Hintergrund
Trainer aus der Region profitieren von Erfahrungen aus erstem Lockdown
„Der erste Lockdown war die große Unbekannte“, sagt Thorsten Koch, Trainer der Oberliga-Handballer der HSG Eckbachtal. „Man wusste nicht: Geht’s noch mal los?“ Als im Frühjahr alles abgesagt wurde, habe er die Spieler erst mal in Ruhe gelassen. Jetzt sei er relativ entspannt. Gleich nachdem bekannt war, dass der Spielbetrieb ausgesetzt werde, habe er mit Athletiktrainerin Vanessa Weiland-Betz ein Programm aufgestellt. Sie mache nun einmal pro Woche Training mit den Spielern via Zoom. Und da habe man im Vergleich zum ersten Lockdown schon ein paar Dinge aussortiert.
Was die Kondition angehe, bekämen die Spieler ihre Kilometervorgaben, die sie eigenverantwortlich absolvieren sollen. Über eine App kann jeder seiner Schützlinge eintragen, welches Pensum er abgespult hat. Und ob dann jeder auch seine Stabilitätsübungen gemacht habe, werde man sehen, wenn es wieder in die Halle gehe. „Wir müssen schauen, dass wir immer auf einem gewissen Level sind“, sagt Thorsten Koch. „Wir wissen nicht, wann es weitergeht.“
Zurück auf Zoom – das ist auch das Motto von Tobias Stumpf, Trainer der ersten Hockey-Damen der TG Frankenthal. Das Training über die Videoplattform leitet Athletiktrainer Joachim Janke. Der Unterschied im Vergleich zum ersten Lockdown: „Im Frühjahr haben wir das sehr intensiv gestaltet, auch mit drei, vier Läufen pro Woche. Jetzt gehen wir an die Grundlagen, wollen uns langfristig verbessern“, sagt Tobias Stumpf. Kraft-Ausdauer-Übungen stehen ebenso auf dem Programm wie Stabilisationsübungen. „Dazu noch zwei kleine Läufe.“
Die Stimmung bei den Damen sei gut. „Aber die Euphorie war im März größer“, berichtet Stumpf. Die Hallensaison bei den Damen soll im Januar losgehen. „Mal schauen, was kommt“, ist der Coach davon noch nicht überzeugt. Und wenn doch, dann will er über Zoom auch die eine oder andere Taktikeinheit machen. Mit dem Ball mache derzeit natürlich keine seiner Spielerinnen etwas. „Aber es sind ja keine D-Mädchen mehr. Sie haben alle eine gewisse Erfahrung.“
Tobias Hinkel, Trainer der Fußballer von A-Klassist DJK Eppstein, hat beim ersten Lockdown darauf vertraut, dass die Spieler viel aus eigenem Antrieb heraus machen. Das habe nicht so gut funktioniert, meint der Coach. „Es hat wieder etwas gedauert, bis sie in Form waren“, sagt Hinkel und lacht. Deshalb gebe es diesmal einmal die Woche Training per Zoom. „Ein Pflichttermin“, betont Hinkel, der die Einheiten selbst leitet. Neu ist die Rolle des „Vorturners“ für Hinkel nicht. „Das habe ich auch schon in der Vorbereitung gemacht.“ Der Vorteil bei der Videoplattform Zoom sei, dass man die Einheiten aufnehmen und so im Nachhinein noch bei einzelnen Spielern Korrekturen vornehmen könne. Je nachdem, wie lange die Zwangspause diesmal dauert, könne er sich auch vorstellen, zweimal pro Woche zum Online-Training zu bitten.
Dazu solle jeder noch laufen und Rad fahren. „Es bleibt uns ja nichts anderes übrig“, sagt der Übungsleiter. Kontrollieren wolle er das aber nicht. „Wir sind immer noch im Amateurbereich. Die Jungs kicken aus Spaß an der Freude.“
Von Routine im Umgang mit Corona will Sven Schumacher, Trainer der Landesliga-Basketballer von Eintracht Lambsheim, nicht sprechen. „So etwas gab’s noch nie.“ Beim ersten Lockdown habe man aufgrund der Temperaturen noch etwas draußen machen können. Für den kompletten November haben die Basketballer Pause. Was auch daran liegt, dass die Halle in Lambsheim zu ist. „Ich gehe davon aus, dass die in diesem Jahr auch nicht mehr geöffnet wird“, sagt Schumacher.
Im Januar gehe dann vielleicht direkt die Runde los. „Dann wären alle nicht fit und nicht eingespielt“, orakelt der Coach. Aber das betreffe alle Teams. Untätig sind die Lambsheimer Spieler aber dennoch nicht. Sie haben jetzt viel Zeit, sich mit dem sogenannten Playbook zu befassen. Darin sind die Spielzüge des Teams festgelegt. Und die seien für die Landesliga zum Teil schon anspruchsvoll, verrät Schumacher. Aber auch hier gilt, dass man die Systeme in der Praxis laufen muss. „Ansonsten vergisst man Kleinigkeiten“, sagt der Trainer.
Einfallsreich zeigt sich Andreas Scharfenberger, Trainer des Handballerinnen des Pfalzligisten SG Lambsheim/Frankenthal. Seine Spielerinnen müssen Challenges absolvieren. „Bälle jonglieren, mit dem Ball in die Hocke gehen – da gibt es viele Möglichkeiten“, sagt der Coach. Auch die erste Einheit per Zoom mit Stabilisationsübungen sei schon absolviert worden. Und ab kommender Woche teile man den Kader dann in zwei Gruppen auf. Eine übernimmt dann Tochter Elena, die bei der SG die zweiten Damen trainiert.
Auch beim Laufen haben die SG-Spielerinnen einen Plan bekommen. Sie müssen laut Andreas Scharfenberger fünf Kilometer in einer vorgegebenen Zeit absolvieren. Kontrolliert wird das über eine App. Demnächst soll es Steigerungs- und Intervallläufe geben. „Das Problem ist, die Spielerinnen bei Laune zu halten“, erläutert Andreas Scharfenberger. Deshalb werde er variieren. Und es könne auch die eine oder andere Überraschung geben, meint der Trainer vielsagend.
Eine weitere Schwierigkeit: Wurftechniken können nicht im Wohnzimmer trainiert werden. „Man kann nicht mal passen üben. Außer in Handballfamilien, wo der Partner oder Kinder auch spielen“, sagt Scharfenberger. Sollte es wieder Lockerungen geben, ist der Coach gerüstet: Vom Jugendcamp der SG vor dem Lockdown hat er sich einige Übungen für Kleingruppen abgeschaut.