Motorsport
Rennfahrer Marvin Dienst hofft, dass die Saison im ADAC GT Masters noch gestartet wird
Wäre 2020 ein normales Jahr, würde Dienst jetzt an so ziemlich jedem Wochenende im Rennwagen sitzen. Neben seinem Engagement im GT Masters waren unter anderem wieder Einsätze im Porsche Sports Cup und in der VLN-Langestreckenmeisterschaft angedacht. Doch überall präsentiert sich das gleiche Bild: Die Rennstrecken sind geschlossen, die Boliden bleiben in der Garage. Teams, Fahrer und Fans hoffen, dass es im Sommer irgendwie noch losgehen kann. Zumindest bis zum 31. August bleiben Großveranstaltungen in Deutschland nach den derzeitig gültigen Corona-Beschränkungen aber verboten. Darunter fielen auch die Rennen im GT Masters.
Der ADAC hat den Saisonstart in der höchstklassigen nationalen GT3-Serie deshalb noch einmal nach hinten gerückt: Am 1. und 2. August könnte es nach der aktuellen Planung im Autodrom Most in Tschechien losgehen, wenn die Behörden im Nachbarland zu diesem Zeitpunkt grünes Licht geben und keine Einreisebeschränkungen aussprechen. Die ersten beiden Läufe in Deutschland könnten möglicherweise am 15. und 16. August auf dem Nürburgring ausgetragen werden – notfalls als Geisterrennen, wie ein Sprecher des ADAC berichtet. Noch ist man beim Automobilclub guter Dinge, dass die komplette Saison mit allen sieben Rennwochenenden gefahren werden kann. Die beiden ersten Saisonläufe in Oschersleben, die Ende April ausgefallen sind, sollen Ende Oktober nachgeholt werden.
Wirtschaftlich bedrohlich
Auch Marvin Dienst setzt darauf, dass der Plan aufgeht. Gerade für die kleinen Teams ohne Werksunterstützung sei die Zwangspause im Motorsport eine große wirtschaftliche Herausforderung. Ausgerechnet jetzt, in der warmen Jahreshälfte, in der die Rennställe ihr Geld verdienen müssen, drehe sich kein Rad. „Für die Teams ist das potenziell bedrohlich. Man muss beobachten, wie sich die Sponsoren verhalten“, meint Dienst.
Bei bestem Frühlingswetter juckt es ihm auch ganz persönlich in den Fingern, beziehungsweise im rechten Fuß. „Ich kann es kaum erwarten, wieder Rennen zu fahren. Der Wettbewerb mit den anderen Fahrern fehlt mir“, sagt der Lampertheimer. Die letzten Kilometer, die er bei Testfahrten in einem richtigen Rennwagen abgespult hat, liegen Monate zurück. „Wenn die Pause zu lang wird, verliert man ein wenig das Gefühl für die Geschwindigkeit“, meint er. Allerdings müsse man zur Kenntnis nehmen, „dass es derzeit Wichtigeres gibt. Da sind uns einfach die Hände gebunden.“ Teams und Fahrer befänden sich seit Wochen in einer Art Stand-by-Zustand. „Wir wollen bereit sein, wenn es wieder losgeht.“
Joggen und Radfahren
Für die Saison in der ADAC-GT-Masters-Serie haben sich der Lampertheimer, der im vergangenen Jahr zusammen mit Teamkollege Aidan Read im Mercedes-AMG GT3 Zweiter der Junior-Wertung wurde, und Schütz Motorsport aus Bobenheim-Roxheim einiges vorgenommen. „Wir haben 2019 viele Erfahrungen gesammelt, von denen wir jetzt profitieren können.“ Er erwartet einen noch engeren Wettbewerb als im vergangenen Jahr, zumal sich einige neue Teams angekündigt haben. Vieles werde auch davon abhängen, mit wem er sich das Cockpit teile, wie viel Erfahrung der zweite Pilot mitbringe und wie schnell sich dieser in der Serie zurechtfinde. Noch sei da aber nichts spruchreif.
Langweilig wird ihm unterdessen nicht. Denn auch beruflich hat der 23-Jährige viel mit Fahrzeugen zu tun. Der Automobilkaufmann arbeitet im elterlichen Betrieb für Fahrzeugbau und -hydraulik in Mannheim und schult Porsche-Mitarbeiter in den Bereichen Zukunftstechnologien und Motorsporthistorie. Bis es mit der Rennfahrerei wieder losgeht, hält er sich mit Joggen und Radfahren fit. Hinzu kommen Fitness- und Krafteinheiten im Studio. Auf die Rennstrecken bereitet er sich im Simulator vor. Das echte Fahrerlebnis könne dort aber nicht hundertprozentig nachgebildet werden, meint er.
Virtuelle Welt
„Der Computer kann nicht annähernd die Quer- und Lenkkräfte abbilden, die im echten Rennwagen auf den Fahrer einwirken. Vor allem das Pedalgefühl der Bremsanlage wirkt im Simulator synthetischer“, berichtet Dienst. Auch das räumliche Sehen, um Entfernungen bis zum Kurveneingang abzuschätzen, funktioniere in der virtuellen Welt nur bedingt.Dienst hofft, dass er am ersten August-Wochenende mit dem Schütz-Mercedes das echte Autodrom im tschechischen Most unter die Räder nehmen kann. Zur Not vor leeren Tribünen, auch wenn darunter die Atmosphäre leide. Die Hygienevorschriften und Abstandsregeln sollten für die Teams in und vor der Box sowie im Fahrerlager gut einzuhalten sein. Und im Rennwagen seien die Piloten dann ohnehin allein.
Ein Jahr ganz ohne Rennen will sich Dienst, der 2015 Deutscher Formel-4-Meister wurde und 2017 die Vizemeisterschaft in der FIA-Langstrecken-WM in der GTE-Am-Klasse gewann, gar nicht vorstellen. Schließlich hat er einen Traum: einen Werksvertrag zu bekommen und für einen Hersteller zu fahren. Und um das zu erreichen, muss er sich mit guten Leistungen empfehlen.