Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Unfallbilanz: Wo die Gefahr lauert

Einer von drei tödlichen Unfällen: In diesem Auto starb eine Frau, als sie auf der Hettenleidelheimer Ortsumfahrung mit dem Wage
Einer von drei tödlichen Unfällen: In diesem Auto starb eine Frau, als sie auf der Hettenleidelheimer Ortsumfahrung mit dem Wagen auf die Gegenspur geriet und mit einem Lastwagen zusammenstieß.

Während 2021 im Leiningerland niemand im Straßenverkehr sein Leben verlor, sind ein Jahr später gleich drei Menschen bei Unfällen gestorben. Die Bilanz der Polizei für 2022 zeigt, wo die Region vom Landes-Trend abweicht. Und sie benennt zwei Stellen, an denen es besonders oft kracht.

Die Corona-Einschränkungen ab 2020 ließen die Anzahl der Verkehrsunfälle deutlich zurückgehen. Ist sie 2022 wieder aufs alte Niveau geklettert?
2022 hat die auch für die Verbandsgemeinde Leinigerland zuständige Polizei in Grünstadt 1236 Unfälle gezählt. Das sind wieder deutlich mehr als im Lockdown-Jahr 2020, da waren es 1192. Aber es sind weniger als 2021 (1256). Und zum Vor-Corona-Niveau bleibt ein deutlicher Abstand. Zum Vergleich: 2018 hatten die Beamten 1439 Unfälle erfasst, 2019 waren es 1411 gewesen.

Eine Erklärung für das anhaltend niedrige Niveau bei der Anzahl der Unfälle haben die Beamten nicht. Denkbar wäre, dass weiterhin mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten als vor der Pandemie. Das würde dann bedeuten, dass weniger Pendler mit dem Auto unterwegs sind. Grünstadts Polizeichef Thomas Jung allerdings hat den Eindruck, dass die Straßen im Bezirk seiner Inspektion wieder genauso voll sind wie früher.

Bei Verkehrsunfällen werden auch Bagatell-Kollisionen wie Parkplatz-Rempler mitgezählt. Wie ist die Entwicklung bei den tödlichen Crashs?
2022 sind bei Verkehrsunfällen im Leiningerland gleich drei Menschen gestorben: Ende Januar überrollte eine Frau mit ihrem Kleinbus in Grünstadt einen Leichtkraftrad-Fahrer, der dabei tödliche Verletzungen erlitt. Anfang Februar kam eine Autofahrerin ums Leben, als sie auf der Hettenleidelheimer Ortsumfahrung (B47) in den Gegenverkehr geriet und frontal mit einem Sattelzug-Gespann kollidierte. Und im Juni überrollte auf der gleichen Strecke ein Lastwagen einen Fußgänger.

Weil im Vorjahr niemand ums Leben gekommen war, muss die Polizei einen besonders heftigen Anstieg der Opfer-Anzahl vermelden. Ein Trend lässt sich daraus aber nicht ablesen, es handelt sich eher um die übliche Schwankung. Zum Vergleich: Auch 2019 gab es drei Tote – bei einem einzigen Unfall, den ein junger Jaguar-Fahrer mit krasser Raserei auf der Straße zwischen Weisenheim am Berg und Kirchheim verschuldet hatte. In den Jahren 2019 und 2020 blieb das Leiningerland wie 2021 von tödlichen Verkehrsunfällen verschont.

Ist auch die Anzahl der Unfälle mit Verletzten gestiegen?
Nein, die Anzahl solcher Kollisionen ist gesunken: 2022 zählte die Polizei 23 Unfälle mit Schwer- und 84 mit Leichtverletzten. Das ist ein Rückgang – im Vergleich zum Vorjahr, aber auch im Vergleich zum Trend seit 2018. Im Fünf-Jahres-Mittel gab es im Leiningerland jeweils 25 Unfälle mit Schwer- und 104 mit Leichtverletzten.

Warum bauen die Menschen im Leiningerland Unfälle?
Wenn sie einen Unfall aufnehmen, wählen die Polizisten aus einer vorgegebenen Liste eine oder mehrere Ursachen aus. Allerdings haben oft mehrere Faktoren zu einer Karambolage geführt, außerdem lassen sich die Stichworte nicht immer exakt voneinander abgrenzen. Also liefert die Statistik an der Stelle auch kein ganz scharfes Bild. Erkennbar wird aber: Besonders oft rumst es beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (345 Fälle).

Eine große Rolle spielen auch zu geringer Abstand (286), Vorfahrtsfehler (102) und zu hohe Geschwindigkeit (97). Dass sich ein Fahrer von seinem Handy ablenken ließ, ist 2022 nur einmal als offizielle Unfallursache festgehalten worden. Allerdings ist von vielen unentdeckten Fällen auszugehen. Zwar lässt sich nachträglich herausfinden, ob ein Gerät unmittelbar vor einem Zusammenstoß benutzt wurde. Aber das wird in der Regel nur nach besonders schweren Unfällen untersucht.

Wie ist der Trend bei den Alkohol- und Drogenunfällen?
Auf Landes-Ebene ist vor allem die Anzahl der Alkoholunfälle deutlich angestiegen. Die Führungsspitze der rheinland-pfälzischen Polizei meint: Das ist eine Corona-Folge. In der Pandemie hätten sich Menschen vermehrt dem Alkohol zugewandt, und dabei sei es nun auch geblieben. Im Leiningerland allerdings ist das Bild genau umgekehrt. In Raum Grünstadt ist die Anzahl der Unfälle mit alkoholisierten Verursachern um 37 Prozent auf 17 zurückgegangen. Und bei Drogenunfällen ist das Minus sogar noch deutlicher. Hier vermeldet die Polizei einen Rückgang von acht auf drei Karambolagen, macht ein Minus von rund 63 Prozent.

Gibt es Stellen im Raum Grünstadt, an denen es besonders häufig kracht?
Im Leiningerland gibt es derzeit zwei Einmündungen, die unter besonderer Beobachtung stehen. Den Anlass dafür liefert eine amtliche Formel: Unfälle bekommen ja nach Schwere eine Punkte-Anzahl. Für Karambolagen an derselben Stelle werden diese Werte zusammengezählt. Und wenn bei deren Addition etwa für eine bestimmte Kreuzung eine Schwelle überschritten wird, gilt sie als „Unfallhäufungsstelle“ (UHS). Diesen Status haben derzeit zwei Einmündungen in der Region: am nördlichen Ortsrand Asselheims die der L516 (Weinstraße) auf die B271 und in Obersülzen diejenige, an der die der Straße nach Obrigheim auf die Hauptstraße trifft.

Was ist dort das Problem?
An beiden Stellen kracht es laut Polizei immer wieder, weil Linksabbieger dem Gegenverkehr die Vorfahrt nehmen. Die Einmündung der L516 in die B271 bei Asselheim soll daher umgebaut werden. Ob auch in Obersülzen etwas verändert wird, ist noch offen.

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