Weisenheim am Berg RHEINPFALZ Plus Artikel Das sagt der Witwer zu dem Urteil im Jaguar-Prozess

Steffen Kirchner
Steffen Kirchner

„Und wenn er 100 Jahre in den Knast gehen würde. Die Drei kommen nicht mehr“: Das sagt Steffen Kirchner, der bei dem Unfall im September 2020 seinen kleinen Sohn und seine Partnerin verloren hat, nach dem Urteil des Landgerichts Frankenthal.

Der 35-jährige Weisenheimer ist froh, dass der Prozess vorbei ist: „Die erste Etappe ist geschafft“, sagt er nach der Urteilsverkündung zur RHEINPFALZ. Der Jaguar-Fahrer, der für den Tod seiner Liebsten verantwortlich ist, muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis: „Er kommt wenigstens nicht auf Bewährung raus“, sagt Kirchner.

Besonders schlimm sei es während des Prozesses immer dann für ihn gewesen, wenn über Finn geredet worden ist, seinen Sohn, dem nur ein Jahr auf dieser Erde vergönnt war. Wichtig sei für ihn, dass er beim Prozess die Gewissheit erhalten habe, dass seine Partnerin, die am Steuer saß, sein kleiner Sohn und die Beifahrerin nach dem Zusammenprall der beiden Autos nicht gelitten hätten: „Das zu hören, war für mich das Wichtigste.“ Sein Augenmerk liege jetzt ganz auf seiner Tochter Nora Luna, die den Unfall als fünf Wochen altes Baby überlebt hat. Er wolle, dass sie eine gute Kindheit und eine sichere Zukunft hat und möglichst wenig von den Belastungen der Familie mitbekommt: „Sie soll nicht so leiden müssen wie ihr Papa. Sie soll nicht so leiden müssen wie ihre Omas und ihr Opa“, sagt Kirchner. In einem Zivilprozess, der als nächste Etappe anstehe, wolle er erreichen, dass die Kleine Schmerzensgeld bekommt und dass damit in Zukunft auch für die weitere medizinische Behandlung gesorgt werden kann: Nächste Woche habe er wieder einen Arzttermin mit Nora, weil das Mädchen Probleme mit dem Nacken und dem Rücken habe. Die Behandlung zahle er selbst. Revision beim Bundesgerichtshof wolle er nicht einlegen, sagt Kirchner: „Das könnte böse nach hinten losgehen. Am Schluss machen sie das Urteil milder als es ist.“ An der Arbeit des Gerichts habe er nichts auszusetzen: „Ich mache den Richtern keine Vorwürfe. Ich danke ihnen, dass sie alles aufgelöst haben.“ Das Schlimmste sei ohnehin, dass er nichts mehr an dem Geschehenen ändern könne.

x