Karate RHEINPFALZ Plus Artikel Aleksandar Blagojevic Deutscher Meister mit Team Rheinland-Pfalz

Aleksandar Blagojevic wollte im ersten Finalkampf kein zu großes Risiko eingehen.
Aleksandar Blagojevic wollte im ersten Finalkampf kein zu großes Risiko eingehen.

Aleksandar Blagojevic vom 1. Shotokan Karateclub Frankenthal hat es geschafft: In den Playoffs der Karate-Bundesliga in Dortmund erreichte er mit dem Team Lotto Rheinland-Pfalz/Frankenthal das Finale und holte gegen starke Ludwigsburger den Titel. Und das nach einer kurzen Nacht.

Viel geschlafen haben Aleksandar Blagojevic und seine Mannschaftskollegen nicht im Hotel, das sich direkt gegenüber der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle befand. „Weil die Heizung und Klimaanlage verrückt gespielt haben, hatten wir die ganze Nacht über eine Bullenhitze in unseren Zimmern. Wir haben kaum ein Auge zugemacht“, erzählt Blagojevic. Denkbar schlechte Voraussetzungen also direkt vor einem wichtigen Wettkampf.

Der 24-Jährige spricht denn auch von einem harten Stück Arbeit am Samstag. Die beiden Finalisten hätten sich nichts geschenkt. „Da war bis zum Schluss Spannung drin“, sagt der Karateka, der gegen den MTV Ludwigsburg an Position eins auf die Matten ging. Sein Kampf gegen Stefan Petkov endete 0:0. Keiner der beiden Kontrahenten konnte in dem dreiminütigen Duell zählbare Treffer oder Würfe setzen. „Ich wollte kein zu großes Risiko eingehen, um mein Team nicht gleich in der ersten Runde in Rückstand zu bringen“, erklärt Blagojevic. Bei einem Mannschaftswettbewerb sei man immer etwas vorsichtiger als in einem Einzelwettkampf. „Im Nachhinein hätte ich vielleicht den ein oder anderen Angriff mehr wagen sollen“, meint er.

Führung gleich wieder weg

Weil der Kampf von Paul Meißner, der ebenfalls in Frankenthal trainiert, auch punktlos endete, blieb es weiter spannend. Erst Olympiateilnehmer Jonathan Horne aus Kaiserslautern brachte die Rheinland-Pfälzer in Führung, die nach der Niederlage von Anour Bourgine jedoch gleich wieder weg war. Die Entscheidung musste also im fünften und letzten Kampf fallen, und hier sicherte Melvin Fleischer dem Lotto-Team den Finalsieg und den Titel des Deutschen Meisters. Für die Truppe ist es der erste, und nach einer coronabedingt auf zwei Jahre ausgedehnten Bundesligasaison hat dieser Titel durchaus Chancen, in die Geschichte einzugehen.

Im Halbfinale hatte sich das Team Lotto Rheinland-Pfalz/Frankenthal gegen Kaiten St. Wendel/Saarwellingen zügig durchgesetzt. Weil Blagojevic, Bourgine und Horne ihre Kämpfe gewannen, war die Begegnung beim Stand von 3:0 bereits entschieden. Die Saarländer hätten in den verbleibenden beiden Duellen nicht mehr ausgleichen können. Seinen eigenen Kampf gegen Lukas Nagel gewann Blagojevic, der sich selbst als „angreifenden Kämpfertypen“ bezeichnet, mit 2:1 Punkten. Wobei er zunächst zurückgelegen hatte. „Ich habe dann meine Taktik geändert und Härte rausgenommen, um meinen Gegner zu locken und Konter zu setzen. Das war erfolgreich.“

Alles etwas größer als sonst

Wobei zu erwähnen ist, dass die Karatesportler von Kaiten St. Wendel/Saarwellingen zu diesem Zeitpunkt schon einige Kämpfe in den Knochen hatten. In ihrer Bundesliga-Gruppe musste am Morgen in einer Vorqualifikation noch der Gruppensieger und vierte Halbfinalteilnehmer ermittelt werden, weil nach der Vorrunde drei Mannschaften punktgleich an der Tabellenspitze gestanden hatten. „Die Kämpfe haben wir uns natürlich angeschaut. Das war sicherlich kein Nachteil für uns“, sagt Blagojevic.

Weil die Playoffs der Karate-Bundesliga diesmal in das sportliche Großereignis „Die Finals 2021“ eingebettet waren, bei denen in 18 Sportarten deutsche Meisterschaften ausgetragen wurden, fiel alles etwas größer aus als sonst. „Vor den Wettkämpfen gab es eine Lichtshow. Die Halbfinalisten sind auf einer großen Bühne vorgestellt worden“, berichtet Blagojevic. Auch das Medieninteresse sei enorm gewesen. „An den Matten stand eine große Fernsehkamera, alles war perfekt ausgeleuchtet. Das hat einem als Athlet noch mal einen Extraschub gegeben.“ Ein TV-Interview habe er nicht geben müssen, sagt Blagojevic erleichtert. Das habe Teamkollege und Olympia-Teilnehmer Jonathan Horne übernommen.

Zuschauer vermisst

Blagojevic hofft darauf, dass das Medieninteresse an Karate anhält: „Der Sport hat es verdient, etwas bekannter zu werden.“ Gefehlt hätten in den diesjährigen Playoffs allerdings die Zuschauer in der Halle: „Die Stimmung von den Rängen haben wir natürlich vermisst. Coronabedingt war das aber noch nicht möglich.“

Die Teilnahme an Mannschaftswettbewerben sei immer etwas Besonderes, erläutert Blagojevic. „Es ist noch mal eine andere Anspannung, wenn man nicht für sich alleine, sondern für das ganze Team kämpft.“ Und nach einer kleinen Feier mit den Mannschaftskollegen habe er in der folgenden Nacht auch sehr gut geschlafen. Das Training will er in den kommenden Wochen etwas herunterfahren, ehe er sich an die Vorbereitung auf die Deutschen Einzelmeisterschaften im September macht.

Für das Team Lotto Rheinland-Pfalz/Frankenthal war es der erste deutsche Meistertitel.
Für das Team Lotto Rheinland-Pfalz/Frankenthal war es der erste deutsche Meistertitel.
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