Grünstadt Der Dance-Papst rockt Battenberg

Nosie Katzmann (Mitte) überzeugte in seiner neuen Wahlheimat.
Nosie Katzmann (Mitte) überzeugte in seiner neuen Wahlheimat.

Er ist der Künstler, der hinter Chart-Hits wie „Mr. Vain“ von Culture Beat oder „Right in the Night“ von Jam & Spoon steht: Singer-Songwriter Jürgen „Nosie“ Katzmann, inzwischen Wahl-Battenberger (wir berichteten), sorgte mit seiner hochkarätig besetzten All Star Band am Samstag für musikalische Unterhaltung beim Hoffest im Battenberger Hofgut von Familie Schraut.

Wer allerdings in Erinnerung an durchtanzte Clubnächte Techno, Eurodance, House und Co. erwartet hatte, wurde schon bald eines Besseren belehrt: Katzmann und seine vier Co-Musiker – Stefan Kahne an der Gitarre, Bassist Wolfy Ziegler, Schlagzeuger Michael Germer und Chris Stockert als Co-Sänger und Percussionist – boten vielmehr einen mitreißenden Mix aus eigenen Songs und Cover-Versionen, die sich vor allem in den Bereichen (Roots-)Rock, Blues und Country bewegten. In diese Form wurden dann auch die einstigen Chart-Hits gegossen. „Bei meinen Konzerten lege ich nie vorher eine Setlist fest, das läuft alles spontan ab. Natürlich macht es mir viel Spaß, eigene Songs zu spielen, aber es ist immer eine Mischung aus meinen Liedern und denen, die mich selbst musikalisch geprägt haben“, erklärt Katzmann. Lieder wie Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ und „Walk on the Wild Side“ von Lou Reed etwa. „Das sind die Songs meiner musikalischen Sozialisierung. Die dürfen nicht fehlen“, fügt der Singer-Songerwriter lachend hinzu. Ein Konzert in der neuen Heimat, und alles vor überschaubarem Publikum – wenn es nach Nosie Katzmann geht, genau das Richtige: „Ich mag zum Beispiel Wohnzimmerkonzerte sehr gerne – je intimer, desto besser. Ich liebe es, mit den Leuten zu korrespondieren.“ Und die Interaktion zwischen Hoffest-Besuchern und Band samt musikalischer Botschaft harmoniert dann auch bestens: Als „Launemacher angesichts des trüben Wetters“, wie Gastgeber Julian Schraut kommentiert, fangen Katzmann und seine Band schon früher als geplant an zu spielen, feilen zu Eigenwerken noch ein wenig am Sound im altehrwürdigen Gemäuer des Hofgutes. Spätestens bei bekannten Titeln wie „Real Mother for Ya“ von dem „Funkateer“ schlechthin, Johnny Guitar Watson, springt der Funke über: Nicht nur die eingefleischten Fans in vorderster Reihe swingen mit, auch der eine oder andere in der Schlange am Getränkestand erinnert sich gerne an die wilden Siebziger, so wie die Mannheimerin Sabine Clay: „Das ist Musik! Da waren wir noch jung. Toll wie die Jungs das rüber bringen.“ Eine Hommage an die „Crossroads“ von Robert Johnson und Co., ein gekonntes Mundharmonika-Intro und ein paar virtuose Gitarrensoli später kommen auch die Fans der einstigen Dance-Trendsetter auf ihre Kosten: Bei „Angel“, das Katzmann für das Duo Jam & Spoon schrieb, etwa zeigen sich viele Gäste äußert textsicher, auch wenn das Mitsingen fernab von Technobeat in „Nosie-Interpretation“ so Manchen aus dem Rhythmus bringt. „Huch, das habe ich erst gar nicht erkannt“, staunt Jannicka Geers aus Lampertheim. Sie ist mit Gruppen wie Culture Beat groß geworden – und von den für sie ungewohnten Arrangements begeistert. „Das klingt super, ich konnte mir nicht vorstellen, dass Dance-Hits von früher auch völlig anders gespielt werden können. Wirklich klasse!“, pflichtet ihr auch Patrik Sauter aus Frankenthal bei. Katzmanns Konzept ist aufgegangen: Back to the roots – zurück zu den Wurzeln –, in der neuen Heimat Battenberg kam es jedenfalls sehr gut an.

x