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Freitag, 16. November 2018 Drucken

Frankenthal

„Gemeinsam die ersten Schritte gehen“

Interview: Medienreferent Stephan Glöckler gibt Eltern Ratschläge im Umgang mit Internet, Smartphones und Social Media

Stephan Glöckler

Stephan Glöckler ( Foto: Glöckler/frei)

Kinder sollten bei der Mediennutzung nicht alleine gelassen werden.

Kinder sollten bei der Mediennutzung nicht alleine gelassen werden. ( Foto: dpa)

„Was macht mein Kind im Internet?“ heißt der Informationsabend des Karolinen-Gymnasiums, auf dem der Umgang von Kindern mit Medien im Vordergrund steht. Denn dies ist eine Frage, die sich sicherlich auch viele Eltern stellen. Referent Stephan Glöckler von der Initiative „Medienkompetenz macht Schule“ des Landes Rheinland-Pfalz hat darauf Antworten. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ gibt er erste Tipps.

Herr Glöckler, haben Sie ein Facebook-Profil?

Ja, das habe ich. Auch bei den anderen gängigen Social-Media-Anwendungen wie Snapchat, Instagram oder WhatsApp bin ich vertreten. Aber eigentlich nutze ich das nur als Zugang, also für berufliche Zwecke und Recherchen. In mein privates Facebook-Profil schaue ich vielleicht mal alle zwei bis drei Wochen.

 

Sie haben selbst drei Kinder im Alter von drei, zehn und 13 Jahren. Wie sieht die Internetnutzung bei ihnen aus?

Vorab: Man braucht sich nicht einzubilden, dass, nur weil man Medienpädagoge ist, sich die Medienerziehung von alleine erledigt. Damit musste ich mich wie jeder andere lange aktiv auseinandersetzen und Kompromisse mit meinen Kindern finden. Der Dreijährige hat natürlich noch wenig Kontakt mit Medien. Mein älterer Sohn hat ein älteres Smartphone aus der Familie. Auf dem ist allerdings eine Software installiert, die ihm nur die Nutzung weniger Anwendungen erlaubt und zum Beispiel kein freies Surfen im Internet gestattet. Mit meiner dreizehnjährigen Tochter hatte ich schon längere Diskussionen. Wenn der Austausch im Freundeskreis hauptsächlich über WhatsApp-Gruppen stattfindet, ist es schon schwierig, das zu verbieten. Seit sie ein Smartphone hat, haben wir schrittweise an der Nutzung gearbeitet und nach und nach Funktionen freigeschaltet. Immer, wenn ich das Gefühl hatte, das meine Tochter jetzt in der Lage ist, damit gut umzugehen.

 

Mit vielen Jahren sollte ein Kind überhaupt ein Handy bekommen?

Diese Frage erkläre ich immer gerne mit dem Thema Verkehrserziehung. Wann würden Sie ihr Kind eigenverantwortlich zur Schule gehen lassen? Die Eltern antworten dann meist, wenn sie glauben, dass den Kindern nichts passiert, wenn sie alle wichtigen Verkehrszeichen kennen, etc. Genauso ist es mit der Medienerziehung. Wenn man glaubt, dass die Kinder mit Handys eigenverantwortlich und sicher umgehen können, ist das ein guter Zeitpunkt. Das Kind muss Vertrauen in die Eltern haben und mit ihnen immer über eventuell aufkommende Probleme reden können.

 

Was ist denn der größte Nutzen, was umgekehrt die größte Gefahr bei Medien für Kinder?

Die Risiken und Nutzen hängen vor allem davon ab, wie man das Medienangebot nutzt. An Smartphones finde ich toll, dass sie ein Alleskönner sind: Kommunizieren, Spielen, Organisieren, alles ist möglich. Aber es kann natürlich auch für Mobbing missbraucht werden, es gibt Kostenfallen, und jugendgefährdende Inhalte können verbreitet werden. Eigentlich hängt jedes Risiko davon ab, wie viel Aufklärung es vorher gab. Wenn die Medienkompetenz gefördert wird und das Kind weiß, worauf es achten muss, überwiegen die Chancen die Risiken.

 

Wie wird der Vortrag am Montag gestaltet?

In meinen Vorträgen steige ich immer mit einem Stück „Lebenswirklichkeit“ ein, also mit Statistiken und Studien zum Mediennutzungsverhalten. So bekommen die Gäste ein Gefühl, wo sie selbst und ihre Kinder eigentlich stehen. Danach beleuchte ich Licht- und Schattenseiten der Internetnutzung. Also, was junge Leute für kreative Dinge, aber umgekehrt auch für unschöne Dinge im Internet anstellen können. Am Montag wird das Besondere sein, dass auch das Projekt „Medienscouts“ des Gymnasiums vorgestellt wird. Mein Vortrag wird dann nur einen kleinen Teil ausmachen, damit viel Zeit für die Diskussion mit den Eltern bleibt.

 

Was ist der wichtigste Rat, den sie Eltern für die Internetnutzung ihrer Kinder empfehlen würden?

Eigentlich sind es zwei Ratschläge. Zum ersten, dass man gezielt Medienerziehung betreiben muss und die Kinder hier nicht alleine lässt. Es ist wichtig, Medien in der Familie zum Thema zu machen. Zweitens sollten Eltern mit Kindern gemeinsam die ersten Schritte gehen. Denn auch die Eltern müssen erst einmal alles, was mit Internet und Medien zu tun hat, verstehen.

Termin

Der öffentliche Informationsabend des Karolinen-Gymnasiums „Was macht mein Kind im Internet?“ findet am Montag, 19. November, um 19 Uhr in der Aula der Gymnasien statt. | Interview: Lea Ochssner

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