Blickpunkt
Trotz Schnelltest-Pflicht zum Friseur?
Ralf Baier aus Freinsheim hat seine Mitarbeiter von einem Arzt schulen und zertifizieren lassen und neben dem Friseursalon eine Teststation als Service für seine Kunden eingerichtet. Falls es einen positiv Getesteten gäbe, käme er nicht mit den anderen Kunden in Berührung. Wer sich im Salon Baier die Haare machen lassen will, sollte deshalb nur eine halbe Stunde früher zum Testen kommen, sagt der Saloninhaber. Die Terminabsagen hielten sich nach der Einführung der Testvorschrift in Grenzen, sagt er. Wie viele Kunden sich aber erst gar nicht testen lassen wollen und einfach wegbleiben, könne er nicht einschätzen – einige hätten auch bekundet, sich nicht testen lassen zu wollen. Die Tests bei Baier sind kostenlos.
„Wir waren vorbereitet“
Auch Uwe Lerzer, Geschäftsführer des Friseurs Lerzer am Schlossplatz in Bad Dürkheim, bietet seinen Kunden Schnelltests vor dem eigentlichen Termin an. Laut Lerzer nutzen diesen Service allerdings nur gut zehn Prozent der Kunden. „Alle anderen bringen einen eigenen Nachweis mit, was uns natürlich noch lieber ist.“ Er selbst empfindet die Situation mit den benötigten Tests nicht als problematisch. „Wir waren vorbereitet und haben uns im Vorfeld für viel Geld mit Tests eingedeckt“, sagt er. Die Tests für die Kunden finden vor dem Salon statt.
Jedes Testergebnis werde in der Kundenkartei vermerkt. Natürlich werden auch die Mitarbeiter täglich getestet, einige seien sogar schon geimpft. „Das gibt uns etwas Sicherheit und nimmt den Druck raus“, meint Lerzer. Aus seiner Sicht jedoch ärgerlich: Dass die Bestätigung eines negativen Tests nicht auch für andere Dienstleister gültig ist. „Unsere Kunden müssen sich oft dreimal am Tag innerhalb von zwei Stunden testen lassen, wenn sie noch einkaufen gehen wollen. Oft, so wie bei uns, kostenpflichtig. Es wäre sinnvoll, wenn das Ergebnis nicht nur für den einen Dienstleister gelten würden“, sagt Lerzer.
Großen Schwund in der Kundschaft kann er wegen der Tests jedoch nicht verzeichnen. „Es sind zwar weniger Kunden als sonst, doch ob das wesentlich ist, lässt sich erst im nächsten Quartal sagen.“ Viele seien verunsichert, doch nach einem Telefonat seien die meisten Fragen geklärt.
„Bevor wir wieder zumachen müssen, bevorzuge ich eindeutig diese Lösung“, bezieht Martina Eller-Beck von Martinas Haarstudio in Weisenheim am Sand klar Stellung. Bei ihr hat das Telefon seit Einführung der Testvorschrift kaum mehr still gestanden, weil jeder wissen wollte, was Sache ist. Nur zwei Kunden hätten dann letztlich auf einen Besuch bei ihr verzichtet. „Wir haben zu tun und sind zufrieden“, meint Eller-Beck.
„Die Moserei ist groß“
Bei Michael Wolf von „Wolf macht Haare“ in Bad Dürkheim bleiben Kunden seit der Testpflicht massiv aus. Seine Angestellte habe kaum was zu tun. Hat ein Kunde keinen tagesaktuellen Test dabei, muss er ihn wieder heimschicken. Nicht nachvollziehen kann er die Vorschrift, dass Friseur und Kunde trotz negativer Tests noch FFP2-Masken tragen müssten. „Wir Friseure haben gelitten“, zieht er für sich Bilanz.
Das kann Dilek Gülay vom Salon Haarorient in Bad Dürkheim bestätigen: Sie hat nach eigenen Angaben einen Umsatzrückgang von über 50 Prozent zu verzeichnen, seitdem ihre Kunden einen aktuellen Corona-Schnelltest vorweisen müssen.
„Wer keinen Schnelltest dabei hat, wird von uns in das nahe gelegene Schnelltestzentrum geschickt, die machen wir nicht bei uns“, sagt Gülay, die allerdings auch beobachtet hat, dass die Kunden sich über die Testpflicht ärgern und ohne frischen Haarschnitt wieder den Heimweg antreten. „Teilweise hatte ich deshalb nur vier Kunden am Tag“, bedauert die Friseurin. Gülay hat ihre Geschäftsräume in der Weinstraße Süd mittlerweile geschlossen und mit dem Laden ein neues Domizil in der Leiningerstraße bezogen. Dort finden nicht mehr wie bislang zehn, sondern nur noch sechs Kunden Platz, sagt die gebürtige Dürkheimerin, die den Salon seit 15 Jahren betreibt.
„Ich habe zu tun, kein Thema, aber die Moserei ist groß“, berichtet Birgit Meier von „Die Schere“ in Wachenheim. Beziffern, ob und wie viele Kunden wegen der Testpflicht nicht kommen, kann sie nicht. Man müsse die Kunden aber auch verstehen, meint sie. Einige ihrer Stammkunden seien inzwischen auch schon zweimal geimpft, gibt sie zu bedenken. Sie akzeptiert nur zertifizierte Tests. So ist sie gezwungen, manche Kunden zu vertrösten – aber Kontrollen, ob die Regeln eingehalten werden, gebe es keine, hat sie festgestellt.