Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Folgen hat der Klimawandel für Eisenberg, Herr Matthes?

Wie wirkt sich der Klimawandel auf Eisenberg aus?
Wie wirkt sich der Klimawandel auf Eisenberg aus?

Welche Folgen hat der Klimawandel speziell für Eisenberg? Diese Frage will Ulrich Matthes am Dienstag im Thomas-Morus-Haus beantworten. Matthes gilt als Gesicht der rheinland-pfälzischen Klimaforschung. Der Wahl-Kerzenheimer leitet das Landes-Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Trippstadt. Eine Begegnung.

Nein, Ulrich Matthes ist niemand, der gern den moralischen Zeigefinger hebt. Keiner, der den Menschen vorschreiben will, was sie zu tun oder zu lassen haben. „Man kommt damit nicht weit“, ist der Leiter des rheinland-pfälzischen Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen überzeugt. Und er sieht darin auch nicht seine Aufgabe. Für das große Ganze sieht er auch eher die Politik in der Verantwortung. „Sie muss die Rahmenbedingungen setzen, in den wir uns dann bewegen“, sagt er.

Seit 2010 leitet der aus Bayreuth stammende Wahl-Kerzenheimer das Landes-Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Trippstadt, er hat es auch mit aufgebaut. Rheinland-Pfalz war eines der ersten Bundesländer, die ein solches eingerichtet hatten. „Wir waren Vorreiter, vorher gab es so etwas nur in Hessen. Mittlerweile sind es sechs, sieben Bundesländer, in denen es solche Zentren gibt, die auch gut zusammenarbeiten. Weitere werden folgen, da ist Bewegung in der Sache“, sagt Matthes, der ursprünglich aus der Forstwissenschaft kommt. Seine Promotion hat er seinerzeit zum Thema „Umbau von Fichten- in Mischwälder“ geschrieben, das Thema Klimawandel und seine Folgen hat ihn daher schon seit den 1980er Jahren beschäftigt. Nachdem er sich in der Pfalz zunächst mit Waldlandschaftsökologie und dem Biosphärenreservat Pfälzerwald auseinandergesetzt hat, liegt sein beruflicher Fokus seit 2008 auf der Klimaforschung.

In der Mitte der Gesellschaft angekommen

Mittlerweile ist der Klimawandel nicht mehr nur ein Thema unter Fachleuten, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mainstream. „Durch mehrere extreme Wetterereignisse ab Mitte der Zehnerjahre hat sich das öffentliche Bewusstsein dafür gewandelt“, sagt er. Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung haben dem Thema dann ein Gesicht gegeben, auch wenn er die Verknüpfung des Klimawandel-Themas mit einer Person immer auch kritisch betrachtet hat.

Dass junge Menschen auf die Straße gehen, um für eine andere Klimapolitik zu demonstrieren, kann er nachvollziehen. „Es muss sich eben alles in gewissen Grenzen abspielen, Gewalt und Sabotage dürfen nicht sein“, sagt er. Natürlich merken auch er und sein Team, dass das Thema Klimawandel stark polarisiert. „Mit Klimawandelleugnern hatten wir schon immer zu tun. Wenn wir bei einer Veranstaltung 30 Menschen da hatten, war darunter immer auch mindestens einer, der sich als Leugner entpuppt hat und das dann auch entsprechend kundgetan hat“, so Matthes. Angefeindet wurden er und seine Mannschaft, zu der unter anderem Biologen, Geographen oder auch Kommunikationswissenschaftler gehören, aber bisher glücklicherweise noch nicht.

Diese Aufgaben hat das Kompetenzzentrum

Die Aufgaben des Kompetenzzentrums sind vielfältig. Einerseits wird zum Thema Klimawandel und seinen regionalen Auswirkungen geforscht, es werden Daten (etwa zu Temperatur oder Niederschlag) erhoben und analysiert. Und es werden Aussagen für die Zukunft getroffen, mögliche Entwicklungen aufgezeigt – ebenfalls runtergebrochen bis auf die lokale Ebene.

Das Kompetenzzentrum erarbeitet auch regionale Anpassungsmöglichkeiten, berät die große Politik, aber auch die Kommunen – etwa in Form des Kommunalen Klimapakts. Dem ist seinerzeit zwar die Verbandsgemeinde Eisenberg, nicht aber die Stadt Eisenberg beigetreten. „Kleinere Kommunen tun sich damit manchmal schwer, sie wissen nicht, was auf sie zukommt und dass sie davon eigentlich profitieren würden. Auch wenn es am Anfang vielleicht erstmal Zeit und Geld kostet, jemanden abzustellen, der sich auf lokaler Ebene kümmert“, so Matthes.

Eisenberg anders betroffen als Vorderpfalz

Am kommenden Dienstag spricht Matthes nun in Eisenberg. Es ist nicht das erste Mal, schon im vergangenen Oktober war er im Rahmen des ersten Donnersberger Klimaabends in der Stadt zu Gast. Diesmal wird er sich ausführlich mit den Folgen des Klimawandels in Eisenberg beschäftigen. Eisenberg werde vom Klimawandel anders betroffen sein als die Vorderpfalz beziehungsweise die Oberrheinebene, wo es wohl etwas wärmer werden wird. Eisenberg wird sich vor allem mit dem Starkregen-Phänomen auseinandersetzen müssen. „Es gibt hier ja Starkregenkonzepte, da hat sich in der Vergangenheit schon etwas getan“, lobt Matthes. Jetzt gehe es auch darum, sich in neuen Baugebieten entsprechend zu rüsten. Welche Möglichkeiten es da gibt, wird er bei dem Vortrag am kommenden Dienstag im Thomas-Morus-Haus verraten.

Termin

Vortrag „Welche Folgen hat der Klimawandel für die Stadt Eisenberg?“ von Ulrich Matthes, Leiter des Landes-Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen, am Dienstag, 16. April, 18 Uhr, im Thomas-Morus-Haus in Eisenberg. Veranstalter ist die Verbandsgemeinde Eisenberg.

Ulrich Matthes leitet das Landeskompetenzzenrum für Klimawandelforschung.
Ulrich Matthes leitet das Landeskompetenzzenrum für Klimawandelforschung.
x