FUSSBALL
Porträt: Alexander Haferstroh vom FV Freinsheim
Als Alexander Haferstroh 2017 zum FV Freinsheim wechselte, war er bereits 36 Jahre alte und hatte fast 250 Verbandsligaspiele für den ASV Fußgönheim und den Ludwigshafener SC auf dem Buckel. Der eine oder andere mag gedacht haben, da kommt einer, der seine Laufbahn gemütlich ausklingen lässt. Doch weit gefehlt. Der immer noch extrem ehrgeizige Linksfuß bewies eine erstklassige Einstellung, eine großartige Mentalität und brachte vom ersten bis zum letzten Tag immer seine Leistung. „Man darf es nie schleifen lassen, muss den nötigen Biss haben und immer mit dem Ziel auf den Platz gehen, die Partie unbedingt gewinnen zu wollen“, nennt Haferstroh ein Geheimnis seines Erfolges.
Damit lief er bei Coach Christian Schäfer offene Türen ein. Und selbstverständlich befolgte der technisch und spielerisch starke Mann mit der Nummer 25 das Laufprogramm des Trainers, das Schäfer seinen Akteuren Jahr für Jahr quasi als Vorbereitung auf die Vorbereitung ans Herz legt. Hinzu kommt, dass Haferstrohs Kampfgewicht seit Jahren unverändert ist. 60 Kilogramm bringt der 42-Jährige bei 1,67 Körpergröße auf die Waage. „Zuletzt waren es sogar nur 58 Kilo. Ich kann essen was ich will, ich nehme nicht zu“, sagt der Mittelfeldspieler und lacht. Schäfer bedauert seine Entscheidung: „Alex ist ball- und passsicher, extrem trainingsfleißig und fit. Er hat eine hohe Spielintelligenz, ein gutes Auge und ist einfach ein klasse Fußballer. Er wird uns fehlen.“
35 Tore
In den sechs Jahren bestritt Haferstroh für die Blau-Weißen 126 von wegen der Corona-Pandemie nur 147 möglichen Punktspielen und erzielte dabei 35 Treffer. Passend zum Ausstand steuerte er in seiner letzten Begegnung gegen Meister SV Geinsheim ein Tor zum 6:0-Sieg bei. „Es war eine anstrengende Saison, auch weil wir immer den Blick nach hinten richten mussten. Ich habe mir viel Gedanken gemacht, und die Entscheidung aufzuhören, ist mir gewiss nicht leichtgefallen“, verdeutlicht Haferstroh, der ein guter Standardschütze ist und zeitweise Kapitän war. Er glaubt, dass Antritt und die Schnelligkeit etwas nachgelassen haben, schiebt aber sofort nach, „dass ich keineswegs nur hinterherlaufe“.
Weil erfahrene und wichtige Spieler wir Tim Karch und gegen Ende auch Thorsten Boller ausgefallen waren, sei die Coaching-Arbeit auf dem Spielfeld mehr geworden. „Außerdem ist die Einstellung vieler junger Spieler eine andere als sie etwa vor 20 Jahren war“, hat der leichtfüßige und clevere Haferstroh erkannt. Es sei nicht ein besonderer Grund, eher ein schleichender Prozess gewesen, der ihn bewogen habe, die Laufbahn zu beenden. Er bleibt aber beim FV Freinsheim und hat schon mal bei den „Alten Herren“ mittrainiert. Die spielen teilweise auf Kleinfeld, was nicht nur wegen der veränderten Ausmaße eine große Umgewöhnung bedeute.
Wohnort Leistadt
Alexander Haferstroh, der mit Lebensgefährtin Katharina in Leistadt wohnt und seit 14 Jahren in einem großen Autohaus in Ludwigshafen-Oggersheim arbeitet, hat genaue Vorstellungen, wie er seine freie Zeit nutzen wird. „Wir haben zwei Hunde der Rasse Australien Shepherd. Die wollen bewegt und ausgelastet werden. Hinzu kommt etwas Gartenarbeit“, erklärt Haferstroh. Gut möglich, dass er künftig öfter seinen ehemaligen Mitspielern oder seinem 17-jährigen Sohn Lucian zuschaut. Der kommt in die A-Jugend des FSV Osthofen und ist Linksfuß wie sein Vater. Auch die Position ist identisch: Mittelfeldspieler.
Begonnen hat Haferstroh beim Ludwigshafener SC in der E-Jugend, wo er zunächst – was schier unglaublich klingt – im Tor stand. Ab den B-Junioren spielte er beim SV Weisenheim. Damals war er Flügelspieler, eine Position, die er viele Jahre bekleidete. Sein „Entdecker“, Trainer Hans Mack, holte ihn zum ASV Fußgönheim. Gleich in seiner ersten Saison wurde Haferstroh mit dem ASV Landesliga-Meister und stieg auf. In Fußgönheim erlebte er eine wunderschöne Zeit und bestritt 142 Verbandsligaspiele.
Geschickter Zweikämpfer
Seine nächste Station war der Ludwigshafener SC, für den er 105 Verbandsligaspiele absolvierte und wie in Fußgönheim Stammspieler und Leistungsträger war. „Ich habe bis heute Glück gehabt, dass ich nie schwer verletzt war“, räumt Haferstroh ein. Ein Muskelfaserriss sei die schwerwiegendste Blessur gewesen. Das mag an der guten körperlichen Verfassung liegen, sicher aber auch an seinem Geschick im Zweikampf. Der Mittelfeldspieler macht intuitiv vieles richtig. Nach drei Jahren beim SV Bad Dürkheim, wo Haferstroh von Trainer Andreas Schröck erstmals im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde, und zwei Spielzeiten beim Landesligisten TuS Altleiningen wechselte er nach Freinsheim.
„Hier fühle ich mich sehr wohl. Der Zusammenhalt ist riesig, das ist wie eine große Fußballfamilie“, betont Haferstroh. Und was ist, wenn der FVF in der nächsten Saison im Mittelfeld Bedarf hat? „Man muss abwarten, wie es mir ohne Fußball geht“, weicht der Vollblutfußballer aus. Klingt ganz so, als sei das letzte Wort noch nicht gesprochen und ein Comeback nicht völlig ausgeschlossen. Geplant ist es aber nicht. Noch nicht.