Neulauterburg
An Blutentnahme führt kein Weg vorbei
Mehrere pinkelnde Männer stehen an Hecken am Parkplatz vor dem ehemaligen Zollpavillon vor der deutsch-französischen Grenze in Neulauterburg. Polizisten stehen in kurzer Distanz von den Männern, bieten ihnen dennoch etwas Privatsphäre. Doch nicht jeder kann auf Anhieb in den kleinen Plastikbecher urinieren. Andere Polizisten unterhalten sich mit Autofahrern, die noch in ihren Wagen sitzen. Polizisten der Inspektion Wörth sind am Dienstagnachmittag bei einer Kontrolle auf der Suche nach Autofahrern, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ein Fahrzeug führen.
Bei 7,5 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden spielen laut Dennis Sturm, einem stellvertretenden Dienstgruppenleiter bei der Polizei in Wörth, Alkohol oder Drogen eine Rolle. Insgesamt gab es vergangenes Jahr im Gebiet der Polizeiinspektion 27 Verkehrsunfälle, bei denen ein Unfallbeteiligter unter Alkohol- beziehungsweise Drogeneinfluss stand. Dies sind zwar weniger als 2 Prozent der gesamten Verkehrsunfälle, doch 24 der 27 Fahrer waren am Unfall Schuld.
Der Blick in glasige Augen ist ein erstes Anzeichen
Zwei Polizisten stehen auf der Straßenmitte, schauen in die Autos hinein, und bitten bei ihrer ersten Auslese, Autofahrer auf den Parkplatz zu fahren. Dabei achten die Polizisten auf auffälliges Verhalten der Fahrer, beispielsweise ob sie glasige Augen haben. „Da hilft die kriminalistische Erfahrung“, erklärt Sturm. Auf dem Parkplatz kümmern sich immer zwei Polizisten um ein Auto. Einer kontrolliert den Fahrer, fordert freundlich die Herausgabe der Papiere und führt freiwillige kurze Geschicklichkeitstests mit den Fahrern durch. Dabei wird auf Gleichgewicht, zitternde Hände, flackernde Augenlider geachtet. Derweil sichert die Kollegin oder der Kollege die Kontrolle ab.
Zeigt einer der getesteten Auffälligkeiten bei den Tests, wird er Sturm zufolge zu einem freiwilligen Urintest gebeten. Der Test reagiert auf verschiedene Rauschmittel wie Amphetamine, Kokain, Cannabis und mehr. Ist einer der Tests positiv, oder wird der freiwillige Test vom Fahrer verweigert, kommt es zur Blutabnahme. Einer der Autofahrer beschwert sich lautstark, wirft den Polizisten Willkür und Schikane vor. „Ich habe noch nie was mit Drogen zu tun gehabt“, sagt er. „Wer zahlt meine Ausfälle“, fragt er die Polizisten. Die lassen sich nicht beirren, weisen ihn auf seine Rechte hin und bieten ihm mehrmals einen Drogenschnelltest an. Er weigert sich weiter. Eine Ärztin wird zur Blutentnahme gerufen, das dauert. Doch kommt sie nicht nur wegen des einen Fahrers.
Verweigerer haben oft Drogen konsumiert
Inzwischen sind es nämlich drei Autofahrer, denen Blut abgezapft werden soll. Die Verweigerung zum Schnelltest kommt häufig von Personen, bei denen sich letztendlich herausstellt, dass sie Drogen konsumiert haben, sagt Sturm aus Erfahrung. Die Kontrollen sind für den Polizisten extrem wichtig, um einerseits vorzeitig die aus dem Verkehr zu ziehen, die sich und andere durch ihren Alkohol- und Drogenmissbrauch gefährden, andererseits Konsumenten davor abzuschrecken, unter Einfluss solcher Substanzen Auto zu fahren. So habe er 2019 auf der B9 einen Unfall aufgenommen, bei dem beide Beteiligten unter Alkoholeinfluss standen und beide durch die Folgen dieses Unfalls noch vor Ort verstarben. Vergangenes Jahr gab es insgesamt 203 Fälle von Alkohol- oder Drogenfahrten im Bereich der Polizei Wörth. 68 sogenannte Trunkenheitsfahrten wurden durch die Polizistinnen und Polizisten verhindert.
Die Ärztin ist zur Blutentnahme bei den drei Männern eingetroffen. Unter einem blauen „Partyzelt“ sind Bierzeltgarnituren aufgestellt, die „Patienten“ sitzen mit Polizisten dort, füllen Papiere aus und warten, bis sie an der Reihe sind. Der Mann, der sich längere Zeit geweigert hatte, einen Schnelltest zu machen, ist inzwischen eingeknickt. Der Teststreifen reagierten bei seinem Urin und dem eines anderen Mannes auf Amphetamin. Bei dem dritten Autofahrer auf Cannabis. 48 Stunden dürfen sie nach der Blutentnahme kein Auto fahren. Über das Ergebnis des Bluttests werden die Männer telefonisch informiert – das kann Wochen dauern. Während die Schnelltests freiwillig sind, ist der Bluttest bei Anordnung durch die Polizei verpflichtend und kann bei Verweigerung auch mit Zwang durchgeführt werden. Eine Chance, hatte der letztlich auf Amphetamin getestete Mann also nicht. Bei einer der beiden Personen mit Amphetamin wurde auch das Auto von einem Drogenspürhund der Polizei untersucht. Gefunden wurde jedoch nichts. Bis zum späten Abend kontrollierten die Polizisten am Grenzübergang den Verkehr.