen Sprint an Land knieend oder liegend auf dem Board und erneut nach einem Sprint noch schwimmend. Selbst wer nicht einen vorderen Platz des Kräfte-zehrenden Rennens belegt ist glücklich, denn das Dabeisein zählt genauso und belohnt für jeden Trainingsaufwand. Im August und September finden Teil zwei und drei der Deutschland-Trophy statt, dann stehen auch die endgültigen Gewinner fest.