Frankenthal / Neustadt
Extremsportler Savas Coban stellt seine Dokumentation „Trail der Träume“ im Kino vor
Höher, schneller, weiter: Grenzen kennt Savas Coban keine. Zumindest keine, die er sich selbst setzt. Wie sonst auch könnte man 60 Kilometer durch die sengende Wüste rennen, um am nächsten Tag die gleiche Distanz in klirrender Kälte durchs Hochgebirge zurückzulegen. Der 31-jährige aus der Nähe von Bremen stammende Sportler liebt die persönliche Herausforderung. Schon als Kind ist er sportlich aktiv, spielt Fussball, trainiert Kickboxen, lässt sich später zum Personal Trainer ausbilden. Doch all das reicht ihm nicht. Savas Coban will mehr, sucht nach der absoluten Herausforderung.
Die findet er zunächst 2020, als er während der Pandemie mit dem Rad 3247 Kilometer von Hamburg bis nach Sevilla fährt. „Da habe ich gemerkt, was ich wirklich will im Leben“, erzählt Coban. Ein Jahr später setzt er noch einen drauf, läuft täglich einen Ultramarathon von München bis nach Istanbul, eine Strecke von insgesamt fast 2250 Kilometern. Doch auch das reicht dem Extremsportler noch nicht, er nimmt sich eine Weltkarte und landet mit dem Finger auf Südamerika.
Einmal quer durch Peru
Sein Ziel: Einmal quer durch Peru rennen. Mit rund 1,3 Millionen Quadratkilometern ist das Land an der Pazifikküste etwa 3,6-mal so groß wie Deutschland. Neben wüstenartigen Ebenen und Regenwäldern erhebt sich mit den Anden hier auch eine der höchsten Gebirgsketten der Welt. Zudem herrschen in dem Land immer wieder politische Unruhen, die vergangenen Jahre waren geprägt von Übergangsregierungen. Savas Coban schreckt all das nicht. „Ich wollte etwas einzigartiges machen, je schwieriger es wird, desto besser“, berichtet er von seinen damaligen Plänen.
Gesagt, getan, und so startet er im November 2022 in der Hauptstadt Lima mit dem ersten von 87 Ultramarathons. Doch bereits am fünften Tag schwächelt sein Körper. Vermutlich durch verunreinigtes Trinkwasser zieht er sich einen Magen-Darm-Virus zu, kann kaum etwas bei sich behalten. Am Nachmittag läuft er trotzdem los, rennt durch die Nacht, bis er die Mindestdistanz erreicht hat. „Danach habe ich mich einfach ohne Zelt im Schlafsack unter den freien Sternenhimmel gelegt“, erinnert sich Coban. Nach einigen Tagen hat sich sein Körper akklimatisiert, den Virus besiegt, doch dafür warten neue Herausforderungen. Nachdem er die Wüste durchquert hat, rennt Savas Coban an einem Tag sieben Stunden durch den kalten, strömenden Regen durchs Niemandsland, bis er an einer Hütte ankommt. „Egal wie hart der Tag war, am nächsten Morgen ist alles wieder vergessen“, beschreibt Coban seine Motivation. Das Ungewisse, was ihn am nächsten Tag erwarte, habe ihn immer wieder gereizt und zum Weitermachen motiviert. Ans Aufgeben habe er zu keinem Zeitpunkt gedacht.
Kamerateam muss er zurücklassen
Grenzen gesetzt hätte ihm dann aber beinahe die politische Lage im Land. Nach mehreren Kabinettsumbildungen in nur anderthalb Jahren wird der gewählte Präsident Pedro Castilloer im Dezember 2022 seines Amtes enthoben, auf den peruanischen Straßen herrscht teilweise Bürgerkrieg. In einem kleinen Ort mitten in Peru trifft Savas Coban plötzlich auf Barrikaden. Sein Kamerateam, das ihn auf rund einem Viertel der Strecke begleitet hat, muss er zurücklassen. Der Sportler selbst darf jedoch weiterlaufen. „Angst hatte ich zu keiner Zeit. Ich hatte offenbar aber auch das Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein“, sagt Coban über die Unruhen, über die er sich in Nachrichtensendungen in Restaurants auf dem Laufenden hält. Fast täglich sei er zudem vor Räubern und Kriminellen gewarnt worden.
Eine wirkliche Herausforderung hat sich Coban jedoch bis zum Schluss aufgehoben. In den höchsten Abschnitten der Anden begibt er sich innerhalb kürzester Zeit auf über 5000 Höhenmeter. Der Sauerstoffmangel macht ihn fast bewusstlos, teilweise steht er kurz vor der Unterkühlung. An manchen Tagen hat er zudem kaum etwas zu essen, lebt von einer Packung Kekse. Hier habe er gelernt, was Verzicht bedeute, erzählt Coban. Die Reise habe aus ihm einen stärkeren Menschen gemacht. „Ich bin nicht sportsüchtig, es war für mich vielmehr eine lange schmerzvolle Therapie“ sagt Coban. Süchtig sei er vielmehr nach der Herausforderung.
Extremsport zum Beruf gemacht
Sein Ziel bis Ende 2023 vom Extremsport leben zu können, hat Savas Coban mittlerweile erreicht. Über seinen Lauf durch Peru hat er ein Buch geschrieben, mit der Dokumentation darüber tourt er seit November durch die Kinos im deutschsprachigen Raum, daneben hält er Motivationsvorträge für Unternehmen. „Ich wollte genau das immer, einen Plan B hat es nie gegeben“, betont der 31-Jährige. Seine Grenzen möchte er noch weiter verschieben. Eine Kajaktour durch den Atlantik, mit den Skiern durch die Antarktis, einmal zu Fuß die Welt umrunden, Savas Coban hat noch viele Ideen. Was genau er als nächstes umsetzen will, verrät er indes noch nicht. Auf alle Fälle soll es wieder eine persönliche Herausforderung werden.
Termin
Savas Coban stellt seinen Film „Trail der Träume“ am Samstag, 20. Januar, um 18 Uhr im Frankenthaler Lux-Kino, August-Bebel-Straße 7, und am gleichen Abend um 20 Uhr im Neustadter Roxy-Kino, Konrad-Adenauer-Straße 23, vor. Karten gibt es an der Kinokasse sowie im Internet unter www.lux-kinos.de sowie www.roxy.de