Carlsberg
Wolf tötet Schafe: So reagiert die Besitzerin
Elke Friedrich dachte nicht an einen Wolf, als sie am 21. Juli die Weide ihrer Schafe betrat. Zunächst hatte sie nur gesehen, dass eines ihrer sieben Schafe regungslos dalag. „Vielleicht hat es was Schlechtes gegessen“, so ihr erster Gedanke. Doch dann sah sie Bissspuren am Hals und entdeckte noch ein weiteres totes Schaf. Es musste also ein Raubtier gewesen sein, das hier zwei Schafe gerissen hatte.
Zusammen mit ihrem Mann Eckhard wohnt sie auf dem Oberselighof. Dort hat das Paar neben den sieben – jetzt fünf – Schafen auch noch Hühner und Gänse, baut Obst und Gemüse an. Dass Tiere andere Tiere fressen, gehöre einfach dazu. „Wir leben ja mitten in der Natur“, sagt Friedrich. Der Oberselighof ist umgeben von Wald, es ist ruhig, man hört nur ab und zu ein Schaf. Friedrich geht durch ihren Garten und zeigt auf eine komplett umzäuntes Gehege, in dem sie ihre Hühner hält. „Wenn man da mal das Tor auflässt, kommt der Fuchs.“ Und ja, der Fuchs habe auch mal ein Lamm aus der Schafherde gerissen. Aber ein Wolf?
Diese sind in der Pfalz eigentlich eine Seltenheit. Noch im Mittelalter spielte der Wolf in Deutschland eine große Rolle in den Wäldern. Doch er wurde von den Menschen auch immer als Gefahr gesehen. In zahlreichen Märchen wurden Gruselgeschichten über das Tier verbreitet. Im 15. und 16. Jahrhundert versuchte man, den Wolf in Deutschland systematisch auszurotten. Mit Giftködern und Widerhaken, sogenannten Wolfsangeln, wurde er bejagt. Um 1750 galt der Wolf dann auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik als ausgerottet. Erst nach der jüngsten Jahrtausendwende nahm der Bestand an Wölfen wieder stark zu. Aber vor allem in Sachsen und Brandenburg. In Rheinland-Pfalz gibt es bis zu 20 Wölfe, aber vor allem im Westerwald – in der Pfalz gibt es nur ganz selten Nachweise von Wölfen.
„Er hat gewusst, was er tut“
Die Bissspuren an den Schafen von Elke Friedrich sind aber jetzt ein Nachweis. Tröstlich für die Carlsbergerin war immerhin, dass die Herde keine Lämmer hatte, die jetzt ohne Mutter sind – und dass es wohl schnell gegangen sein muss. „Der Wolf hat genau gewusst, was er tut“, sagt sie. Die Bissspuren seien ganz gezielt am Hals gewesen. Es muss also wirklich ein erfahrener Jäger sein. Eines der Schafe hat der tierische Täter dann an Ort und Stelle von der hinteren Keule an angefangen zu fressen. Das andere Schaf wurde getötet, aber vom Wolf liegengelassen. Eigentlich, so hat Friedrich vom Forstamt gehört, sei das ein Verhalten, das man eher vom Luchs kenne. Wölfe verstecken ihre Beute meistens gut, um sie danach zu verspeisen. Da der Wolf aber offenbar auf Durchreise ist, nahm er das Schaf vielleicht auch einfach nur als Wegzehrung. Ob es dann ein anderer findet, kann ihm auch egal sein.
Eine Entschädigung für die getöteten Schafe wird es wohl geben, hat man Friedrich bereits mitgeteilt. Dafür muss sie noch ein Formular ausfüllen und den Vorfall bestätigen. Doch das wird ihr die Schafe auch nicht mehr zurückbringen. „Klar kann ich davon neue Lämmer kaufen“, sagt sie. Man wisse aber nie, ob diese in die Herde passten. Da gebe es viele Faktoren. Auf die Entschädigung sei sie als Hobbyschäferin aber auch gar nicht angewiesen.
Viel härter, so Friedrich, treffen Wolfsangriffe hauptberufliche Schäfer und Landwirte. Wie etwa in Brandenburg, wo sich Medienberichte über gerissene Schafe seit einigen Jahren häufen. Dort sind allein im vergangenen Jahr 914 Schafe und 172 Rinder vom Wolf gerissen worden, wie das Potsdamer Landesamt für Umwelt bekanntgab. In Brandenburg gibt es derzeit mindestens 48 Wolfsrudel. Diese bestehen aus den Elterntieren und deren Nachwuchs. Einzelne Wölfe begeben sich sehr nah an Ortschaften, weshalb die Unruhe dort groß ist und es seit Jahren Diskussionen über die Tiere gibt. Hier hält es Friedrich auch für angebracht, einzelne problematische Wölfe, von denen man weiß, dass sie bereits mehrere Tiere getötet haben, zu bejagen. Trotzdem ist sie froh, dass es die Entschädigung gibt. Damit könne zumindest der wirtschaftliche Schaden eingedämmt werden. Aber auch nur zum Teil. Nach einem Wolfsangriff könne eine Herde auch völlig aufgewühlt sein. Wenn der Wolf die Tiere aufscheuche, bevor er einzelne von ihnen töte, könnten diese Traumata davontragen. Bei Kühen sei dieses Phänomen noch häufiger anzutreffen. Zum Glück war das bei Friedrichs Schafen nicht der Fall. Sie sagt: „Es war eben ein Profi.“