Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Junge Talente präsentieren Kunst im Rathaus

Eine Ausstellung im Frankenthaler Rathaus bestücken? Für die elf Jugendlichen gab’s da kein langes Überlegen.
Eine Ausstellung im Frankenthaler Rathaus bestücken? Für die elf Jugendlichen gab’s da kein langes Überlegen.

Eine Ausstellung ohne Vernissage und Besucher? Was nach einem Schildbürgerstreich klingt, ist seit Donnerstag im Frankenthaler Rathaus Realität. Schuld ist Corona. Trotzdem tun es die elf jungen Künstler – denn gerade für sie ist es wichtig, Bestätigung für ihre Arbeit zu finden.

„Junge Artisten – verborgene Talente im Schatten von Corona“ heißt die Ausstellung, in der aktuelle und ehemalige Schüler aus dem Leistungskurs Kunst am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) 20 Werke zeigen. „Aktuell ist die Ausstellung aufgrund der pandemiebedingten Schließung des Rathauses nur für Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu sehen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Aber virtuell haben die Besucher Zugang zur Werkschau.

Die Ausstellung ist der letzte Beitrag zur Aktion „Raum für Kunst“, bei der bis Mitte Mai in der Frankenthaler Innenstadt Skulpturen und Bilder gezeigt werden, um ein Zeichen gegen den pandemiebedingten Stillstand in der Kunstszene zu setzen. Die Initiatorin, Kunstkoordinatorin Nicoleta Steffan, hatte gehofft, dass Interessierte nach Terminabsprache die Bilder im Rathaus besichtigen könnten. Trotzdem ist sie froh, dass die Ausstellung überhaupt stattfinden kann, „denn die Nachwuchsarbeit bleibt wegen der Pandemie auf der Strecke“.

Junge Talente benötigen Impulse von außen

Auch ohne das normale Kulturleben dürfe der künstlerische Nachwuchs nicht den Kopf in den Sand stecken. „Junge Talente müssen derzeit honoriert und beachtet werden. Und daher ist es toll, dass sie sich an einem prominenten Ort wie dem Rathaus zeigen können“, meint Steffan. Derselben Meinung ist Künstler Joe Hanisch, der den Leistungskurs Kunst am AEG leitet und gemeinsam mit Steffan die Ausstellung organisiert hat. „Junge, talentierte Kunstschaffende befinden sich gerade am Anfang einer möglichen Karriere am Scheideweg: Sollen sie ihren künstlerischen Weg weitergehen oder beenden? Ein wichtiger Moment, in dem sie Impulse von außen benötigen“, erklärt der 59-jährige Frankenthaler, der seit über 30 Jahren an Gymnasien Kunstunterricht erteilt.

Hanisch erlebt häufig die Unsicherheit seiner Schützlinge, wenn sie sich erstmals außerhalb der Schule präsentieren. Ein Schritt, bei dem man „den Rücken durchdrücken muss, sich trauen muss, Geld für seine Arbeit zu verlangen und auch Kritik einzustecken lernt“. Wenn dieser Sprung ins kalte Wasser gelinge, greife man meist lebenslang zu Pinsel und Farbe. „Es zeichnet einen Künstler aus, dass er immer wieder malt und von der Kunst nicht lassen kann. Es ist wie ein Virus, eine Künstler-Infektion“, erzählt Hanisch, der seit seiner Kindheit malt und und aktuell im Rahmen von „Raum für Kunst“ in den Fensterfronten des Congress-Forums eine Serie seiner kreisförmigen Tondos zeigt (wir berichteten).

Vielfältige Werkschau derzeit nur virtuell

Teil von Hanischs Konzept ist, die Werke seiner Schüler der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So finden regelmäßig in der City-Apotheke und im Kaufhaus Birkenmeier kleine Werkschauen statt. Und für die jährliche Ausstellung Uschi Freymeyers im Kunsthaus – „Freymeyer and Friends“ – empfiehlt Hanisch jeweils einen begabten Schüler, dessen Werke gemeinsam mit denen arrivierter Kollegen präsentiert werden. „Im vergangenen Jahr lief in dieser Hinsicht leider nichts“, bedauert der Kunstlehrer, „meine Schüler konnten nur im Verborgenen arbeiten.“

Wie groß deren Drang nach Anerkennung ist, zeigen die Reaktionen der jungen Leute. Laut Hanisch kamen die Zusagen seiner Schüler und ehemaligen Schüler zur Ausstellung im Rathaus binnen fünf Minuten per Handy. Die Werkschau ist vielfältig bestückt mit Acrylbildern und Zeichnungen, Landschafts- und illusionistischen Darstellungen, surrealistischer und erzählender Malerei.

So hat die 17-jährige Anne Merger einen griechischen Archipel auf Leinwand gebannt, während Max Kühborth (20 Jahre) mit Porträts afrikanischer Könige die Seele des schwarzen Kontinents zu ergründen versucht. Ein Höhepunkt sind die Zeichnungen von Eric Bingenheimer: fotorealistische Kombinationen mit extremer Unschärfe. Der 20-Jährige ist vor einem Jahr beim Livestream „Kultur-Club“ des Kulturzentrums Gleis 4 zu Gast gewesen und zählt zu den Nachwuchskünstlern, denen Hanisch diagnostiziert, erfolgreich mit dem Virus Kunst infiziert zu sein.

Noch Fragen?

Die Ausstellung „Junge Artisten – verborgene Talente im Schatten von Corona“ wird vom 15. April bis 15. Mai im Foyer des zweiten Obergeschosses des Frankenthaler Rathauses gezeigt. Zurzeit ist sie jedoch nur virtuell zu besichtigen unter www.steffanartkonzepte.de. Am Seiteneingang des Rathauses hängen Informationen zur Aktion „Raum für Kunst“ aus.

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