Frankenthal
Steinerne Botschaften für Brummifahrer
Es ist wie mit der Flaschenpost: Nachrichten werden irgendwohin verschickt und bringen dort Freude. Bemalte Steine auszulegen, ist zum bundesweiten Trend geworden. In Frankenthal hat sich eine Facebook-Gruppe gegründet, die seit Neuestem steinerne Botschaften speziell für Lkw-Fahrer verbreitet. „Helden der Straße“ steht auf den Kieselsteinen oder „Danke, dass Ihr für uns fahrt“. Inzwischen seien über 100 dieser ungewöhnlichen Grüße unterwegs auf deutschen Autobahnen, schätzt Romi Ballas, die in Frankenthal ein Geschäft mit Stickereien betreibt. Ein befreundeter Lkw-Fahrer brachte sie auf die Idee, dieser Berufsgruppe etwas Gutes zu tun.
„Mit der Aktion wollen wir den Fahrern eine kleine Freude bereiten und einfach mal Danke sagen, dass sie für uns unermüdlich im Einsatz sind“, erklärt Ballas. Verkehrsteilnehmer sollen dafür sensibilisiert werden, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen: „Die Situation auf den Straßen wird ja immer aggressiver.“ Nach dem Schneeballprinzip legt besagter Brummifahrer die Steinepost an Rastplätzen aus und gibt sie an Kollegen weiter.
Über 1000 Steinegruppen in Deutschland
Die Aktion liegt im Trend, in vielen Regionen haben sich auf sozialen Netzwerken Gruppen gegründet. Eine der größten ist die vor zwei Jahren entstandene norddeutsche Facebook-Gruppe „Küstensteine“ mit mehr als 40.000 Mitgliedern. In dem sozialen Netzwerk gibt es eine Seite, die alle bekannten Steinegruppen auflistet. Über 1000 gibt es demnach in Deutschland. In Rheinland-Pfalz sollen es 75 sein, etwa die „Helistones“ aus Speyer oder die „Trulwerstä“ aus Trulben.
Das Prinzip ist stets dasselbe. „Man bemalt die Steine beidseitig, am besten mit wasserfesten Acrylfarben. Mit Klarlack ohne Lösungsmittel sind die Steine besonders wetterfest“, erklärt die Einzelhändlerin. Aus ökologischen Gründen sollten keine Aufkleber oder Dekoelemente aufgebracht werden. In der Natur und in Städten werden die bunten Kiesel dann ausgelegt. Der Finder behält sie als Erinnerung oder legt sie woanders wieder hin.
Steine gehen auf Reisen
Ballas’ ebenfalls von der Aktion begeisterte Freundin Ute Schrah hat sogar einen von „ihren“ Steinen nach zwei Jahren andernorts wiedergefunden. „Die Steine gehen auf die Reise. Was mit ihnen passiert, weiß man nicht. Das hat etwas Verbindendes“, meint Schrah, die daran glaubt, dass von den Steinen eine magische Wirkung ausgeht. Zu Beginn der Pandemie habe sie einen mit Glückspilzen verzierten Kiesel entdeckt, „und er hat mir wirklich Glück gebracht“.
Ballas hatte im Oktober 2019 auf Facebook die Gruppe „Wingertsteine“ ins Leben gerufen, in der mittlerweile knapp 300 Personen aktiv sind und die seit vier Monaten fleißig an Lkw-Fahrer adressierte Exemplare produziert. Die Steinemaler posten Fundsteine aus Bad Dürkheim, Deidesheim und dem Pfälzer Wald, aber auch aus Bayern, Thüringen und Nordrhein-Westfalen.
„Diese Idee wird besonders seit Corona weitergetragen, weil die Menschen positive gemeinschaftliche Erfahrungen brauchen“, glaubt Ballas. Besonders freut sie sich, wenn aktuelle Themen aufgegriffen werden. Der jüngste Beitrag in ihrer Facebook-Gruppe zeigt Kieselsteine mit Friedenstauben und den Farben der ukrainischen Landesflagge.