GERMERSHEIM / KANDEL RHEINPFALZ Plus Artikel Corona hinterlässt schlimme Spuren in der Musikausbildung

In der Musikschule Germersheim, hier Leiter Bernhard Stephan, gibt es nur Einzel- oder Online-Unterricht.
In der Musikschule Germersheim, hier Leiter Bernhard Stephan, gibt es nur Einzel- oder Online-Unterricht.

Wegen der Pandemie findet an Musikschulen seit Monaten nur eingeschränkt Unterricht statt. Neuanmeldungen bleiben aus. Mit Onlineangeboten ringt man darum, dass vor allem die Kleinsten den musikalischen Anschluss nicht verpassen.

Das Virus hinterlässt auch in der Musik schlimme Spuren. Vor Corona war es für Generationen von Kindern normal, im Vorschulalter erste Kontakte mit Glockenspiel, Blockflöte und Co. zu haben, gemeinsam zu singen und zu tanzen. Für die Jahrgänge der Kindergartenkinder von heute gilt das nicht. Denn viele Angebote, wie beispielsweise die von der Musikschule Kandel angebotenen Musikgärten Mini für Kleinkinder und Maxi für Zwei- bis Vierjährige finden in den Kitas statt.

„Die sind aber geschlossen“, bedauert Musikschulleiterin Margarete Mildner. Auch die sogenannte „Musikalische Früherziehung“ für die Vier- bis Sechsjährigen, die in Kleingruppen an der Musikschule unterrichtet werden, gibt es momentan nicht. Die Landesverordnung für Rheinland-Pfalz schreibt vor, dass Präsenzunterricht an den Musikschulen nur als Einzelunterricht unter Einhaltung der Maskenpflicht erlaubt ist, ausgenommen davon ist der Unterricht für Blasinstrumente und Gesang. Diese Fächer dürfen seit Dezember nur online unterrichtet werden. Immerhin! Damit sind ältere Schülerinnen und Schüler „notversorgt“.

Enorme Lücken in der Musikpädagogik

Ansonsten haut Corona enorme Lücken in die Musikpädagogik. „Früherziehung und Kinderchor müssen seit etwa einem Jahr ebenso unterbleiben, wie die Ensemblearbeit“, sagt Bernhard Stephan, Leiter der Musikschule Germersheim. Dort sind mit etwa 470 Schülern derzeit etwa 60 Schüler weniger aktiv als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zu direkten Abmeldungen aufgrund von Begleiterscheinungen der Pandemie komme es zwar nur sehr vereinzelt. Doch coronabedingt seien dieses Jahr weniger Neuanmeldungen erfolgt. „Für Blasinstrumente und Gesang liegen seit einigen Monaten gar keine Neuanmeldungen vor“, so Stephan.

Mit dem Online-Unterricht kämen die Lehrkräfte zum größten Teil zwar gut zurecht. Auch sei die Präsenz in Medien wie Instagram und Facebook deutlich erhöht. Dennoch halten Eltern das gegenwärtige Coronajahr anscheinend einstimmig für ungeeignet, dass ihr Kind mit dem Erlernen eines neuen Instruments startet.

Nachwuchs für Musikschulen kaum erreichbar

Die Musikschulen tun sich deshalb schwer, überhaupt den jungen Nachwuchs zu erreichen. „Aktivitäten wie Instrumentenkarussell sind im Augenblick pandemiebedingt nicht durchführbar“, sagt Stephan. Bei diesem Format können Kinder verschiedene Instrumente ausprobieren, um ihre Neigungen zu erkunden und sich dann für ein Instrument zu entscheiden. In der Musikbiografie eines Menschen kann dies der wichtigste Moment im Leben überhaupt sein.

Dass den Kleinen all diese Chancen genommen werden, will allerdings Margarete Mildner an der Musikschule Kandel nicht zulassen. Im März startete sie mit ihren Lehrkräften Online-Kurse mit wöchentlichen Unterrichtssequenzen per E-Mail und Videos für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren. Insgesamt 23 Kinder nehmen derzeit das Angebot wahr. „Die Rückmeldungen dazu sind durchweg positiv und alle sind sehr begeistert“, freut sich Mildner, die jedoch mit mehr Anmeldungen gerechnet hatte.

Von den Begrüßungsgeschenken – Glöckchen mit Rassel und buntem Tuch – seien noch einige übrig und für neue Teilnehmer zu haben. Und am 1. Mai 2021 lädt die Musikschule Kandel zur Instrumentenschnupper-Aktion ein. In einem 20-minütigen Unterricht kann man dabei das Instrument seiner Wahl ausprobieren – mit Maske und Abstand. Bis auf Bläser und Gesang sollen dabei alle Klassen zugegen sein. Wie die Angebote rund ums kleine Instrumentenkarussell wahrgenommen werden können, erfährt man auf der Internetseite, die am 23. April erstmals online geht. Mildner ist seit einem halben Jahr im Amt und bringt nicht zuletzt die Digitalisierung der Musikschule so gut es geht voran. Wenn jetzt Gruppenunterricht ausfällt, empfiehlt Mildner für die Vier- bis Fünfjährigen, auch in Coronazeiten mit einem Instrument im Einzelunterricht anzufangen: „Das geht bei den allermeisten gut und ist besser als nichts.“

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Margarete Mildner setzt auf Digitalisierung und Einzelunterricht in der Musikschule Kandel.
Margarete Mildner setzt auf Digitalisierung und Einzelunterricht in der Musikschule Kandel.
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