Grünstadt
Barbara Gellrich ist noch immer eine erfolgreiche Schwimmerin
Der Sieg in Berlin vor 42 Jahren war für Gellrich ein unvergesslicher Moment. Immer noch toll fühlt es sich an, ins Olympia-Schwimmstadion zu gehen, erzählt sie der RHEINPFALZ. Zuletzt war sie an Pfingsten in Berlin und hat ein paar Bahnen gezogen. „Wenn ich dort die Augen zumache, ist es fast wie 1978. Das Stadion ist ja alt genug.“
Der Erfolg in Berlin blieb der Höhepunkt ihrer Sportkarriere, die schon mit 19 Jahren endete. Die Hoffnung, bei den olympischen Spielen 1980 in Moskau zu starten, erfüllte sich nicht, da sich die bundesdeutschen Sportfachverbände dem US-amerikanischen Olympiaboykott anschlossen. Und weil die junge Schwimmerin auch gesundheitliche Probleme hatte, fiel ihr der Abschied vom Leistungssport nicht schwer: „Irgendwie hatte ich die Nase voll.“
Spaß an der Bewegung war schon immer da
Nach dem Abitur am Leininger-Gymnasium im selben Jahr konzentrierte sie sich auf ihr Medizinstudium, das sie 1987 an der Uni Mainz beendete. Als sie 26 war, ging ihr zweiter Traum in Erfüllung: „Ärztin werden wollte ich schon, seit ich sechs Jahre alt war und Orthopäde dann seit meinem Teenager-Alter. Das war und ist mein Traumberuf. Das Fach passt gut zu meiner Freude an der Bewegung“.
Viel Spaß an Bewegung und keine Angst vor dem Wasser hatte Gellrich schon als kleines Mädchen, erinnert sie sich. Sie hüpfte im Grünstadter Schwimmbad, dem Vorläufer des Allwetterbads, gern ins Wasser, ohne schwimmen zu können. Kein Vergnügen für Mutter Ingeborg, die ständig Angst um die kleine Babsi hatte. Daher war 1967 für die Sechsjährige Schwimmenlernen bei Bademeister Bodo Hubach angesagt. Schnell konnte sie Brustschwimmen und wollte kraulen wie die Großen. Hubach empfahl den Schwimmclub Delphin, und so startete die Karriere.
Der Bundesadler am Anzug sollte es sein
Trainiert wurde erst bei Rainer Hochstetter, dann bei Walter Zehner. Sommers im ungeheizten Freibad, zur Winterzeit im Lehrschwimmbecken des Gymnasiums. Die Erfolge kamen dank der guten Förderung im Verein schnell, erst ein paar Mal Jahrgangsmeisterin Rheinland-Pfalz und mit 13 Jahren dann Landesmeisterin der offenen Klassen in den Freistil- und Delphin-Wettbewerben.
Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften im selben Jahr bewunderte Barbara die Mädels von SV Nikar Heidelberg, die auf ihren Anzügen den Bundesadler hatten. „Mama, das will ich auch“, lautete die klare Ansage. Und Mama, Studienrätin am Leininger-Gymnasium, machte und fuhr die Tochter zwei- bis dreimal die Woche zum Training nach Heidelberg in das damalige Bundesleistungszentrum. Mit Ursel Brunner, zwei Medaillen 1960 bei Olympia in Rom, hatte sie eine sehr gute Trainerin, und die Konkurrenz vor Ort spornte an.
Grünstadt ehrte sie mit der Stadtsportplakette
1976 dann der komplette Wechsel zu Nikar Heidelberg: Noch mehr Training in der Neckarstadt, aber auch in Grünstadt, wo das Allwetterbad mittlerweile gute Bedingungen bot. Und dazu kam natürlich auch noch der Unterricht am Gymnasium. Es war ein volles Programm für die 15-Jährige. Aber es lief damals alles gut, erinnert sich Barbara Gellrich.
Ihr Trainingsfleiß und die Fahrdienste der Mutter wurden recht zügig belohnt: Aufnahme in die Jugendnationalmannschaft, Länderkämpfe und Start bei den Europameisterschaften in Schweden, 1978 dann der DM-Titel. Die Stadt Grünstadt ehrte die Schülerin mit der Stadtsportplakette in Gold, steht in Walter Lamperts „Geschichte von Grünstadt“. So wurde Gellrich schon als Teenagerin in die Annalen der Stadt aufgenommen.
Mehr als 50 internationale Siege bei den Masters
Die zweite Sportkarriere begann Anfang der 90er Jahre, als Gellrich in der Orthopädie der Uniklinik Mainz arbeitete. Am Ende der Studienzeit hatte sie schon einmal beim Triathlon reingeschnuppert. Als junge Ärztin startete sie in dem Ausdauersport durch, gewann einige Events und wurde Deutsche Meisterin in den Altersklassen 30 und 35. Auch im Schwimmen wollte sie es damals noch einmal wissen, ist in den Jahren 1996 bis 2003 in den kurzen Kraul- und Delphinstrecken Landesmeisterin in der offenen Klasse gegen 20 Jahre Jüngere geworden.
Wirklich stolz ist Gellrich aber auf ihre Erfolge im Masterssport, wie die Seniorenwettbewerbe bei den Schwimmern heißen. Viele Titel bei Deutschen-, Europa- und Weltmeisterschaften sind es geworden. Allein an internationalen Siegen sollen es über 50 sein, gibt der Deutsche Schwimmverband an, aber die 59-Jährige, die für den Mainzer SV startet, zählt Siege und Medaillen nicht mehr.
Masters ermöglichen Kontakt zu vielen Freunden
Es sei einfach nur ein wertvolles Hobby, das ihr tolle Reisen nach Neuseeland, Australien, Russland und in viele weitere Länder beschert hat, sagt sie. Das Schönste an diesen Events ist für sie der Kontakt zu den vielen Freunden, die sie in aller Welt gewonnen hat, sagt Gellrich, die ledig ist und keine Kinder, aber trotzdem ein ausgefülltes Leben hat. Als Ärztin bildete sie sich stets weiter, machte mit knapp 50 Jahren noch eine Ausbildung zur Osteopathin. Privat kümmerte sie sich später intensiv um ihre verwitwete Mutter, war oft in Grünstadt, bis diese vor zwei Jahren starb.
Wegen der Corona-Pandemie ruht zurzeit der Wettkampfsport, aber Gellrich ist jeden Tag sportlich unterwegs: Schwimmen, Radfahren oder Laufen, dazu Krafttraining im Sportstudio. Sport macht ihr einfach Spaß: „Es müssen nicht immer Wettkämpfe sein.“
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