Wachenheim
Städtepartnerschaft mit Cuisery feiert Jubiläum
Beides steht für starke binationale politische und gesellschaftliche Beziehungen zweier wichtiger europäischer Nationen. Der Franzose Pierre Amblard (68) lebt seit zehn Jahren in der Wein- und Sektstadt. Anlässlich des doppelten Jubiläums – 60 Jahre Élysée-Vertrag und 50 Jahre Städtepartnerschaft – wird er am Freitagabend in der Wachenheimer Stadthalle über zwei markante Aspekte der Zusammenarbeit der zwei Nationen referieren, die auch künftig auf den Dialog, den Austausch und die Kooperation setzen wollen. Zu dem Vortragsabend lädt der deutsch-französische Freundeskreis Wachenheim-Cuisery Mitglieder, Freunde und Interessierte ein.
Wahl-Wachenheimer hält Vortrag zu Élysée-Vertrag
Amblard wird dabei den langen Weg von der Kollaboration unter dem Vichy-Regime, das von 1940 bis 1944 herrschte und mit den Nazis gemeinsame Sache machte, bis hin zur Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich, die mit dem Élysée-Vertrag besiegelt wurde, beleuchten. Der Vertrag wurde am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast unterzeichnet.
Amblard ist in Lyon geboren und hat mit 14 Jahren 1968 den ersten Schüleraustausch erlebt, der ihn nach Weingarten in der Nähe des Bodensees führte. „Dort habe ich Deutschland näher kennengelernt. Ich fuhr nicht begeistert dorthin, aber meine Mutter wollte es unbedingt, weil meine Deutsch-Noten in der Schule damals so schlecht waren“, berichtet der Franzose lachend. Er habe sich dann aber schnell in sein Gastland verliebt. Von da an sei er in der Schule im Deutsch-Unterricht immer der Beste gewesen und interessierte sich für alles, was mit Deutschland zusammen hing. 1976 absolvierte er den französischen Militärdienst in Neustadt und lernte in St. Martin seine Frau kennen, mit der er immer noch verheiratet ist.
1979 zog Amblard nach Deutschland. Das Studium der Geschichte und Geografie hatte er nach drei Jahren aufgegeben, um sich in Frankreich zum Speditionskaufmann ausbilden zu lassen. In Deutschland verschlug es ihn beruflich schnell nach Ludwigshafen zur BASF, wo er als Logistiker arbeitete. Nach dem Wechsel in den Verkauf wurde er ab 1988 im Ausland eingesetzt und lebte mit seiner Frau und den Kindern bis zum Jahr 2009 überwiegend in Afrika und Westasien. Als seine Frau 2010 fragte, wo er denn seine Zukunft sehe, antwortete er „in der Pfalz natürlich“.
Das Haus in Wachenheim hatte die Familie bereits 2006 gekauft, um es dann ab 2012 selbst zu bewohnen. „Meine Frau hatte die Parameter definiert: Sie wollte nicht mehr nach St. Martin zurück, aber sie wollte Weinberge haben, den Wald in der Nähe und eine Burg sollte es auch geben. So konnte es nur Wachenheim werden“, erklärt Amblard augenzwinkernd.
Aktiv im deutsch-französischen Freundeskreis
Über einen Artikel im Amtsblatt sei er auf den Deutsch-Französischen Freundeskreis, der im Januar 1985 gegründet wurde und aktuell 176 Mitglieder hat, aufmerksam geworden und übernahm dort das Amt des Schriftführers.
Der geschichtsinteressierte Amblard ist auch als Gästeführer in Wachenheim unterwegs, war lange in der Initiative Wachenheimer Stadtmauer tätig und engagiert sich im Förderverein zur Erhaltung des kulturellen Erbes der ehemaligen jüdischen Gemeinden in Wachenheim und Bad Dürkheim. Für Amblard kommt der Élysée-Vertrag dem Begraben eines Kriegsbeils gleich. „Deshalb waren die Schüleraustausche sehr wichtig. Da hat man erkannt, dass der jahrhundertealte Feind auch aus Menschen besteht“, erläutert der Franzose, der mit seinem Austauschpartner sehr lange befreundet und auch dessen Trauzeuge war. Das derzeitige deutsch-französische Verhältnis bewertet er trotz mancher Meinungsverschiedenheiten als nach wie vor gut. „Es ist lebenswichtig für Europa, dass unser Tandem weiter existiert“.
Der Élysée-Vertrag habe damals ein Zeichen gesetzt und sei mithilfe des Schüleraustauschprogramms in den Köpfen der Menschen angekommen. „Wir müssen aber wach bleiben und aufpassen, dass extreme politische Kräfte diese harmonische Beziehung nicht zerstören“, sagt Amblard mit Blick auf die Erfolge von Marine Le Pen, die mit ihrer Rassemblement National rechts-populistische bis rechtsextreme Positionen vertritt. „Man kann nicht sagen, dass es uns in Europa schlecht geht, aber wir müssen daran arbeiten, dass es so bleibt. Dabei ist die Demokratie ein wichtiger Bestandteil“, sagt der Wahl-Wachenheimer, der sich selbst als Europäer fühlt.
NOCH FRAGEN?
Vortrag in der Stadthalle Wachenheim am Freitag, 27. Januar, 19.30 Uhr. Titel: „Der lange Weg von der Kollaboration zur Zusammenarbeit“. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten per E-Mail an pierrewachenheim2020@gmx.de oder per Mobiltelefon unter 0160 98375217. Weitere Informationen im Internet unter www.wachenheim-cuisery.de.