Sparen mit der Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Orangenschalen wird Putzmittel

Spezialreiniger brauche man meistens nicht, sagt Waltraut Rosenberger.
Spezialreiniger brauche man meistens nicht, sagt Waltraut Rosenberger.

Der Fußboden wird auch mit kaltem Wasser sauber und beim Bügeln gibt es eine Reihenfolge. Eine Hauswirtschafterin gibt Tipps, wie man im Haushalt Geld sparen kann.

„Wir nutzen im Haushalt unheimlich viel Chemie“, bedauert Waltraut Rosenberger. Oft gibt es beim Reinemachen natürliche und kostengünstige Alternativen. Neben Hausmitteln wie Soda, Natron oder Essig lassen sich etwa leicht Zitronen- oder Orangenreiniger herstellen. „Orangenschalen haben fettlösende ätherische Öle“, erklärt die Neupotzerin, die fast 40 Jahre lang Hauswirtschaft an der Berufsschule unterrichtet hat. Die darin enthaltenen Terpene wirken sogar desinfizierend. Auf glatten Flächen wie Fenstern, Fliesen und Spiegeln oder zur Auffrischung von Holzmöbeln funktioniere der selbst gemachte Reiniger aus Schalen, die sonst im Abfall landen würden, wunderbar. Gegen Kalk und Fett, also in Bad und Küche, hilft eher der Zitronenreiniger, für den Rosenberger ebenfalls eine Rezeptur hat. Beides spart nicht nur Kosten, sondern auch Verpackungsmüll und schont die Umwelt.

Statt in den Müll wandern Orangenschalen in einen selbst gemachten Reiniger.
Statt in den Müll wandern Orangenschalen in einen selbst gemachten Reiniger.

„Im Putzschrank finden sich häufig Spezialreiniger, die man nicht benötigt.“ Beste Beispiele: Backofenspray, Abfluss- oder Kalkreiniger. Hartnäckiger Schmutz, der nur mit Spezialreinigern verschwindet, lasse sich vermeiden, wenn man am Ball bleibt. Beispiel: Wer direkt nach dem Duschen mit einem trockenen Tuch nachwischt, spart sich die lästige Schrubberei mit teurem und aggressivem Kalkentferner.

Spülwasser aus dem Topf

Grundsätzlich gilt: Wird Wasser erhitzt, kostet das Energie. Viele Flächen, auch der Fußboden, würden im Normalfall mit kaltem oder lauwarmen Wasser und herkömmlichen Allzweckreinigern sauber, so die Hauswirtschafterin. Auch das Spülwasser müsse nicht so heiß sein, dass man sich die Finger verbrennt. Sie empfiehlt den Verschmutzungsgrad abzuwägen und eventuell ein Spülmittel mit Kaltwaschformel und Restwärme des Kochfelds zu nutzen, um das Spülwasser in einem Topf zu erhitzen.

„Was brauche ich wirklich“ – diese Frage stellt sich auch beim Wäschewaschen. „Ein Voll-, ein Color- und ein Feinwaschmittel“, lautet Rosenbergers Antwort. Hygiene- und Weichspüler, Wäscheparfum oder Schmutzfangtücher würden Geldbeutel und Umwelt unnötig belasten. Auch vor Flüssigwaschmitteln und Pads warnt die Hauswirtschaftslehrerin: Sie seien weniger wirkungsvoll, unterm Strich teurer und produzieren mehr Plastikmüll. Die Maschine voll zu beladen sei „das A und O“, um Kosten zu sparen. Die Wäsche sollte allerdings nicht reingestopft, sondern locker eingelegt werden, sonst leide die Waschleistung. Wer Zeit hat, könne die Kleidung abwiegen. „Man vertut sich schnell“, meint Waltraut Rosenberger zum Gewicht. Programme für halbvolle Maschinen verbrauchten im Verhältnis zu ausgelasteten Trommeln immer mehr Wasser und Strom.

Erst alles bügeln, dann falten

Die meisten Mittel hätten so extreme Reinigungskraft, dass 30- oder 40-Grad-Programme reichen. 95-Grad-Wäsche falle kaum noch an: „Sie haben keine Leinenbettwäsche mehr, die Sie fünf Wochen drauflassen“, sagt Waltraut Rosenberger. Die Temperatur zu drosseln, spare Energie. Denn am meisten Strom wird dafür verwendet, das Wasser aufzuheizen. Hier sparen auch Eco-Programme, die zwar länger dauern, aber Restwärme „bis ins Letzte“ ausnutzen. Auch die Fleckenbehandlung im Vorfeld, beispielsweise mit günstiger Gallseife oder Mineralwasser, kann hohe Temperaturen ersetzen.

Nach dem Waschen und Trocknen rät Waltraut Rosenberger nicht kreuz und quer draufloszubügeln, sondern mit Kleidern aus Chemiefasern, also der niedrigsten Temperatur, zu beginnen. So muss das Bügeleisen nicht andauernd hoch-und runterheizen. Außerdem sei es vergeudete Energie, wenn man die Wäsche zusammenlegt, während das Eisen läuft. Deshalb sollten alle Teile erst nach dem Bügeln gefaltet werden. Bei 2000-Watt-Eisen spare man so „echt viel Strom“, so Rosenberger.

Das Spülwasser muss nicht ultraheiß sein.
Das Spülwasser muss nicht ultraheiß sein.

Über allem stehe regelmäßiges Reinigen der Haushaltsgeräte, um die Lebensdauer zu erhöhen. Das Sieb der Spülmaschine etwa sollte nach jedem Durchlauf sauber gemacht werden nicht unbedingt mit frischem Wasser, dafür eigne sich auch das letzte Handspülwasser. Die Wegwerfmentalität sieht Waltraut Rosenberger mit Sorge. Wer Geräte länger nutze, spare ja nicht nur in der Haushaltskasse, sondern schone auch Ressourcen.

Die Lehrerin im Ruhestand warnt davor, sich zu viel auf einmal vorzunehmen: „Gewohnheiten lassen sich nicht von heute auf morgen ändern.“ Sie empfiehlt, „kleine Versuche zu wagen“ und zu beurteilen, ob es in die Lebenssituation passt, anstatt schnell alles zu wollen, nicht durchzuhalten und zu resignieren. Gerade, weil viele Menschen unter Zeitdruck stehen. „Es muss machbar sein“, so die Neupotzerin.

Reiniger selbst herstellen

  • Orangenreiniger (200 ml Essigessenz auf 800 ml Wasser): Schale von 8 Orangen mit Flüssigkeit bedecken; Glas verschließen, schütteln, dunkel und kühl 2 bis 3 Wochen aufbewahren; Absieben und in eine Flasche mit Pumpzerstäuber umfüllen; Universalreiniger für glatte Flächen
  • Zitronenreiniger (500 ml lauwarmes Wasser, 50 Gramm Zitronensäure, 1 bis 2 Teelöffel Spülmittel): alle Zutaten mischen und in eine Flasche mit Pumpzerstäuber füllen; Gut geeignet gegen kalk und fetthaltigen Schmutz auf Edelstahl, Kunststoff, Glas und Keramik; Vorsicht bei verchromten Gegenständen!

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