Frankenthal / Ludwigshafen
Wie ein Hilfsarbeiter bester Straßenbauer im Land wird
Von seinem herausragenden Abschneiden erfuhr Ayhan Ellek Mitte März bei der Meisterfeier der Pfälzer Handwerkskammer in Kaiserslautern, wo er unter den 14 jahrgangsbesten Jungmeistern war. 257 Handwerker hatten ihre Meisterprüfung im Vorjahr bestanden. Mit einem so guten Ergebnis habe er nicht gerechnet, sagt der 36-Jährige bescheiden. Die Freude ist ihm anzumerken. Unter Migranten sei ein solcher Abschluss noch mehr wert als in den meisten deutschen Familien, sagt Ellek.
Stolz ist er auch aus einem anderen Grund: In der Schule habe er nichts auf die Reihe bekommen, erzählt der Frankenthaler. Die Jahre danach schlug er sich als Ungelernter mit einfachen Jobs auf dem Bau oder bei Abbruchfirmen durch. Seine Erkenntnis: „Ohne Ausbildung bist du der Letzte, der genommen wird, und der Erste, der gehen muss.“ Mit seiner ersten Tochter Aleyna setzte bei ihm dann mit 24 Jahren ein Umdenken ein. Seine neue Rolle als Vater motivierte ihn, auch beruflich erfolgreich zu sein.
Förderprogramm der BASF
Ellek machte bei der Stadt Mannheim eine Ausbildung zum Straßenbauer und war auch hier schon beim Abschluss Jahrgangsbester. Die Berufswahl war Zufall: Der junge Mann, dessen Familie aus der Türkei stammt und bereits in der dritten Generation in Deutschland lebt, hatte an einem Förderprogramm der BASF teilgenommen und war für den Straßenbau eingeteilt worden. Bis dahin hatte er wie die meisten Autofahrer Straßen nur als Unterlage zum Fahren betrachtet, jetzt erkennt er Baufehler sofort. Und Schlaglöcher sind für einen Handwerker wie ihn ein Ärgernis.
Seine ersten elf Lebensjahre verbrachte Ellek in Ludwigshafen. „Ich dachte, ich kenne dort jede Ecke. Das war ein Irrtum“, sagt er mit Blick auf seine letzten fünf Berufsjahre beim Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen, für den er im Kanalbau tätig war. Bagger, Greifer, Walzen, Rüttelplatten und Stampfer gehören zu seinem täglichen Werkzeug.
Aktuell steht für den 36-Jährigen ein Wechsel zum Eigen- und Wirtschaftsbetrieb Frankenthal (EWF) an, wo er in der Abteilung Stadtentwässerung arbeiten wird. Die RHEINPFALZ besucht Ellek an seinem letzten Arbeitstag in Ludwigshafen. Für ihn ist es ein Tag wie jeder andere auf der Baustelle in der Wormser Straße in Oggersheim. „Das Besondere läuft in mir drinnen ab, ich bin traurig über den Abschied“, gesteht er. „Gleichzeitig freue ich mich auf die neuen Aufgaben – und auf den kürzeren Arbeitsweg, schließlich wohne ich mit meiner Frau und meinen drei Kindern in Frankenthal.“
Multikulturelle Belegschaft
Schon seit sechs Wochen ist Ellek mit seinem Team in Oggersheim tätig, weil elf Hausanschlüsse für Gas, Wasser und Strom in die Jahre gekommen sind. Vor den Wohnhäusern werden die Kanäle freigelegt und Schäden beseitigt. Das führt zu kleineren Baustellen, die den Verkehr verzögern. Den Autofahrern mache das nichts aus, sagt Ellek. Von Anwohnern höre er gelegentlich Beschwerden, „aber wenn man ihnen erklärt, warum wir da sind, haben sie Verständnis“.
Ellek liebt seinen Beruf. „Man ist immer woanders, jede Tätigkeit ist eine Herausforderung“, sagt er. Die Belegschaft sei multikulturell: „Notfalls verständigt man sich in Zeichensprache, das können wir Handwerker prima.“ Der Frankenthaler ist gerne im Freien. Die heißen Sommer übersteht er mit Sonnencreme, Schirmmütze und frühen Arbeitszeiten ab 6 Uhr morgens. Und die Arbeit wird ihm in seiner deutschen Heimat nie ausgehen. Deutschland liegt in der Rangliste der Länder mit den größten Straßennetzen mit rund 630.000 Kilometern auf dem 13. Rang.